https://www.faz.net/-gum-9if49

Nach Hacker-Angriff : Bundeskriminalamt durchsucht Wohnung in Heilbronn

  • Aktualisiert am

Im Zusammenhang mit dem Diebstahl persönlicher Daten von hunderten deutschen Politikern und Prominenten hat die Polizei eine Wohnun in Heilbronn untersucht. Bild: EPA

Im Zusammenhang mit dem Diebstahl persönlicher Daten Hunderter deutscher Politiker und Prominenter ist ein 19 Jahre alter Mann als Zeuge befragt worden. Er soll mit dem verantwortlichen Hacker in Kontakt gewesen sein.

          Nach dem großangelegten Hackerangriff auf Daten von Politikern und Prominenten haben Ermittler die Wohnung eines Mannes in Heilbronn durchsucht. Das bestätigten sowohl der Mann als auch die Staatsanwaltschaft der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der 19 Jahre alte Mann arbeitet im IT-Bereich und wird demnach derzeit als Zeuge behandelt.

          Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) hatten einem ARD-Bericht zufolge am Sonntagmorgen die Wohnräume und den Hausmüll des Mannes durchsucht und technische Geräte beschlagnahmt. Der 19 Jahre alte Mann stand nach eigener Aussage in Kontakt mit dem Hacker, der für den Datendiebstahl verantwortlich sein soll. Auf einem ihm zugeschriebenen Twitter-Account bestätigte die Razzia. „Ich möchte ganz klar darauf hinweisen, dass ich ausschließlich als Zeuge geführt werde“, war zudem auf dem Account zu lesen.

          Seehofer trifft Chefs von BSI und BKA

          Angesichts des Hackerangriffs zeigte sich Digital-Staatssekretärin Dorothee Bär offen für schärfere Gesetze. „Einen derartigen Angriff müssen wir zum Anlass nehmen, sehr genau auszuloten, ob schon alles getan ist, um eine bestmögliche Datensicherheit zu gewährleisten“, sagte die CSU-Politikerin dem „Handelsblatt“. Geprüft werden müsse auch, „ob Software-Hersteller und Plattformen stärker in die Pflicht genommen werden müssen, um zu mehr Datensicherheit beizutragen“. Ähnlich hatte sich am Wochenende Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) geäußert.

          Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) will am Montag im Tagesverlauf mit dem Präsidenten des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Arne Schönbohm, und BKA-Präsident Holger Münch über den Fall beraten. Politiker von SPD, Grünen und FDP hatten infrage gestellt, ob die Behörde rasch genug reagiert habe.

          Der Diebstahl persönlicher Daten Hunderter deutscher Politiker und Prominenter, darunter zahlreiche Handynummern, und deren Veröffentlichung im Internet war am Freitag öffentlich bekannt geworden. Zahlreiche Politiker im Bund, in den Ländern und in den Kommunen sind betroffen, darunter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU). Auch Daten von Schauspielern und Journalisten wurden veröffentlicht. Links zu den Datensätzen wurden über einen mittlerweile gesperrten Twitter-Account verbreitet.

          Cyber-Sicherheitsrat fordert Ausbau der Abwehrkapazitäten

          Das BKA hatte nach eigenen Angaben erst in der Nacht zum Freitag von dem massiven Datendiebstahl erfahren, der dem BSI bereits seit Wochen bekannt war. BSI-Präsident Schönbohm sagte am Freitag dem Sender Phoenix: „Wir haben schon sehr frühzeitig im Dezember auch schon mit einzelnen Abgeordneten, die hiervon betroffen waren, dementsprechend gesprochen.“

          Politiker verschiedener Parteien kritisierten das BSI wegen seines Vorgehens. Der Cyber-Sicherheitsrat Deutschland hat als Konsequenz einen Ausbau der Cyberabwehrkapazitäten angemahnt. Ziel müsse es sein, Angriffe schneller zu entdecken sowie Cyberkriminelle effektiv zu identifizieren und strafrechtlich verfolgen zu können, sagte der Präsident des Cyber-Sicherheitsrats, Hans-Wilhelm Dünn. Der Vorfall zeige, wie akut und ernst die Gefahren aus dem Cyberraum seien. Nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch gegenüber politischen Systemen könne die voranschreitende, weltweite Vernetzung missbraucht werden.

          Weitere Themen

          Wer hat die Falle gestellt?

          FAZ.NET-Sprinter : Wer hat die Falle gestellt?

          Das eine politische Beben hat Österreich schon erreicht, nun könnte ein nächstes folgen, wenn herauskommt, wer den FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache in die Falle lockte. Was sonst noch wichtig wird, steht im FAZ.NET-Sprinter.

          Er will sie das Fürchten lehren

          John Bolton : Er will sie das Fürchten lehren

          Trumps Sicherheitsberater trommelt seit Jahren für einen Militärschlag gegen Iran. Europäische Diplomaten halten ihn für einen Ideologen. Doch jetzt hat er das Ohr des Präsidenten für sich.

          Topmeldungen

          Wer drehte das Ibiza-Video? : Ein Wiener Anwalt und seine Mandanten

          Das heimlich aufgenommene Video, das die FPÖ-Politiker Strache und Gudenus die Karriere kostete und Österreichs Regierung zu Fall brachte, läuft inzwischen unter dem Rubrum „Ibiza-Gate“. Die Hinweise auf Mittelsmänner verdichten sich.
          Durch die Druschba-Pipeline fließt zur Zeit kein Öl.

          Versorgung stockt : Lieferstopp für russisches Öl trifft Ostdeutschland

          Seit vier Wochen erreicht kein russisches Öl mehr die deutschen Raffinerien. In Berlin wurde nun sogar das Flugbenzin knapp. Immer mehr drängt sich die Frage auf, wer für den Schaden aufkommt.
          Wolfgang Schäuble kritisiert den Drang nach „immer perfekteren Regelungen“ auch beim Bundesverfassungsgericht

          FAZ Plus Artikel: 70 Jahre Grundgesetz : Mehr Freiraum!

          Das Grundgesetz wurde als Fundament für einen freiheitlichen, handlungsfähigen Staat geschaffen. Diesen Gedanken sollten wir wieder stärker freilegen, statt uns weiter einzumauern hinter immer neuen Regelungen, die noch detailliertere nach sich ziehen. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.