https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/nach-razzia-haben-aerzte-und-apotheker-gemeinsam-betrogen-16542655.html

Nach Großrazzia in Hamburg : Haben Ärzte, Apotheker und Manager gemeinsam betrogen?

  • Aktualisiert am

Ärzte sollen Rezepte für hochpreisige Krebsmedikamente nur über bestimmte Apotheken eingelöst haben. Bild: obs

Nach der Razzia im Gesundheitswesen wird deutlich: Ärzte, Apotheker und Pharma-Manager arbeiteten bei Rezepten zur Krebsbehandlung offensichtlich Hand in Hand. Bestechung, Bestechlichkeit und Betrug lauten die Vorwürfe.

          2 Min.

          Nach einer Razzia wegen des Verdachts des Abrechnungsbetrugs mit Krebsmedikamenten werden Verflechtungen zwischen beschuldigten Apothekern und Ärzten deutlich. So sollen drei Apotheker, gegen die die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt, über verschiedene Unternehmen ein Krankenhaus erworben und betrieben haben, wie die Ermittlungsbehörde am Mittwoch mitteilte.

          Über die Klinik sollen sie wiederum bundesweit medizinische Versorgungszentren (MVZs) geführt und Einfluss auf deren angestellte MVZ-Ärzte genommen haben. Apothekern sei die Gründung medizinischer Versorgungszentren grundsätzlich nicht erlaubt, berichtete die Staatsanwaltschaft.

          Die Behörde ermittelt gegen drei Apotheker, neun Ärzte und zwei Pharma-Manager wegen Bestechung und Bestechlichkeit im Gesundheitswesen im besonders schweren Fall sowie bandenmäßigen Abrechnungsbetrugs. Den Beschuldigten drohen bis zu fünf Jahre Haft.

          Versprochene Vorteile für Ärzte

          Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden am Dienstag insgesamt 58 Objekte durchsucht, etwa 480 Beamte waren im Einsatz. Es wurden rund 1000 Kartons mit Unterlagen und rund 100 Mobiltelefone, PCs und Speicherkarten zur Auswertung sichergestellt. „Es handelt sich um eine der größten Durchsuchungsmaßnahmen, die die Korruptionsabteilung der Staatsanwaltschaft Hamburg jemals durchgeführt hat“, sagte die Sprecherin der Behörde, Nana Frombach. Als Gesamtschaden werden von ihr mindestens 8,6 Millionen Euro angegeben.

          Den Apothekern wird vorgeworfen, neun Ärzte durch Gewährung von Vorteilen an sich gebunden zu haben. Nach Berichten von „Zeit Online“ und „Panorama“ soll es um rückzahlungsfreie Darlehen, Luxusfahrzeuge zur Nutzung oder Praxiseinrichtungen gegangen sein. Die Ärzte sollten Rezepte insbesondere für hochpreisige Krebsmedikamente nur noch über die von den Beschuldigten betriebenen Apotheken und Unternehmen einlösen, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

          In Bezug auf die MVZs recherchierten „Zeit Online“ und „Panorama“, dass eine Pharma-Firma über ein verflochtenes Firmenkonstrukt bundesweit Arztpraxen aufgekauft und dafür ein „Vielfaches des üblichen Marktpreises“ gezahlt habe. Anschließend seien die Praxen dann in MVZs umgewandelt worden.

          Sollten sich die Anschuldigungen bestätigen, verurteile der Berufsverband der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen (BNHO) dies aufs Schärfste, teilte der BNHO-Vorsitzende Wolfgang Knauf mit. „Wir Ärzte, denen die zum Teil schwer erkrankten Menschen ihre Gesundheit anvertrauen, dürfen uns ausschließlich ihrer optimalen Versorgung verpflichtet fühlen – völlig unabhängig von wirtschaftlichen Interessen.“ Um wirtschaftlichen Verflechtungen zukünftig keinen Raum mehr zu geben, „sollte die Gesundheitspolitik dringend die rechtlichen Grundlagen für rein ökonomische Wertschöpfungsketten im Gesundheitswesen überarbeiten.“

          Topmeldungen

          Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD)

          Bundesinnenministerin : Faeser geht nur bei Wahlsieg nach Hessen

          Die Bundesinnenministerin will SPD-Spitzenkandidatin in Hessen werden. Ihr Berliner Amt will sie aber nur aufgeben, wenn sie tatsächlich in die Wiesbadener Staatskanzlei einziehen sollte.
          Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) spricht am Mittwoch bei einem Austausch mit malischen Unternehmerinnen und Unternehmern in Bamako.

          Lindner in Mali : Ein Trip wider die Zeitverschwendung

          Der Bundesfinanzminister wäre gerne häufiger bei der Truppe. Im Sahel versichert er den deutschen Soldaten die Bedeutung ihres Einsatzes – und setzt auf die Unterstützung der malischen Militärjunta.
          Tobias Duschl

          Ehemaliger Tesla-Manager : Durch die harte Musk-Schule

          Der Deutsche Tobias Duschl hat intensive Jahre bei Tesla erlebt. Heute ist er selbst Vorstandschef. Er hat sich einiges von Musks Führungsstil abgeschaut – aber weiß auch, was er anders machen würde.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.