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Missbrauchsprozess ohne Zuschauer : Vorrang für Opferschutz

  • -Aktualisiert am

Der Angeklagte im Gerichtssaal in Wiesbaden: Ihm wird der Missbrauch seiner eigenen Kinder sowie eines Stiefkindes vorgeworfen. Bild: dpa

Weil die betroffenen Kinder geschützt werden sollen, wird der Wiesbadener Prozess zum Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Auch ein Teil der Anklage wird ohne Zuschauer verlesen.

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          Das Wenige, was die Öffentlichkeit aus Saal 0020 des Wiesbadener Landgerichts zu hören bekommt, ist schon abstoßend genug – dabei geht die Staatsanwaltschaft nicht einmal ins Detail, denn das darf sie nicht. Größtenteils unter Ausschluss der Öffentlichkeit hat am Dienstag der Prozess gegen einen 39 Jahre alten Mann aus Niedernhausen im Rheingau-Taunus-Kreis begonnen, dem unter anderem schwerer sexueller Missbrauch und Verbreitung von Kinderpornos vorgeworfen wird. Das Verfahren steht in Zusammenhang mit dem sogenannten Missbrauchskomplex Bergisch-Gladbach.

          Im Herbst hatten Ermittler dort einen Mann festgenommen, der riesige Mengen an Kinderpornos gehortet und seine Tochter missbraucht haben soll. Er steht in Köln vor Gericht. Offenbar gehörten er und der Angeklagte aus Wiesbaden zu einem Pädophilenring, der solches Material im Internet tauschte und teilweise selbst herstellte.

          Der Angeklagte aus Wiesbaden soll seine beiden leiblichen Töchter und eine Stieftochter schwer missbraucht, Taten gefilmt und das Material verschickt haben. Außerdem habe er sich kinderpornographisches Material besorgt. Als Ermittler im Oktober 2019 seine Wohnung durchsuchten, fanden sie auf mehreren Mobiltelefonen, Rechnern, Laptops und einer externen Festplatte Tausende Filme und Bilder.

          Nur ein Teil der Anklage wird öffentlich verlesen

          Laut Anklage soll sich der Mann zwischen Anfang 2014 und Herbst 2019 an den Kindern vergangenen haben. Deren Anwältinnen hatten vor Anklageverlesung beantragt, die Öffentlichkeit von der Verhandlung auszuschließen. Auch die Verlesung dessen, was dem Angeklagten vorgeworfen wird, solle ohne Zuschauer und Medienvertreter stattfinden. Denn auch in der Anklageverlesung kämen Details zur Sprache, die den intimsten Lebensbereich der Opfer berühre. Deswegen überwiege der Persönlichkeitsschutz der Betroffenen das Interesse der Öffentlichkeit. Nach mehr als einstündiger Beratung folgte das Gericht diesem Antrag. Man habe eine „Abwägung zwischen dem Informationsinteresse der Öffentlichkeit und den Belangen der Nebenkläger“ vornehmen müssen, sagte die Vorsitzende Richterin.

          Eine Hauptverhandlung vor den Augen der Öffentlichkeit könne sich negativ auf die Entwicklung der Kinder auswirken und sie gefährden. Nur ein geringer Teil der Anklage mit Vorwürfen, die sich nicht auf die Nebenkläger beziehen, durfte demnach öffentlich verlesen werden. Was dort beschrieben ist, lässt erahnen, was der Angeklagte mit seinen Kindern gemacht haben soll. Kurz danach ist für die Öffentlichkeit Schluss. Auch von einer angekündigten Einlassung des Angeklagten bekamen Unbeteiligte nichts zu hören. Voraussichtlich bis zur Urteilsverkündung werde sich an dem Ausschluss auch nichts ändern, hieß es. Bislang hat das Gericht Termine bis Ende September angesetzt.

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