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Serienmörder aus dem Taunus : Hinter der Fassade

Er soll mehrere Leben auf grausame Art und Weise beendet haben: Jazzmusiker und Familienvater Manfred S. Bild: dpa

Plötzlich wird das Grauen sichtbar: Ein als hilfsbereiter Gärtner und Hobbymusiker bekannter Familienvater aus dem hessischen Schwalbach soll ein sadistischer Serienmörder gewesen sein.

          9 Min.

          Das Freibier hat einen schalen Beigeschmack. Auf dem Schwalbacher Altstadtfest ist die Stimmung nicht wirklich ausgelassen. Trotz der Kinderkarussells, der Imbissbuden und der fröhlichen Musik beschäftigt viele Anwohner etwas anderes: Unter ihnen soll jahrzehntelang ein Serienmörder gelebt haben.

          Katharina Iskandar
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Gerade in einer so verstörenden Situation für die Stadt ist dieses Fest eine gute Gelegenheit, zusammenzukommen“, sagt Christiane Augsburger, die Bürgermeisterin der 14.000-Einwohner-Gemeinde im Taunus. „Man kommt ins Gespräch, isst und trinkt gemeinsam und tauscht sich natürlich auch über dieses Thema aus.“

          Dieses Thema, das ist Manfred S. Vor wenigen Tagen gab das Landeskriminalamt Hessen auf einer Pressekonferenz in Wiesbaden Einblicke in die Ermittlungen zu einer möglichen Mordserie. Der Hauptverdächtige: der vor zwei Jahren verstorbene S. aus Schwalbach. Er soll zwischen 1971 und 2004 mehrere Frauen im Frankfurter Raum getötet und verstümmelt haben. „Das Unverständnis ist bei allen hier groß. Er war ja ein netter, umgänglicher Mann – und er hat gute Musik gemacht“, erinnert sich Augsburger. Aber offenbar war das nur die eine Seite seines Lebens.

          „Die Spitze sadistisch-sexueller Gewaltphantasien“

          S. spielte Saxophon in einem Jazzorchester. „Overall Jazz Gang“ nannten sie sich. Er war beliebt bei seinen Mitmusikern und dem Publikum. Fragt man die Schwalbacher heute nach ihm, reagieren alle ähnlich ungläubig. „Vorstellen kann ich mir das nicht“, sagt ein Nachbar aus der Straße, in der S. über 30 Jahre lang wohnte, bis er an Krebs starb. Er wurde 67 Jahre alt. „Das war einer wie Sie und ich“, versichert ein anderer. Gemeinsam stehen die Nachbarn jetzt an den Biertischen auf dem Stadtfest, halten sich an ihren Biergläsern fest und wippen im Takt der Musik. Auf der Hauptbühne spielt eine alternde Rock-Coverband Songs aus den siebziger Jahren. Dieses Jahr wird hier keine Jazzkapelle auftreten.

          Dass Manfred S. offenbar ein Doppelleben geführt hat, zeigte sich schon kurz nach seinem Tod im Spätsommer 2014. Beim Entrümpeln der angemieteten Garage im Altstadtkern von Schwalbach stießen seine Tochter und der Schwiegersohn auf Leichenteile, aufbewahrt in blauen Plastikfässern. Sie verständigten die Polizei. Mehrere Tage dauerte die Spurensuche. Parallel dazu versuchten die Ermittler herauszufinden, wer die unbekannte Tote war. Sie stießen auf den Namen Britta Diallo – eine Prostituierte aus Frankfurt. Sie war nach einem wahren Martyrium gestorben. Ihr Mörder hatte sie gequält und verstümmelt. Noch während sie gelebt hatte, waren ihr Wunden am ganzen Körper zugefügt und Gliedmaßen abgetrennt worden. Der Frankfurter Mordermittler Frank Herrmann, der jedes Detail dieses grausamen Mordes kennt, sagt: „Das, was der Täter dort auslebte, war die Spitze sadistisch-sexueller Gewaltphantasien.“

          Die Nachricht von dem grausamen Fund sprach sich 2014 schnell in Schwalbach herum. Anwohner erinnern sich noch gut an „die Geistermänner in Weiß“, Kriminaltechniker, die tagelang die vollgestopfte Garage durchforsteten. Dass zwischen dem Gerümpel und den Gartenmaschinen menschliche Überreste versteckt waren, überraschte jeden, der S. kannte.

