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Neue Kriminalstatistik : De Maizière weist Pauschalurteile über Flüchtlinge zurück

  • Aktualisiert am

Spurensicherung am Wietzesee in Langenhagen, wo Spaziergänger 2016 Leichenteile in einer Plastiktüte entdeckt hatten. Bild: dpa

2016 gab es 12,8 Prozent mehr Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung in Deutschland. Bei Mord und Totschlag wurde ein noch deutlicherer Anstieg registriert. Aber es gibt auch gute Nachrichten.

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          Die Gewalt in Deutschland nimmt deutlich zu, während die Zahl der Wohnungseinbrüche im vergangenen Jahr gesunken ist. Zu diesem Ergebnis kommt die Polizeiliche Kriminalstatistik, die Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Montag in Berlin vorgestellt hat. Danach blieb die Gesamtzahl der Straftaten nahezu unverändert: Im Vergleich zu 2015 stieg sie nur minimal von 6,33 Millionen Fällen auf 6,37 Millionen.

          Die Zahl der Tatverdächtigen liegt mit rund zwei Millionen geringfügig über der des Vorjahres. Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen an allen Tatverdächtigen beträgt etwa 30 Prozent; die Zahl ist 2016 auf 616.230 gestiegen (2015: 555.820). Davon sind 28,3 Prozent Zuwanderer, dies entspricht einem Anteil von 8,6 Prozent (2015: 5,7 Prozent) an allen Tatverdächtigen.

          Auch weil es mehr Zuwanderer gab, stieg die Gesamtzahl der straffällig gewordenen Flüchtlinge. Sie erhöhte sich um 52,7 Prozent. Wurden 2015 noch 114.000 straffällige Asylbewerber, Bürgerkriegsflüchtlinge und Geduldete registriert, waren es im vergangenen Jahr 174.000. De Maizière sprach von einer unerfreulichen Entwicklung. Erfasst wurden alle Deliktsbereiche, außer Verstößen gegen das Ausländerrecht. „Da ist nichts zu beschönigen“, sagte der Innenminister. Es handele sich bei den Tätern häufig um junge Männer – in dieser Gruppe sei auch bei Deutschen eine deutlich höhere Kriminalitätsrate festzustellen. Der Minister wies zudem auf die beengten Wohnverhältnisse in den Sammelunterkünften für Flüchtlinge hin.

          Das Gros der Flüchtlinge ist unbescholten

          De Maizière sagte weiter, dass es sich häufig um intensive Mehrfachtäter handele, das Gros der Flüchtlinge hingegen unbescholten sei. Zudem konzentriere sich die Zahl der Straftäter auf ganz bestimmte Länder. „Die wirklich Schutzbedürftigen“ wie etwa Syrer seien unter den Straffälligen unterrepräsentiert. „Wer hier schwere Straftaten verübt, hat sein Aufenthaltsrecht verwirkt“, sagte de Maizière. „Aber wir lassen es auch nicht zu, dass alle bei uns lebenden Flüchtlinge pauschal unter Verdacht gestellt werden. Die allermeisten von ihnen leben mit uns, mit unseren Werten und Regeln eines friedlichen und demokratischen Zusammenlebens.“

          Überdurchschnittliche Zuwächse gab es im Bereich der Gewaltkriminalität: Bei Mord und Totschlag wurde ein Plus von 14,3 Prozent registriert, bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung lag der Anstieg bei 12,8 Prozent. Gleichzeitig sank die Zahl der Wohnungseinbrüche um 9,5 Prozent. Allerdings waren 2015 auch so viele Einbrüche registriert worden wie seit den 90er-Jahren nicht mehr.

          Wenn man Verstöße gegen das Ausländerrecht wie die illegale Einreise von Flüchtlingen herausrechnet, ist Bayern das sicherste deutsche Bundesland: Laut Statistik kommen im Freistaat nur 4785 Straftaten auf 100.000 Einwohner. Am anderen Ende des Rankings finden sich die Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg. Die Flächenländer mit der höchsten Kriminalität sind Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen mit jeweils mehr als 8000 Fällen je 100.000 Einwohner.

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