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Nach Buchveröffentlichung : Marco Weiss verliert auch seinen zweiten Anwalt

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Das umstrittene Buch Bild: dpa

Der in der Türkei wegen sexuellen Missbrauchs angeklagte Marco Weiss hat am Freitag auch seinen zweiten Rechtsbeistand verloren. Marco sei Opfer „einer offensichtlich unverantwortlichen Beratung von Seiten Dritter“ geworden, kritisierte der Anwalt.

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          Nach der Veröffentlichung des Buchs von Marco Weiss über seine Untersuchungshaft in der Türkei hat am Freitag auch der zweite deutsche Anwalt des inzwischen 18-Jährigen aus Uelzen sein Mandat niedergelegt. „Aufgrund einer offensichtlich unverantwortlichen Beratung von Seiten Dritter“ sei Marco „vertraglich in einer Weise gebunden worden“, die es dem Teenager unmöglich machten, seinen Rat zu befolgen und vor Prozessende keine Interviews zu geben oder „jede Form der Medienpräsenz zu unterlassen“, erklärte sein Anwalt Michael Nagel in Hannover.

          Er hoffe trotzdem, dass sich die „negativen Auswirkungen dieser medialen Verarbeitung der Ereignisse in Grenzen halten werden“ und die Verfahren in der Türkei und in Deutschland ein positives Ende fänden, erklärte Nagel weiter. Weiter will er nach eigenen Angaben zu dem Fall keine Stellung mehr nehmen. Zuvor hatte bereits Marcos Anwalt Matthias Waldraff sein Mandat niedergelegt. Marcos Verteidiger waren nach eigenen Angaben von der Veröffentlichung des Buches noch vor Ende des Prozesses in der Türkei überrascht worden.

          Kritik und Verwunderung

          Mit Kritik und Verwunderung haben türkische Medien auf das Buch reagiert. Weiss habe ein „hässliches Buch“ verfasst, kommentierte die Zeitung „Yeni Safak“ am Freitag. Das Blatt verwies auf die Vorankündigung des Buches, in der von Folter und Drogen im türkischen Gefängnis die Rede war, und verglich es mit dem Film „Midnight Express“. Der Film über die erschreckenden Erlebnisse eines Amerikaners in türkischer Haft hatte lange Zeit das schlechte Image der Türkei im Westen mitgeprägt.

          Die Staatsanwaltschaft im südtürkischen Antalya wirft Marco W. vor, sich während eines Urlaubs im vergangenen Jahr an einem damals 13-jährigen Mädchen aus Großbritannien vergangen zu haben. Der heute 18-jährige Teenager aus Uelzen, der nach acht Monaten Untersuchungshaft in Antalya kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres nach Hause zurückkehrte, weist die Vorwürfe zurück. Seine Entscheidung, noch vor dem im kommenden Jahr erwarteten Urteil in seinem Prozess ein Buch über seine Erlebnisse zu schreiben, hatte in den vergangenen Tagen für Aufsehen gesorgt. Das Buch kam am Freitag auf den deutschen Markt.

          „Bild“ arbeitet mit „Hürriyet“ zusammen

          Die Zeitung „Yeni Safak“ nutzte ihre Berichterstattung über das Buch auch für Kritik am türkischen Medienkonzern Dogan. Das regierungsnahe Blatt wies darauf hin, dass die „Bild“-Zeitung die Aufzeichnungen von Marco Weiss als Serie veröffentlicht, der Springer-Verlag aber eng mit dem türkischen Medienzaren Aydin Dogan zusammenarbeit, der unter anderem die Zeitung „Hürriyet“ verlegt. Dogan und Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatten sich in den vergangenen Monaten einen öffentlichen Streit geliefert.

          Auch der zum Dogan-Konzern gehörende Fernsehsender CNN-Türk wunderte sich über das Buch von Marco Weiss. Über dessen Berichte über Folter in türkischen Gefängnissen werde wohl noch viel gesprochen werden, meinte der Sender auf seiner Internetseite.

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