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New York : Strauss-Kahn erklärt sich für „nicht schuldig“

  • -Aktualisiert am

Dominique Strauss-Kahn mit seiner Frau Anne Sinclair auf dem Weg zum Gericht Bild: dapd

Der ehemalige IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn hat sich im Vergewaltigungsprozess vor einem New Yorker Gericht in allen Anklagepunkten für „nicht schuldig“ erklärt. Experten rechnen mit einem langwierigen Prozess.

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          In New York hat am Montag am Obersten Gerichtshof der Vergewaltigungsprozess gegen Dominique Strauss-Kahn begonnen. Der früheren Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) erklärte sich bei einem nur wenige Minuten dauernden Auftritt für „nicht schuldig“ in allen Anklagepunkten. Strauss-Kahn und seine Frau passierten auf dem Weg zum Supreme Court in Manhattan eine Gruppe von Hotelangestellten, die „Shame on you“ (etwa „Schäm Dich“) skandierten.

          Der 62 Jahre alte Franzose wird beschuldigt, vor seiner Festnahme am 14. Mai in einer Suite des Hotels Sofitel in Manhattan ein Zimmermädchen zum Oralsex gezwungen zu haben. Strauss-Kahn war am 18. Mai nach den Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs als Geschäftsführender Direktor des IWF zurückgetreten. Sollte er der Anklage entsprechend der versuchten Vergewaltigung, des sexuellen Missbrauchs und der Freiheitsberaubung schuldig gesprochen werden, drohen dem Vater von vier Kindern bis zu 25 Jahre Haft.

          Die Staatsanwaltschaft hatte wiederholt erklärt, täglich mehr Beweise gegen Strauss-Kahn in den Händen zu halten. In der vergangenen Woche waren bereits Spermaspuren des Zweiundsechzigjährigen auf der Uniform der Hotelangestellten nachgewiesen worden. Die Verteidiger des früheren IWF-Chefs behauptet dagegen, Informationen vorlegen zu können, die ernste Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Zimmermädchens aufkommen ließen. Die Begegnung zwischen ihrem Mandanten und der aus Afrika eingewanderten Frau sei nicht „erzwungen“ worden.

          Unter Hausarrest

          Nach vier Tagen im berüchtigten Gefängnis Rikers Island steht Strauss-Kahn seit zwei Wochen in Manhattan unter Hausarrest. Gemeinsam mit seiner Ehefrau, der französischen Fernsehjournalistin Anne Sinclair, hat Strauss-Kahn ein luxuriöses Townhouse im Stadtteil Tribeca bezogen. Wie Reuters berichtet, nimmt die Staatsanwaltschaft an, dass allein für die Sicherheitsvorkehrungen etwa 200.000 Dollar monatlich anfallen. Wie die auf 50.000 Dollar geschätzte Miete für das Townhouse muss Strauss-Kahn auch die Kosten für das Wachpersonal übernehmen. Der nächste Verhandlungstermin wurde für den 18. Juli angesetzt.

          Der Fall hat international hohe Aufmerksamkeit erregt, auch weil Strauss-Kahn als aussichtsreicher Kandidat für die französischen Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr galt und damit als Herausforderer von Amtsinhaber Nicolas Sarkozy.

          Wo sich die Klägerin derzeit befindet, ist unbekannt. Um sie und ihre junge Tochter vor der Öffentlichkeit zu schützen, lebt sie seit dem Vorfall am 14. Mai an einem geheimen Ort.

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