          Schnittverletzungen an Brüsten und Genitalien

          Doch der Mordverdacht gegen den scheinbar unbescholtenen Nachbarn war nur der erste Schock für das Städtchen. Jetzt, fast zwei Jahre später, stehen wieder Fernsehteams am Ortseingangsschild von Schwalbach am Taunus und vor der Garage, die manche hier „die Kammer des Schreckens“ nennen. Denn seit Donnerstag ist klar, dass die Ermittlungen gegen S. nach dem Garagenfund über Monate anhielten und die Polizei den Mann inzwischen nicht mit einem, sondern mit mindestens sechs Morden in Verbindung bringt.

          Der entscheidende Hinweis fand sich auf dem Computer des Verdächtigen, den die Ermittler noch am Tag des ersten Leichenfunds in seinem Haus sichergestellt hatten. Er stand in einem eigenen Raum im Keller, zu dem S.s Familie offenbar keinen Zutritt hatte. Auf der Festplatte stießen die Ermittler auf eine umfassende Sammlung von Bildern: 32.000 Dateien mit sadistischen, sexuellen Darstellungen. Darunter auch Fotos von Frauenkörpern, misshandelt und teils bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, und von abgetrennten Gliedmaßen. Um sich durch diese Grausamkeiten zu klicken, brauchten die Ermittler mehrere Tage. Dann stießen sie auf Bilder, die eine direkte Verbindung zum Tod von Britta Diallo darstellten. Einige der Dateien zeigten Frauenkörper, die auf fast identische Weise zugerichtet waren wie die Leiche in den Fässern: abgetrennte Körperteile, Schnittverletzungen an Brüsten und Genitalien.

          Schreckliche Funde: Garage in Schwalbach; bis zu zehn Morde könnte Manfred S. begangen haben.
          Schreckliche Funde: Garage in Schwalbach; bis zu zehn Morde könnte Manfred S. begangen haben. : Bild: dpa

          Für die Beamten begann ein Puzzlespiel, das kein Spiel war. Passten die Bilder auch zu anderen, ungeklärten Mordfällen in der Region? Wer gehörte möglicherweise noch zu den Opfern? Wie weit könnten diese Taten zurückgereicht haben? Im LKA gründete sich die „AG Alaska“. „Alaska“, das ist seit einer Amerika-Reise von S. sein Spitzname in Schwalbach. Ein knappes Dutzend Beamte, die zu den erfahrensten Mordermittlern Hessens gehören, tat monatelang nichts anderes, als Fällen nachzugehen, die dem Mord an Britta Diallo ähnelten.

          Das Team wurde sich schnell einig, dass jemand, der so bestialisch tötete, das mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zum ersten Mal getan hatte. Sie zogen Beamte der operativen Fallanalyse hinzu, ließen sich sämtliche Akten bringen, alle ungeklärten Mordfälle seit der Nachkriegszeit. Sie ordneten die Fälle nach männlichen und weiblichen Opfern, vor allem aber sortierten sie jene Fälle heraus, in denen das Verletzungsbild immer das gleiche war: Würgemale am Hals, Schnittverletzungen am Unterbauch, Entnahme von Organen, Abtrennen von Gliedmaßen, vor allem auch „an sexuell relevanten Zonen“, wie es die Ermittler nennen.

