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Nigerianische Bruderschaften : Die Schwarze Axt

  • -Aktualisiert am

Eine schwarze Axt, die die Ketten der Unterdrückung zerschlägt: das Logo des Neo-Black Movement Bild: Archiv

Nigerianische Studenten gründeten in den siebziger Jahren eine Bruderschaft, um gegen Unterdrückung und Rassismus zu kämpfen. Heute taucht deren Name weltweit im Zusammenhang mit kriminellen Machenschaften auf. Was ist passiert?

          11 Min.

          Usman dan Fodio singt gern, wenn es um das „Neo-Black Movement“ geht. Er singt von afrikanischen Freiheitskämpfern und ihren Heldentaten, er singt in die Kamera seines Handys und lädt die Videos bei Facebook hoch. Seit gut fünf Jahren ist er ein

          David Klaubert

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          „Axeman“, wie sich die Mitglieder selbst nennen. Usman dan Fodio ist der Name, den er damals verliehen bekam, nach einem westafrikanischen Herrscher des 19. Jahrhunderts. „Das NBM hat mein Leben verändert“, sagt er. „Es hat mir Respekt und Disziplin beigebracht. Diese Werte will ich weiterverbreiten.“

          Auch Tobias Uche betreibt eine Internetseite über das „Neo-Black Movement“. Er veröffentlicht Fotos und Namen, Zeitungsartikel und interne Dokumente. Sein Gesicht würde er niemals vor einer Kamera zeigen. Sein Name ist ein Pseudonym. Und er besteht darauf, dass nicht einmal die Stadt genannt wird, in der man ihn zum Gespräch trifft. „Ich will sie entlarven“, sagt er, „der Öffentlichkeit klarmachen, was sie wirklich sind: eine sehr effektive und gefährliche Maschinerie internationaler Kriminalität.“

          Als Studenten einst das „Neo-Black Movement“ gründeten, setzten sie sich große Ziele: Sie wollten gegen die Unterdrückung und die Not schwarzer Menschen kämpfen; nicht nur in ihrer Heimat Nigeria, sondern in aller Welt. Und tatsächlich ist das NBM inzwischen auf fast allen Kontinenten aktiv. Rund 30.000 Mitglieder hat es nach Angaben der aktuellen Führung. Aus der Studentenbruderschaft ist eine Bewegung geworden, die sich für „soziale Gerechtigkeit und Gleichheit aller“ einsetzen will. Der deutsche Ableger ist als Verein eingetragen.

          Doch nicht nur Tobias Uche hat Zweifel an dieser Selbstdarstellung. Auch Polizisten und Staatsanwälte, die in den vergangenen Jahren gegen Mitglieder ermittelt haben, in Kanada, in Großbritannien und in Italien, sind überzeugt, dass die Bewegung weit abgekommen ist von ihrem ursprünglichen Weg. In seiner Heimat wird das NBM mit den „Black Axe“ in Verbindung gebracht, einem verbotenen „campus cult“, wie in Nigeria gewalttätige Banden und Geheimbünde heißen, die ihre Wurzeln an den Universitäten haben. „Die ,Black Axe‘ waren von allen die Schlimmsten“, sagt ein Absolvent, der Anfang der nuller Jahre in Ilorin in Westnigeria studiert hat. Während er selbst in einer Geologie-Vorlesung saß, erzählt er, hätten vor dem Hörsaal mehrere „Black Axe“ einen Kommilitonen verprügelt, der zu einem rivalisierenden Kult gehörte, und ihm dann mit Macheten den Kopf eingeschlagen.

          Nigeria zu Beginn der siebziger Jahre: Straße in Lagos

          Nigeria stand noch unter britischer Kolonialherrschaft, als Anfang der fünfziger Jahre eine Handvoll Studenten die erste Bruderschaft gründete. Sie nannten sich „Pyrates“ und wählten Wole Soyinka, den späteren Literaturnobelpreisträger, zu ihrem Kapitän. Statt die auf dem Campus üblichen Anzüge trugen sie als Zeichen für ihre Ablehnung der elitären Strukturen an der damals einzigen Hochschule des Landes weite Stoffhosen und Kopftücher. Als nach der Unabhängigkeit Nigerias neue Universitäten entstanden, wuchsen auch die Piraten schnell. Es gab Machtkämpfe, Flügel spalteten sich ab.

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