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Niederlande : Der Fall Ruinerwold ist vor Gericht

Das Gericht in Assen, vor dem die beiden Männer sich verantworten müssen. Bild: EPA

Drei Monate nach der Entdeckung einer versteckt lebenden Familie muss sich der Familienvater nun vor Gericht verantworten. Er soll sechs Kinder aus Angst vor bösen Geistern isoliert und zwei von ihnen missbraucht haben.

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          Vor einem Vierteljahr wurde die Familie entdeckt, die jahrelang auf einem Bauernhof im Nordosten der Niederlande versteckt lebte – am Dienstag ist der ungewöhnliche Fall vor Gericht gekommen. In einer ersten Anhörung warf die Staatsanwaltschaft dem 67 Jahre alten Familienvater Gerrit Jan van D. vor, sechs Kinder isoliert zu haben – um die Familie von bösen Geistern fernzuhalten. Er soll außerdem eine Tochter und einen Sohn mehrmals vergewaltigt haben. Den Missbrauch habe er damit gerechtfertigt, dass ein Geist in die Kinder gefahren sei. Van D. soll im Pieter Baan Centrum untersucht werden – der psychiatrischen Beobachtungsklinik des Justizministeriums, in dem Fachleute mutmaßliche Schwerverbrecher untersuchen.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Fall hatte Mitte Oktober Aufsehen erregt. Im Zentrum stehen zum einen der Vater und der Österreicher Josef B., der Mieter des abgelegenen Bauernhofs nahe dem Dorf Ruinerwold in der Provinz Drenthe war; zum anderen sechs Kinder – heute junge Erwachsene –, die neun Jahre lang auf dem Hof festgehalten und misshandelt worden sein sollen. Bekannt wurde der Fall, weil der Sohn Jan in verwirrtem Zustand in einer Kneipe in Ruinerwold auftauchte.

          Die Staatsanwaltschaft sieht B. als Handlanger van D.s und verdächtigt ihn der Mittäterschaft zur Freiheitsberaubung. B. war im Gerichtssaal in der Provinzhauptstadt Assen anwesend – anders als van D., der seit Jahren an den Folgen einer Gehirnblutung leidet und in einem Gefangenenkrankenhaus verbleibt. Nach den Worten seines Anwalts ist die Kommunikation mit ihm schwierig.

          B. sprach von einer „Hexenjagd“. Er habe niemanden der Freiheit beraubt; Menschen müssten die Freiheit haben, an Gott zu glauben. Nach Ansicht der Justiz bürdete van D. den Kindern eine Art Privatreligion auf, nach welcher sie sich ganz von einer „unreinen“ Außenwelt fernzuhalten hatten. Das Gericht verlängerte die Untersuchungshaft für beide Männer um weitere drei Monate.

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