https://www.faz.net/-gum-ah5m0

Missbrauchskomplex Münster : Fast neun Jahre Haft für schweren Kindesmissbrauch verhängt

  • Aktualisiert am

Grenzen des Vorstellbaren: Absperrband umgibt das Grundstück in einer Kleingartenkolonie am Stadtrand von Münster mit einer Gartenlaube. Bild: dpa

Im Missbrauchskomplex Münster wird ein 36 Jahre alter Mann wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs zu einer langen Freiheitsstrafe verurteilt. Über eine folgende Sicherungsverwahrung soll noch entschieden werden.

          2 Min.

          In einem weiteren Prozess im sogenannten Missbrauchskomplex Münster hat das Landgericht Neubrandenburg einen Angeklagten zu einer langen Freiheitsstrafe verurteilt. Der 36-jährige Mann aus Ueckermünde (Vorpommern-Greifswald) soll für acht Jahre und neun Monate ins Gefängnis, wie Richterin Daniela Lieschke am Donnerstag sagte. Er wurde des schweren sexuellen Kindesmissbrauchs an einem Neunjährigen im Jahr 2019 sowie des Besitzes kinderpornografischer Schriften für schuldig befunden.

          Die Jugendschutzkammer behielt sich zudem vor, wegen der ausgeprägten pädosexuellen Neigung später noch über eine mögliche Sicherungsverwahrung für den Mann zu entscheiden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (AZ: 23 KLs 7/21 jug).

          Die Kammer sei überzeugt, dass sich der Verurteilte im Jahr 2019 mehrfach in Ueckermünde mit dem schon verurteilten Hauptverantwortlichen des Tatkomplexes Münster, Adrian V., und dessen Stiefsohn getroffen hat. Dort habe der Ueckermünder den damals Neunjährigen mehrfach sexuell missbraucht. Beide Männer hätten sich in einschlägigen Internetchats kennengelernt, das Vorgehen – wie in anderen Fällen – detailliert geplant und zum Teil sogar ihre Vorfreude ausgedrückt.

          Körperliche und seelische Zerstörung

          Bei Treffen in der Wohnung des 36-Jährigen und in einer Ferienwohnung wurde der Missbrauch auch gefilmt, wie es hieß. Die Bilder seien später untereinander ausgetauscht worden.

          „Sie haben dazu beigetragen, dass der Junge Stück für Stück körperlich und seelisch zerstört wurde“, sagte Lieschke. Der Ueckermünder hatte vor Gericht zu den Vorwürfen geschwiegen. Seine Verteidiger hatten allerdings erklärt, dass ihr Mandant nur die Videos und Bilder besessen, nicht aber die Straftaten verübt habe.

          Wie Lieschke erklärte, habe die Kammer die Vorfälle in Ueckermünde dank der Ermittler, der beschlagnahmten Internetchats, Handys und Videos rekonstruieren können. So hatte der Ueckermünder danach in seinen Texten Details genannt, die nur auf ihn zutrafen, unter anderem seinen Vornamen. Eine Sachverständige legte dar, dass auch nur er Zugriff auf seinen Computer und sein Handy hatte, um diese Kommunikation mit dem Mann aus Münster zu betreiben, sagte Lieschke.

          Ermittlungen gegen mehr als 50 Männer

          Besonders schlimm sei, dass sich der Mann immer wieder jungen Müttern als Babysitter angeboten und „zum Teil fast aufgedrängt“ habe.

          Auf dem Computer in der Wohnung des Mannes wurden laut den Behörden zudem mehr als eine Million Dateien mit kinderpornografischen Inhalten sichergestellt, weshalb noch ein weiteres Verfahren läuft. In der Öffentlichkeit habe sich der Mann immer als „heterosexuell“ ausgegeben, sagte Lieschke.

          Stiefvater Adrian V. gilt als Drahtzieher in dem Komplex, der sich um Vergewaltigungen von Kindern in einer Gartenlaube in Münster und anderen Orten in Deutschland dreht. Der IT-Techniker wurde im Mai 2020 festgenommen und vor wenigen Monaten zu 14 Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Er soll seinen Stiefsohn auch gegen Geld anderen zum Missbrauch überlassen haben. In dem Zusammenhang wurde und wird gegen mehr als 50 Männer in Deutschland ermittelt. Der Junge ist demnach schwer traumatisiert, er musste in Neubrandenburg nicht aussagen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Cem Özdemir auf dem Online-Parteitag der Grünen im Mai 2021

          Cem Özdemir und die Partei : Grüne Kämpfe, grüne Ziele

          Bei den Grünen ist der Aufstand der Parteilinken gegen den Ultrarealo Cem Özdemir verpufft. Glück gehabt. Denn wenn die Partei in der Ampel fürs Klima kämpfen will, muss sie geschlossen sein.

          Kliniken bereiten Triage vor : An den Grenzen der Medizin

          Die Infektionszahlen schießen in die Höhe. Immer mehr Krankenhäuser müssen auf die Triage zurückgreifen. Etwas, das Ärzte eigentlich nur aus Kriegseinsätzen und der Katastrophenmedizin kennen. Aber was bedeutet das genau?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.