          „Ich kann wirklich nichts Negatives über den Mann sagen“

          Aus den Monaten der Recherche wurden anderthalb Jahre. Jetzt ist das Bild so weit komplett, dass die Ermittler zumindest eine Ahnung vom Ausmaß der Mordserie haben. Und sie haben Namen: Gudrun Ebel, 19 Jahre alt, getötet im Februar 1971 in einer Frankfurter Gartenhütte. Hanice Erülkeroglu, ebenfalls getötet 1971, sie arbeitete mit Gudrun Ebel in einem Altenheim. Gisela Singh, 36 Jahre alt, sie wurde 1991 von Pilzsammlern im Wald bei Hofheim gefunden. Dominique Monrose, 34 Jahre alt; ihren Torso fand man an der A 661 in einem Plastikbeutel verpackt, einen Arm und ein Bein Wochen später am Autobahnkreuz Kelsterbach. Vier Frauen, mit Britta Diallo waren es fünf. Bis auf die ersten beiden arbeiteten alle auf dem Frankfurter Straßenstrich. Doch noch weitere Opfer kommen nach Ansicht der Ermittler in Betracht. Gabriele De Haas, 32 Jahre alt, sie verschwand 1999. Und Julie Schröder, 18 Jahre alt, eine Prostituierte aus dem Drogenmilieu, seit 1998 vermisst.

          Manche Nachbarn des mutmaßlichen Täters halten von den Vorwürfen wenig. „Ich weiß nicht, ob nicht schon der erste Fall bei den Haaren herbeigezogen war“, sagt ein Anwohner der kleinen Seitenstraße, in der das Wohnhaus von S. steht, keine zehn Gehminuten von der Mietgarage entfernt, in der Diallo gefunden wurde. Man habe sich gegrüßt am Gartenzaun und bei Straßenfesten zusammengesessen. „Ich kann wirklich nichts Negatives über den Mann sagen.“

          Lusterfüllung durch Abtrennen von Körperteilen

          Ein anderer Nachbar erzählt, dass man S. im Vorbeigehen in seinem Haus oft Flöte oder Saxophon spielen hören konnte. Das Einfamilienhaus mit der weißen Fassade steht heute leer. Die Tochter lässt es zurzeit umbauen, im Garten liegen Werkzeuge und Baumaterialien. Es ist ein hübsches Haus in einer freundlichen Straße, an deren Ende sich Rapsfelder bis zum Horizont erstrecken. Das Zuhause eines brutalen Serienmörders stellt man sich anders vor.

          Für Manuela Dudeck passt die friedliche Kulisse zu dem unauffälligem, bürgerlichem Leben von Manfred S. „Der mutmaßliche Täter scheint hochkompetent und klug gewesen zu sein“, sagt die Professorin für forensische Psychiatrie an der Uni Ulm. „Immerhin konnte er über Jahre die Leichenteile verstecken. Das zeigt, dass er die Taten aus seinem Alltag abgespalten hat.“ So könnte S. ein gelungenes Doppelleben aufgebaut haben, in dem auch seine Nächsten nichts von den Taten mitbekamen.

          Dudeck vermutet, das Hauptmotiv dieser Taten könnte darin bestanden haben, dass der Täter sexuelle Lust aus dem Abtrennen und Behalten fremder Körperteile gewann. „Erst reichten ihm wohl zunächst die Gewaltpornographie und seine Phantasie, um seine Lust zu befriedigen. Aber als das nicht mehr genügte, könnte er diese Phantasien im Sinne eines Impulsdurchbruchs in der Realität gesucht haben“, so die Professorin. In Zeiten des Internets sei es auch denkbar, dass der Täter die Morde nicht allein, sondern mit einem „Erfüllungsgehilfen“ plante und durchführte.

          Geschäftspartner von S. unter Verdacht

          Auch die Polizei schließt einen Komplizen nicht aus. Insbesondere die Verletzungen an der Leiche von Britta Diallo legen nahe, dass es in diesem letzten bekannten Fall einen zweiten Täter gegeben haben könnte. Deshalb durchforsten die Ermittler weiterhin das Umfeld von S. Sie wenden sich jetzt an die Bevölkerung – in der Hoffnung auf neue Hinweise in den Jahrzehnte alten Mordfällen. Knapp fünfzig Hinweise seien in den letzten Tagen schon eingegangen, so der Leiter der „AG Alaska“, Frank Herrmann. Die Präsidentin des LKA, Sabine Thurau, sagte am Sonntag, die Beamten der AG „Alaska“ werteten die Hinweise aus; zwei davon seien vielversprechend. Aber auch die anderen Informationen, die seit Donnerstag im LKA eingegangen seien, würden eingehend geprüft und seien wichtig für die weiteren Ermittlungen. „Manchmal zeigt sich erst nach sorgfältiger Prüfung, ob ein Hinweis, auch wenn er anfangs gar nicht so interessant erscheint, für den Fall relevant ist oder nicht.“

