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Netz westafrikanischer Zuhälter : Europaweite Razzia gegen Menschenhändler

Opfer von Menschenhändlern in Deutschland: Das BKA durchsuchte am Mittwochabend zahlreiche Bordelle auf der Suche nach westafrikanischen Frauen. Bild: dpa

Mit einer groß angelegten Razzia in Bordellen sind 16 europäische Länder gegen Menschenhandel vorgegangen. Allein in Deutschland wurden mehr als 90 mutmaßliche Opfer angetroffen. Opfer wie Hintermänner stammen offenbar aus Westafrika.

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          Mit einer groß angelegten Razzia in Bordellen und anderen Prostitutionsstätten ist das Bundeskriminalamt (BKA) am Mittwochabend gegen Menschenhandel vorgegangen. Die Aktion stand vor allem im Zusammenhang mit Westafrika. Bisherige Erkenntnisse ließen den Schluss zu, „dass auch in Deutschland ein internationales Netz von westafrikanischen Zuhältern, eingeschleusten Prostituierten, Geldwäschern, Passverleihern, Dokumentenfälschern und Schleusern aktiv ist“, teilte das BKA am Donnerstag mit. Ziel der Aktion sei es gewesen, Opfer von Menschenhandel aus Westafrika zu identifizieren und Hinweise auf die Tätergruppen zu erlangen.

          Mehr als 90 Opfer von Menschenhandel

          In den 13 Bundesländern wurden demnach mehr als 90 Frauen angetroffen, die mutmaßlich dem Menschenhandel zum Opfer gefallen sind. Die Aktion fand in Kooperation mit Europol zum zweiten Mal statt. Neben Deutschland waren mehr als ein Dutzend weitere europäische Staaten beteiligt.

          Mit konzertierten Aktionen wie dieser erhoffen sich die Ermittler nach eigenen Angaben, Informationen zu den bestehenden Netzwerken und deren internationalen Verflechtungen zu gewinnen – um sie auf lange Sicht zu zerschlagen. Nach den Worten von BKA-Präsident Jörg Ziercke gehen die Täter auf brutale Weise vor. „Sie nutzen gezielt die Sorglosigkeit und Hoffnung der Menschen aus und verletzen ihre Menschenwürde und körperliche Unversehrtheit.“

          Nach Erkenntnissen des BKA werden die Opfer in ihren Heimatländern angeworben und dann nach Europa eingeschleust, mit geeigneten Dokumenten versehen und an Prostitutionsbetriebe vermittelt. Die Täter drohen dabei mit Voodoo-Zauber, was offenbar ausreicht, um die Opfer einzuschüchtern. Wie das BKA weiter mitteilt, vertrauen sich die Opfer nur selten der Polizei an. Kontrollen seien die einzige Möglichkeit, Fälle von Menschenhandel überhaupt aufzudecken. Die Ermittler seien dabei jedoch von der Aussagebereitschaft der Opfer abhängig, die oft nicht vorhanden sei – in der Regel deshalb, weil entweder den Frauen selbst oder ihren Familien Gewalt angedroht wurde.

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