https://www.faz.net/-gum-76emg

Nach Vergewaltigungstod : Aufschrei in Südafrika

Proteste gegen Vergewaltigungen in Kapstadt in 2011: Das Land steht in internationalen Statistiken an vorderster Stelle Bild: AFP

Der schockierende Tod einer Siebzehnjährigen sorgt für Entsetzen in Südafrika. Das Mädchen war Ende vergangener Woche vergewaltigt worden. Im Krankenhaus starb sie an ihren schweren inneren Verletzungen.

          1 Min.

          Die Vergewaltigung und bestialische Ermordung eines 17 Jahre alten Mädchens hat Südafrika in Schock versetzt und ähnlich wie zuvor in Indien einen Sturm der Empörung hervorgerufen. In einer ungewöhnlichen Stellungnahme bezeichnete Staatspräsident Jacob Zuma die Tat als „schockierend, grausam und im höchsten Maße unmenschlich“. Er forderte die härtesten Strafen für die Verbrecher. „Die ganze Nation ist entsetzt über diese extreme Gewalt und die Zerstörung eines jungen Lebens.“

          Claudia Bröll
          Freie Afrika-Korrespondentin mit Sitz in Kapstadt.

          Die 17 Jahre Anine Booysen aus Bredasdorp nahe Kapstadt war Ende vergangener Woche von mehreren Männern vergewaltigt und danach bei lebendigem Leib verstümmelt worden. Ein Sicherheitsmann hatte das Mädchen am Samstagmorgen in einem Industriegebiet gefunden. Der Zustand der jungen Frau war offenbar derartig erschütternd, dass die Klinik sich zunächst weigerte, Informationen darüber zu veröffentlichen. Das Pflegepersonal, das sich ihrer angenommen hatte, benötigte danach psychologischen Beistand. Ein Arzt teilte mit, das Mädchen habe mehrere innere Organe verloren.

          Drei Männer festgenommen

          In der Zwischenzeit sind drei Männer festgenommen worden, die der Tat verdächtigt werden. Noch kurz vor seinem Tod hatte das Mädchen den Namen eines der Täter genannt, bei dem es sich um ihren 22 Jahre alten früheren Freund handeln soll. Die Männer sollen am kommenden Dienstag vor Gericht erscheinen.

          Südafrika steht in internationalen Statistiken zu Vergewaltigungen an vorderster Stelle. Nach Schätzungen wird dort im Durchschnitt alle vier Minuten ein Mensch Opfer sexueller Gewalt. Mehr als 60.000 Vergewaltigungen werden jedes Jahr angezeigt, die tatsächliche Zahl dürfte aber mindestens zehnmal so hoch sein. Vor einigen Jahren gab in einer Umfrage jeder vierte Mann zu, schon einmal eine Frau vergewaltigt zu haben. Die Täter machen auch vor kleinen Kindern und Großmüttern nicht halt; zur Verurteilung kommt es selten.

          Parteien, Menschenrechtsaktivisten und Gewerkschaften forderten am Freitag ein entschiedenes Vorgehen, um der sexuellen Gewalt gegen Frauen ein Ende zu setzen. In der Bevölkerung wurde auch der Ruf nach einer Wiedereinführung der Todesstrafe laut. Als Ursachen für die hohe Zahl der Vergewaltigungen nennen Fachleute unzureichende Bildung, Frustration aufgrund von Armut und Arbeitslosigkeit, patriarchalische Gesellschaftsstrukturen und die weit verbreitete Auffassung, Männer hätten ein Recht auf Sex.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Olaf Scholz, Annalena Baerbock und Armin Laschet während des Triells

          Das letzte Triell : Dieses Mal war Scholz vorbereitet

          Baerbock, Scholz und Laschet hatten nochmals die Chance, ihre Schlagfertigkeit zu zeigen. Der Sozialdemokrat und die Grüne präsentierten sich als Partner von morgen.
          Ein bedrohlicher Anblick: Die feuerrote Lava schießt in die Höhe.

          Mehrere Eruptionen : Vulkanausbruch auf Kanareninsel La Palma

          Fachleute hatten es befürchtet: Nach vielen kleinen Erdstößen ist ein Vulkan auf La Palma ausgebrochen. Lava und Asche schleudern durch die Luft. Seit Sonntagnachmittag wurden mehrere Tausend Menschen in Sicherheit gebracht.
          Christian Lindner beim FDP-Parteitag am Sonntag in Berlin.

          FDP vor der Wahl : Lindner will Stimmen aus Überzeugung, nicht aus Kalkül

          Die Freidemokraten sinnieren darüber, wer sie wählt und warum. Aus Taktik sollten die Leute nicht für die FDP stimmen, sagt Parteichef Lindner. Doch die Vorzeichen haben sich während des Wahlkampfs dramatisch verändert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.