          Am Sonntagabend wurde der Fall in der Fernsehsendung „Spiegel TV“ aufgegriffen, verbunden mit einem Zeugenaufruf. Danach erhofften sich die Ermittler weitere Hinweise aus der Bevölkerung. Vor allem interessieren die Ermittler Details aus dem Leben von Manfred S. Denn längst wisse man noch nicht alles, sagen die Beamten. Das, was es bisher an Erkenntnissen gibt, sei eine „Arbeitshypothese“, wenn auch eine sehr gut begründete. Nun gehe es darum, die Dimension der Fälle weiter auszuleuchten und – wenn sich die Mittäter-Theorie bewahrheitet – weitere Fälle zu verhindern.

          Zwischenzeitlich stand auch ein Geschäftspartner von S. unter Verdacht. Er sei weit mehr als nur sein Firmenkompagnon gewesen, mit ihm habe S. ständig herumgehangen. Auch in der Familie des Mannes, der den beiden die Garage vermietete, geht man davon aus, dass dieser Kollege zumindest von den Leichenteilen in den Fässern gewusst haben muss. Allerdings ist auch er schon tot, ebenfalls gestorben an Krebs. Die Ermittler nahmen sich auch seinen Lebenslauf vor und überprüften akribisch, wo er sich zum Zeitpunkt der Morde aufgehalten hatte. Er habe aber, sagen die Ermittler, für die entsprechenden Tatzeiten jeweils ein Alibi gehabt.

          Bild: dpa-infografik

          Anders ist es bei Manfred S. Zu den relevanten Tatzeitpunkten war er immer in der Region. DNA-Technik soll nun klären, ob es Spuren von ihm an den Leichen oder zumindest an deren Kleidung gab. Dann wäre er überführt. Aber die Auswertung der Spuren wird dauern, mindestens noch ein paar Monate. Bis dahin sind vielleicht schon weitere Opfer bekannt.

          Garage war immer abgeschlossen

          Die Schwalbacher haben, ungeachtet der auf dem Computer ihres Nachbarn gefundenen Dateien, noch eine weitere Theorie, wer zumindest für den Tod von Britta Diallo verantwortlich sein könnte. „Man hat immer am Geklapper seines alten VW-Pritschenwagens gehört, wenn er kam, um seinen Kram abzustellen oder abzuholen“, erzählt ein Anwohner der engen Sackgasse in der Innenstadt, an deren Ende die Garage liegt. Manchmal aber seien es nicht S. oder sein Firmenpartner gewesen, sondern Angestellte der beiden, die mit dem Auto vorgefahren seien. Sie hätten sogar morgens um vier Uhr Gegenstände ein- und ausgeladen. „Wie so Strauchdiebe sahen sie aus, als hätte der die vom Frankfurter Hauptbahnhof aufgesammelt“, sagt der Nachbar.

          In der Straße heißt es, die Garage sei ohnehin für jedermann jederzeit zugänglich gewesen. Dem widerspricht der Tankstellenbesitzer, der den Lagerraum an S. vermietete. Die Garage sei immer abgeschlossen gewesen, nicht einmal seine Familie habe einen Schlüssel gehabt. Der Sohn des Vermieters wohnt gleich neben der Garage und beschreibt den Mieter als unauffällig, höflich und direkt. „Er hatte immer einen Gartentipp für die Nachbarn parat“, sagt er.

          Anderes Geschlecht, ähnliche Verletzungen

          Allen Zweifeln der Schwalbacher zum Trotz sind sich die Ermittler sicher, dass Manfred S. der Mörder im Fall Britta Diallo ist. Über Diallo schlagen sie die Verbindung zu den anderen Frauen, die alle fast identische Verletzungen aufweisen. Und noch einen Namen setzen die Beamten auf die Liste möglicher Opfer: Tristan Brübach.

