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Kriminalität in Deutschland : So wenige Einbrüche wie seit 20 Jahren nicht mehr

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97.504 Wohnungseinbrüche erfasste die Kriminalstatistik für 2018 – ein deutliches Minus zum Vorjahr. Bild: Frank Rumpenhorst/dpa

Viele Deutsche haben das Gefühl in gefährlichen Zeiten zu leben – dabei wird in fast allen deutschen Bundesländern so selten eingebrochen wie seit 1997 nicht mehr. Nur in zwei Ländern sind die Einbruchszahlen gestiegen.

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          Die Zahl der Wohnungseinbrüche in Deutschland ist nach Informationen der „Welt am Sonntag“ unter die Marke von 100.000 gefallen. Für 2018 seien 97.504 solcher Straftaten registriert worden, was einem Rückgang von 16,3 Prozent binnen einem Jahr entspreche, berichtet die Zeitung unter Berufung auf die bundesweite Kriminalstatistik, die ihr vorab vorliege. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) stellt die Polizeiliche Kriminalstatistik an diesem Dienstag in Berlin vor.

          Die Zahl von 97.504 erfassten Wohnungseinbrüchen wäre die niedrigste seit mindestens 20 Jahren. Für 1999 wies die Kriminalstatistik 149.044 Fälle von sogenanntem Wohnungseinbruchdiebstahl aus. In den Jahren 2008 bis 2015 waren die Fallzahlen kontinuierlich gestiegen – bis auf 167.136. Seit dem Jahr 2016 geht diese Zahl, die auch versuchte Einbrüche umfasst, wieder zurück.

          Versicherungen verzeichnen derweil einen Rückgang auch bei den Einbruchsschäden. „Die Entschädigungsleistung ging um rund 14 Prozent auf 310 Millionen Euro zurück“, sagte der Präsident des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Wolfgang Weiler, der „Welt am Sonntag“. „Weniger als im vergangenen Jahr mussten die Versicherer das letzte Mal 2007 für Einbrüche aufwenden.“

          Höhere Strafen für Einbrüche

          Laut der “Welt am Sonntag“ hat sich die Aufklärungsquote beim Wohnungseinbruch leicht auf 18,1 Prozent verbessert. Zwar ist das ein Plus von 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – doch bleibt die Aufklärungsquote niedrig. Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Sebastian Fiedler, warnte zudem vor einem Jo-Jo-Effekt: „Der Rückgang der Fallzahlen führt in vielen Bundesländern dazu, dass das Personal zur Bekämpfung des Wohnungseinbruches wieder reduziert wird“. Das berge die Gefahr, dass die Fallzahlen künftig wieder ansteigen könnten, weil der Verfolgungsdruck fehle.

          Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) hingegen nennt als einen Grund für den Rückgang, dass der Einbruch in eine Privatwohnung seit Sommer 2017 zum „Verbrechenstatbestand“ gehöre. Die Mindestfreiheitsstrafe wurde von sechs Monaten auf ein Jahr angehoben, die Höchststrafe beträgt nun zehn Jahre. „Damit hat der abschreckende Effekt zugenommen“, sagte Mäurer. Außerdem investierten immer mehr Eigentümer in Sicherungstechnik.

          Den höchsten prozentualen Rückgang bei den Einbrüchen gab es in den Ländern Bremen/Bremerhaven, Nordrhein-Westfalen und Hamburg. Einen Anstieg hatten als einzige Länder das Saarland und Sachsen-Anhalt zu verzeichnen. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) will die Statistik in der kommenden Woche vorstellen.

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