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Nach jahrzehntelangem Prozess : Indischer Postbote von 68-Cent-Betrug freigesprochen

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Um den Wert von einigen wenigen Briefmarken wurde in Indien 30 Jahre lang vor Gericht gestritten. Bild: picture alliance / dpa

Gerichtsverhandlungen in Indien dauern manchmal länger: Ein Postbote musste fast 30 Jahre warten, bis er vom Betrugsvorwurf freigesprochen wurde – es ging um 68 Cent. Jetzt kämpft er um eine Entschädigung.

          Später Sieg: 29 Jahre nach seiner Kündigung ist ein indischer Postbeamter von dem Vorwurf freigesprochen worden, umgerechnet 68 Cent unterschlagen zu haben. Bis zu diesem Urteil musste Umakant Mishra nach eigenen Angaben 348 Mal vor Gericht erscheinen und sein Haus verkaufen, um den Rechtsstreit zu finanzieren, wie die BBC meldete.

          Dem Bericht zufolge begann die Justiz-Odyssee für Mishra am 23. Juli 1984, als er im nordindischen Kanpur mehrere Baranweisungen von insgesamt 697,60 Rupien – nach heutigem Wert 8,27 Euro – an mehrere Adressaten zu verteilen hatte. Am Abend fehlten 57,60 Rupien. „Man beschuldigte mich des Betrugs. Ich wurde suspendiert und bei der Polizei angezeigt“, sagte Mishra dem indischen Kanal BBC Hindi.

          „Ich sollte alles Geld bekommen, das mir zusteht“

          Nach einer kurzzeitigen Inhaftierung kam Mishra gegen Kaution auf freien Fuß und begann seinen juristischen Kampf. In dessen Verlauf geriet er nach eigenen Worten in Insolvenz, schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch und lebte von der Unterstützung seiner Verwandten.

          Ein Gericht entlastete ihn laut BBC jetzt von allen Vorwürfen, weil kein Zeuge gefunden worden sei. „Ich wurde in meinen 30ern entlassen. Jetzt, nach meinem Freispruch, sollte ich entschädigt werden. Ich sollte alles Geld bekommen, das mir zusteht“, sagte Mishra dem Sender. Laut der BBC ziehen sich Gerichtsverfahren in Indien teils Jahre oder sogar Jahrzehnte hin. Nach amtlichen Angaben seien mehr als 30 Millionen Fälle anhängig, einige seit den 1950er Jahren.

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