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Niederländischer Skandalarzt verurteilt : Drei Jahre Haft für „Dr. Horror“

Zu drei Jahren Haft verurteilt: Ernst Jansen Steur (rechts) Bild: dpa

Er hatte Fehldiagnosen wie Demenz oder Multiple Sklerose gestellt. Eine Patientin beging Selbstmord. Nun ist der niederländische Arzt, Ernst Jansen Steuer, zu drei Jahren Haft verurteilt. Er praktizierte auch in Deutschland.

          Ein Gericht in der ostniederländischen Stadt Almelo hat den früheren Neurologen Ernst Jansen Steur zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt. Dem 2003 aus einer Klinik in den Niederlanden entlassenen, später in Deutschland tätigen Mediziner hatte die Staatsanwaltschaft eine Reihe von Fehldiagnosen mit zum Teil schwerwiegenden Folgen für die Patienten zur Last gelegt. Die Richter sahen es insbesondere als erwiesen an, dass der heute 68 Jahre alte Arzt für den Selbstmord einer Patientin verantwortlich sei.

          Michael Stabenow

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Beneluxländer.

          Er habe eine Fehldiagnose gestellt und die Frau in dem - falschen - Glauben gelassen, dass sie unter anderem an Demenz erkrankt sei. Jansen Steur habe die Patientin vorsätzlich benachteiligt, urteilten die Richter. Auch bei mehreren anderen Patienten sei der Arzt, der bei einem Autounfall 1990 Hirnverletzungen erlitten haben und tablettensüchtig gewesen sein soll, seinen Pflichten bei der ärztlichen Behandlung nur unzulänglich nachgekommen.

          Die Richter befanden, dass Jansen Steuer zwar in vermindertem Maße zurechnungsfähig, aber dennoch in vollem Maße verantwortlich für seine Straftaten sei. Insgesamt 100 Patienten des Arztes hatten Schadensersatzforderungen gestellt. Für den Prozess in Almelo hatte die Staatsanwaltschaft neun Fälle ausgesucht. Jansen Steur, der in niederländischen Medien wiederholt als „Dr. Horror“ oder „Dr. Frankenstein“ bezeichnet worden ist, war nach seiner Entlassung in den Niederlanden auch in Deutschland tätig gewesen. So hatte er zunächst in einer Klinik bei Hannover sowie später in Worms und Heilbronn gearbeitet. In Deutschland wurde ihm vorgehalten, Rezepte gestohlen zu haben und weitere mutmaßliche Fehldiagnosen gestellt zu haben. In Worms, wo Jansen Steur zwischen August 2010 und Februar 2011 tätig war, soll er einer Patientin durch eine unnötige Rückenmarkpunktion schweren Schaden zugefügt haben.

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