          Das ist die wohl überraschendste Wendung – und gleichzeitig auch das größte Rätsel, vor dem die Beamten stehen. Denn der 13 Jahre alte Schüler, der am 26. März 1998 in einem Tunnel des Liederbachs in Frankfurt-Höchst gefunden worden war und dessen brutale Ermordung bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hatte, passt nicht ins Schema. „Ich halte es für unwahrscheinlich, dass der gleiche Täter immer wieder Frauen tötet und plötzlich einen Jungen“, sagt Forensikerin Dudeck.

          Auch Mordermittler Frank Herrmann sieht diesen offenbaren Widerspruch bezüglich Alter und Geschlecht. Doch die Vorgehensweise und die Art der Verletzungen ähnelten denen der anderen Opfer fast bis ins Detail. Der Täter hatte Tristan geschlagen und gewürgt und ihm dann mit einem Messer die Kehle durchtrennt. Anschließend setzte der Mörder einen tiefen Schnitt oberhalb des Schambeins, entnahm beide Hoden und schnitt aus Oberschenkel und Gesäß große Teile Muskelfleisch heraus.

          Einen Menschen aus Körperteilen zusammenbauen?

          Und noch etwas ließ die Beamten aufhorchen: Sowohl bei Tristan Brübach als auch bei Gisela Singh hatte der Täter die Schuhe seiner Opfer auf besondere Weise drapiert. Einmal auf dem Rücken der Leiche, einmal neben dem Kopf. Das sei nur ein Indiz, heißt es in der „AG Alaska“. „Aber eines, das man nicht ignorieren kann. Damit wollte der Mörder etwas ausdrücken.“

          Grausam ermordet: Auch im Fall Tristan wird wieder ermittelt
          Grausam ermordet: Auch im Fall Tristan wird wieder ermittelt : Bild: Marcus Kaufhold

          Einige der Organe, die bei den Frauen und bei Tristan entfernt wurden, fehlen bis heute. Mordermittler Herrmann sagt, es sei auffällig, dass an allen Leichen der mutmaßlichen Mordserie nie zweimal die gleichen Teile entwendet wurden. „Es war mal ein linker Arm, mal ein rechter Arm, mal ein linkes Bein, mal ein rechtes Bein. Mal Kopf. Mal Torso. Wenn man das zusammenrechnet, könnte man sich tatsächlich einen neuen Körper herstellen.“

          Die Ermittler gehen davon aus, dass der Mörder die Körperteile möglicherweise als Trophäen mitgenommen habe. „Es handelt sich wahrscheinlich um einen Fetisch des Täters: Er kann seine Lust nur ausleben, indem er sich die Körperteile des Opfers aneignet“, erklärt Forensikerin Dudeck. „Nähe und Wärme, wie wir sie auch in normalen sexuellen Kontakten erfahren, können Menschen mit einem derartigen Fetisch nur über tote Gegenstände ausleben – und das können eben auch abgetrennte Körperteile sein.“

          Pause wegen Familienplanung

          Auch wenn die Ermittler inzwischen eine vage Vorstellung davon haben, wen Manfred S. mutmaßlich getötet hat, so liegt dennoch vieles im Dunkeln. Zum Beispiel gehe man zurzeit noch der Frage nach, warum zwischen den ersten bekannten Morden 1971 und den nächsten ab dem Jahr 1991 eine so lange Pause gelegen hat, so Herrmann. Dass die Fälle aber zusammenhängen, darin sind die Polizisten sich einig.

          Sieht man sich die Biographie von Manfred S. an, so stand in diesen Jahren vielleicht schlicht anderes im Vordergrund. Er heiratete, gründete eine Familie, bezog das Haus in Schwalbach und trat dem dortigen Jazzorchester bei. Er soll in dieser Zeit sogar sein Abitur nachgeholt und studiert haben. Kurzum: Er baute sich eine unauffällige, beinahe spießige Existenz auf. Die Fassade eines Kleinbürgers, an die man in Schwalbach am Taunus gern weiterhin glauben würde.

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