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Nahe Mailand : Mann entführt 51 Kinder und zündet Bus an

  • Aktualisiert am

Ausgebrannter Bus in Donato Milanese: Glücklicherweise kam niemand ums Leben. Bild: dpa

Ein Mann hat in der Nähe von Mailand einen Schulbus entführt, 51 Kinder haben Todesangst. Nachdem die Polizei sie fast alle befreit, zündet der Täter den Wagen an. War Ärger über Italiens Migrationspolitik sein Motiv?

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          Ein Mann hat am Mittwoch in Italien einen Bus voller Schulkinder in seine Gewalt gebracht und dann in Brand gesetzt. Der italienische Staatsbürger mit senegalesischen Wurzeln bedrohte die 51 Kinder, zwei Lehrer und eine Assistentin in der Nähe von Mailand mit dem Tod, bevor die Polizei alle in Sicherheit bringen konnte. Die Staatsanwaltschaft geht auch einem terroristischen Motiv nach. Der 47 Jahre alte Mann, der offiziell für das Busunternehmen gearbeitet hat, soll während der Tat Bezug auf den Tod von Migranten im Mittelmeer genommen haben. Er wurde festgenommen.

          Rund ein Dutzend Kinder wurde nach Medienberichten ins Krankenhaus gebracht, auch die zwei Lehrer, alle allerdings ohne schwere Verletzungen. Ermittelt werde wegen einer versuchten Bluttat und Entführung mit dem erschwerenden Umstand Terrorismus, bestätigte der Mailänder Anti-Terror-Staatsanwalt Alberto Nobili der Deutschen Presse-Agentur (dpa). In der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“ sagten die zuständigen Staatsanwälte, dass der Täter ein Einzelgänger gewesen sei. Er habe keinerlei Verbindungen zur Terrororganisation des sogenannten „Islamischen Staats“ gehabt.

          Die Kinder litten eine knappe Stunde Todesangst. Der Mann fuhr den Bus und brachte ihn vom vorgesehenen Weg ab. Ein Junge erzählte in einem Video, der Täter habe Benzinkanister ausgeschüttet und die Lehrer dazu aufgefordert, die Kinder an ihren Händen zu fesseln. Ihre Handys seien ihnen weggenommen worden. Er habe sich allerdings befreien können und mit seinem Telefon, das auf den Boden gefallen war, die Polizei gerufen, sagte der Junge. Die Polizisten konnten alle noch rechtzeitig retten, weil sie die hinteren Fenster des Busses einschlugen, wie ein Augenzeuge im Fernsehen erzählte.

          Innenminister und Vize-Premier Matteo Salvini erklärte, der Mann sei wegen sexueller Gewalt und Trunkenheit am Steuer vorbestraft gewesen. „Ich will Klarheit: Warum fährt eine Person mit (diesen Vorstrafen) einen Bus mit Kindern?“ Weil der Mann Panik ausgelöst habe, werde auch das Motiv Terrorismus geprüft, sagte der Chef der rechten Lega, der seit seinem Amtsantritt einen strammen Anti-Migrationskurs fährt.

          Polizei blockierte die Straße, Bus brannte

          Der Täter steckte den Bus Medienberichten zufolge in Brand, als die Polizei ihn in dem Ort San Donato Milanese blockiert hatte. Zu dem Zeitpunkt seien noch einige Kinder im Bus gewesen, erzählt ein italienischer Polizist „La Repubblica“. Auf Bildern war ein vollkommen ausgebrannter Bus zu sehen. Der Mann habe „hier kommt niemand lebend raus“ gerufen und dann den Wagen in Flammen gesetzt, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf den Provinzkommandanten Luca De Marchis. Auch habe er geschrien: „Das Sterben im Mittelmeer muss aufhören“. Auf einem Video sind Kinder zu sehen, die um die zwölf Jahre alt sind und panisch schreiend aus dem Bus laufen.

          „Er hat gesagt, wenn sich jemand bewegt, schüttet er Benzin aus und zündet das Feuer an“, erzählte ein Mädchen aus dem Bus der Nachrichtenagentur Ansa. Der Mann habe gesagt, dass die Menschen in Afrika sterben müssten und dass das die Schuld der italienischen Vize-Regierungschefs Salvini und Luigi Di Maio von der Fünf-Sterne-Bewegung sei.

          Die populistische Regierung in Rom, allen voran die rechtsgerichtete Lega, fährt seit ihrem Amtsantritt einen harten Kurs gegen Migranten und verweigerte mehreren Rettungsschiffen mit Geflüchteten das Anlegen in Italien. Erst diese Woche wurde das Schiff „Mare Jonio“ von einer italienischen Hilfsorganisation beschlagnahmt, nachdem es Migranten gerettet hatte.

          Im Streit um blockierte Rettungsschiffe konnte Salvini zudem am Mittwoch einen weiteren Erfolg verbuchen. Der Senat stimmte mehrheitlich gegen einen Prozess wegen Freiheitsberaubung gegen den Lega-Chef.

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