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Nach den Morden in Duisburg : Zwei Mafia-Opfer beigesetzt

  • Aktualisiert am

Der Friedhof in Siderno wurde von Polizeikräften abgeriegelt Bild: AP

In Kalabrien sind unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen zwei Italiener beigesetzt worden, die bei den Duisburger Mafia-Morden getötet worden. An dem Trauergottesdienst nahmen rund 100 Menschen teil. Unterdessen sind bei der Polizei mehr als 340 Hinweise eingegangen.

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          Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen sind in Kalabrien zwei Opfer des der Mafia zugeschriebenen Sechsfach-Mordes von Duisburg beigesetzt worden. An der Beerdigung der Brüder Francesco und Marco Pergola in Siderno nahmen am Donnerstag etwa 100 Angehörige und Freunde teil. Der Friedhof der kleinen Stadt an der kalabrischen Ostküste wurde von Polizeikräften abgeriegelt. Aus Sicherheitsgründen wurde zudem auf den traditionellen Trauerzug durch die Straßen des Ortes verzichtet.

          Bei dem Duisburger Massaker waren vor einer Woche in Nähe des Duisburger Hauptbahnhofs vor dem Restaurant „Da Bruno“ sechs Italiener im Alter zwischen 16 und 39 Jahren erschossen worden. Auslöser für den Sechsfachmord war vermutlich eine Fehde zwischen zwei Clans der kalabresischen Mafia 'Ndrangheta aus der Ortschaft San Luca, rund 30 Kilometer südlich von Siderno. Die sterblichen Überreste dreier weiterer Opfer sollen in San Luca bestattet werden. Nur eines der Mordopfer soll an diesem Freitag in Deutschland, auf einem Friedhof in Mülheim an der Ruhr, beigesetzt werden.

          Mehr als 340 Hinweise eingegangen

          Bei der Duisburger Polizei sind inzwischen mehr als 340 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen. Mehr als 120 Beamte arbeiteten an der Aufklärung des Massakers, berichtete am Donnerstag der nordrhein-westfälische Innenminister Ingo Wolf vor dem Innenausschuss des Landtages in Düsseldorf. Unterstützt würden sie dabei von sieben italienischen Ermittlern, sowie Beamten des Bundes- und des Landeskriminalamtes.

          Etwa 100 Angehörige und Freunde nahmen an der Beerdigung teil
          Etwa 100 Angehörige und Freunde nahmen an der Beerdigung teil : Bild: AP

          Der FDP-Politiker widersprach entschieden Berichten über Ermittlungspannen und Organisationsversagen bei den Fahndungsbehörden. „Der Polizei in Nordrhein-Westfalen lagen vor dem sechsfachen Mord von Duisburg keine Anhaltspunkte für diese Tat vor“, betonte der Minister. Das Gleiche gelte für die italienischen Behörden.
          Wolf sagte, nach Einschätzung der italienischen Behörden sei die Tat die Folge einer wieder aufgeflammten Fehde zwischen den den Mafia-Familien Votarri/Romeo/Pelle und Strangio/Nirta, die in Italien seit Dezember vergangenen Jahres bereits vier Menschen das Leben gekostet habe.

          Anlass für das Auflammen der Fehde

          Wolf betonte, es gebe bislang aber keine Bestätigung für die Behauptung, dass eines der Opfer an der Ermordung der Ehefrau eines hochrangigen Mafiamitgliedes im Dezember 2006 in Italien beteiligt gewesen sei. Diese Tat soll der Anlass für das Wiederauflammen der Fehde gewesen sein. Gegen keines der Opfer habe zur Tatzeit in Italien ein nationaler oder internationaler Haftbefehl bestanden, sagte der Minister.

          Die Frage, ob künftig mit ähnlichen Vorfällen zu rechnen sei, ließ Landeskriminaldirektor Rolf Behrendt vor dem Landtagsausschuss offen. Es sei noch früh für eine zuverlässige Gefährdungsbewertung.

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