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„Niedrige Beweggründe“ : Lange Haft nach Patiententod

Der Schoenheitschirurg vor Gericht Bild: dapd

Ein Berliner Schönheitschirurg wird im zweiten Prozess härter bestraft als im ersten. Das Gericht verurteilt ihn wegen versuchten Mordes.

          Das hatte Reinhard S. nicht erwartet: Statt mit einer Strafminderung endete der zweite Prozess für den Berliner Schönheitschirurgen sogar noch mit einer härteren Strafe. Zu siebeneinhalb Jahren Haft und einem sofortigen Berufsverbot von fünf Jahren hat ihn das Berliner Landgericht am Freitag verurteilt. Damit erhöhte das Schwurgericht das Strafmaß um drei Jahre und sprach den Mediziner im Gegensatz zum ersten Urteil vom März 2010 auch des versuchten Mordes schuldig.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Im März 2006 hatte sich die Patientin Anja S. bei dem Einundsechzigjährigen einer Bauchstraffung unterzogen. Kurz vor Ende der dreieinhalbstündigen Operation, die der Chirurg ohne die Einwilligung der Patientin in Abwesenheit eines Anästhesisten vornahm, erlitt sie einen Kreislaufstillstand.

          Prozess neu aufgerollt

          Statt seine Patientin direkt auf eine Intensivstation verlegen zu lassen, behielt der Arzt Anja S. in seiner Praxis. Damit „wollte er sein Fehlverhalten vertuschen“, urteilte Richter Ralf Fischer, und „seinen Ruf als Arzt, die Existenz seiner Praxis und seine wirtschaftliche Situation“ retten. Das alles seien niedrige Beweggründe. Die Richter sahen es in ihrem Urteil als erwiesen an, dass durch die Versäumnisse in der Arztpraxis letztlich so schwere Hirnschäden bei der Patientin auftraten, dass die Frau nicht mehr zu retten gewesen sei.

          Der Prozess musste Anfang Dezember neu aufgerollt werden, nachdem der Bundesgerichtshof (BGH) das erste Urteil aufgehoben hatte. Der BGH hielt die Prüfung des bedingten Tötungsvorsatzes für unzureichend. Wie schon im ersten Verfahren gab der Angeklagte Reinhard S. die Schuld am Tod seiner Patientin den Ärzten im Krankenhaus und wies jede Verantwortung von sich. Der Schönheitschirurg kann abermals in Revision gehen. Somit muss er noch nicht ins Gefängnis, operieren darf er aber von sofort an nicht mehr.

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