https://www.faz.net/-gum-a00zy

Kita-Mord in Viersen : Auf der Suche nach Antworten

  • Aktualisiert am

Zwei Stofftiere und Kerzen schmücken die Gedenkstätte vor der Kita. Bild: dpa

Der Mordverdacht gegen eine Erzieherin an einem Kita-Kind in Viersen zieht neue Kreise: Das Familienministerium in NRW will prüfen, ob Frühwarnzeichen ignoriert wurden. Die Deutsche Kinderhilfe fordert indes einen Kita-TÜV.

          2 Min.

          Nach dem Tod eines Kita-Kindes und dem Mordverdacht gegen eine Erzieherin in Viersen hat die Deutsche Kinderhilfe Sicherheitsüberprüfungen in den Einrichtungen gefordert. Dabei sollten externe Experten in Kitas und Tagespflegestellen regelmäßig analysieren, was Straftaten, Unfälle oder auch Krankheiten begünstigen könnte, stellte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, Rainer Becker, am Dienstag fest: Um Kinder besser zu schützen, „brauchen wir mehr Verbindlichkeit und eine höhere Kontrolldichte, um die Wahrscheinlichkeit einer Aufdeckung von Schwachstellen im System zu erhöhen.“

          Auf Antrag der SPD ist für Donnerstag, den 4. Juni, eine Sondersitzung des Familienausschusses im Landtag zu den Vorgängen in der Viersener Kita einberufen. Die Landesregierung will darin mündlich berichten, wie am Dienstag aus der Tagesordnung hervorging.

          Weitere Vorfälle werden überprüft

          Bei den Ermittlungen wegen Mordes gegen die 25 Jahre alte Erzieherin waren die Behörden auf Vorkommnisse auch in anderen Einrichtungen gestoßen, in denen die Frau vorher gearbeitet hatte. Das NRW-Familienministerium hatte das Landesjugendamt um einen Bericht gebeten. Das Ministerium wollte klären, ob ernsthafte Frühwarnzeichen ignoriert wurden und ob die Vorfälle dem zuständigen Jugendamt nicht gemeldet und keine Anzeigen erstattet wurden.

          Das Landesjugendamt teilte auf Anfrage mit, ihm sei der Fall im Zusammenhang mit der dreijährigen Greta in Viersen gemeldet worden. Zu den Vorfällen mit drei Kindern in drei anderen Einrichtungen, in denen die Erzieherin vorher gearbeitet hatte, habe es dagegen keine Meldungen gegeben.

          Laut einer Handreichung des Landschaftsverbandes Rheinland als Landesjugendamt sind unter anderem alle sogenannten „besonderen“ Vorkommnisse meldepflichtig. Gemeldet werden soll demnach auch, wenn es Hinweise auf mangelhafte Eignung von Mitarbeitenden gebe.

          Nach dem Tod des Kita-Kindes in Viersen wird gegen eine 25-jährige Erzieherin wegen Mordverdachts ermittelt. Die dreijährige Greta war am 21. April von einem Notarzt wegen Atemstillstands aus dem Kindergarten ins Krankenhaus gebracht worden. Am 4. Mai starb das Kind dort. Rechtsmediziner fanden Spuren, die auf Gewalteinwirkung hindeuteten.

          Eine hundertprozentige Sicherheit für Kinder werde es zwar nie geben, aber die Sicherheit könne weiter erhöht werden, stellte die Deutsche Kinderhilfe fest: Alle zwei Jahre sollte es so etwas wie ein Sicherheits-TÜV in den Einrichtungen geben, forderte sie.

          Überprüft werden sollte demnach die Qualifikation des Personals, aber auch die Ausstattung von Räumen. Denkbar sei der Einsatz von Webcams dort, wo Erzieher allein mit Kindern seien. Die Aufzeichnung könne dann versiegelt 24 Stunden aufbewahrt werden. „Und so lange keine Anzeige erstattet wird, so lange kein Zwischenfall bekannt geworden ist, wird die dann wieder überspielt“, sagte Becker.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bewohner des dicht besiedelten Viertels Hillbrow in Johannesburg, Südafrika

          Bevölkerungswachstum : Afrikas demographisches Dilemma

          Bis zum Ende des Jahrhunderts leben elf Milliarden Menschen auf der Erde. Vor allem in Afrika steigt die Zahl. Was bedeutet das für den Kontinent und seinen Nachbarn Europa – auch im Hinblick auf das Coronavirus?
          Canal d’amour: In der romantisch wirkenden Felsbucht auf Korfu ist noch Platz für Gäste.

          Tourismus im Corona-Sommer : Die Schicksalssaison

          Volle deutsche Küstenorte, aber leere Stadthotels und gekürzte Flugpläne ans Mittelmeer – im Sommer nach dem Corona-Stillstand erholt sich der Tourismus nur mancherorts. Ein Überblick.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.