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Nach dem Amoklauf : Politiker fordern Verbot von „Killerspielen“

  • Aktualisiert am

Gewalt in der virtuellen Welt Bild: ddp

Der Amoklauf eines 18 Jahre alten früheren Realschülers hat die Diskussion über eine Verbesserung des Jugendschutzes angeheizt. Auch Bayerns Ministerpräsident Stoiber will gewaltverherrlichende Spiele mit Hilfe des Bundesrats verbieten lassen.

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          Nach dem Amoklauf eines früheren Schülers aus Emsdetten im Münsterland ist die Debatte über gewaltverherrlichende Computerspiele wie etwa „Counterstrike“ abermals entbrannt. Auch Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) unterstützt eine Bundesratsinitiative für ein solches Verbot. „Nach dem verheerenden Amoklauf von Emsdetten darf es keine Ausreden und Ausflüchte mehr geben: Killerspiele gehören in Deutschland verboten“, sagte Stoiber am Dienstag in München. „Sie animieren Jugendliche, andere Menschen zu töten.“

          Die Spiele bezeichnete Stoiber als „völlig unverantwortliche und indiskutable Machwerke, die in unserer Gesellschaft keinen Platz haben dürfen“. Stoiber betonte, Bayern habe bereits seit einem Amoklauf in Bad Reichenhall im Jahr 1999 wiederholt Gesetzesinitiativen zum Verbot von „Killerspielen“ begonnen. Bisher habe man dafür aber „noch keine ausreichende Unterstützung gefunden“. Das solle sich nun ändern, zumal Union und SPD bereits in ihrem Koalitionsvertrag ein Verbot von Killerspielen in dieser Legislaturperiode verabredet hätten.

          „Es fließt reichlich Blut“

          Auch Niedersachsens Innenminister Uwe Schürmann (CDU) will die Bundesratsinitiative unterstützen. Deren Ziel sei ein Herstellungs- und Verbreitungsverbot, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Innenministeriums am Dienstag in Hannover. Ein Herstellungsverbot sei zwar schwer umsetzbar, da der Großteil der Spiele im Ausland programmiert werde. Ein Verbot zur Verbreitung in Deutschland sei allerdings ein wichtiger erster Schritt. Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Wolfgang Bosbach sagte: „Sollte sich tatsächlich herausstellen, daß der 18 Jahre alte Täter sich über einen längeren Zeitraum und intensiv mit Killerspielen beschäftigt hat, müßte der Gesetzgeber nun endlich handeln.“

          Szene aus dem Computerspiel „Counterstrike”

          Zudem forderte Minister Schünemann die Abschaffung der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), eine von den Software-Herstellern unterstützte Einrichtung. Notwendig ist aus seiner Sicht ein neues Gremium zur Überprüfung von Computerspielen, das „rein in staatlicher Hand“ liege. Die bisherigen Kontrollen seien zu lax, hieß es. Selbst bei Spielen, die ab 16 Jahren freigegeben sind, fließe reichlich Blut.

          Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) sagte: „Killerspiele leisten einen verhängnisvollen Beitrag zur leider wachsenden Gewaltbereitschaft und fördern aggressives Verhalten. Deshalb muß konsequent gegen Spiele vorgegangen werden, die Gewalt verherrlichen.“ Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) forderte im Rundfunk: „Die Politik muß ihre Möglichkeiten nutzen, den Zugang zu solchen Gewaltvideos zu verhindern.“

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          Auch der innenpolitische Sprecher der SPD, Dieter Wiefelspütz, sprach sich für ein Verbot solcher Spiele aus. Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Hövelmann (SPD) forderte zumindest eine schärfere Kontrolle. Bei vielen Videospielen sei die Altersfreigabe zu hinterfragen, sagte Hövelmann. „Die Erfahrung zeigt, daß offensichtlich nicht in jedem Fall sehr bewußt und verantwortungsvoll damit umgegangen wird.“

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