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Tote aus Passau und Wittingen : „Wir haben fünf Tote – alles andere ist dubios“

  • Aktualisiert am

In Wittingen wurden zwei weitere Leichen gefunden. Bild: dpa

Als die Polizei eine Angehörige über das Schicksal einer der in einer Passauer Pension gefundenen Toten informieren will, findet sie zwei weitere Leichen – dabei sind noch nicht einmal die Umstände des ersten Falls aufgeklärt.

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          Die Nachricht vom Tod eines Angehörigen zu überbringen ist keine angenehme Aufgabe, gehört für Polizisten aber zur Arbeitsroutine. Und im Fall eines gewaltsamen Todes auch zu den Ermittlungen. Als die Beamten in dem niedersächsischen Städtchen Wittingen am Wochenende aber eine 35 Jahre alte Frau darüber informieren wollten, dass ihre Lebensgefährtin in einer Pension in Passau tot aufgefunden worden war, neben zwei weiteren Leichen und offensichtlich von Armbrustpfeilen getötet, standen sie vor verschlossener Tür. Auch bei weiteren Versuchen machte niemand auf. Nachbarn berichteten den Polizisten, dass sie die Bewohnerinnen schon länger nicht mehr gesehen hätten. Als sie sich am Montag schließlich Zugang zu der Wohnung verschafften, entdeckten die Beamten der niedersächsischen Polizei dort zwei weitere Leichen.

          Bei einer der beiden Toten handelt es sich laut einem Sprecher der Polizeidirektion Gifhorn „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ um die Lebensgefährtin der 30 Jahre alten Frau, die am Samstag tot in Passau aufgefunden worden war; auch sie war an der Adresse in Wittingen gemeldet. Angaben zur Identität und zum Alter der zweiten Toten in der Wohnung sowie zu den Todesursachen könne er noch nicht machen, sagt der Polizeisprecher dieser Zeitung am Montagnachmittag. Armbrüste oder deren Pfeile seien in Wittingen zunächst nicht gefunden worden. Dort sei nach derzeitigem Kenntnisstand „eher nicht die gleiche Tötungsmethode“ angewandt worden wie in Passau.

          In einer Pension, die etwas abgelegen im Ortsteil Unteröd an der Ilz liegt, hatte ein Zimmermädchen am Samstagmittag die Leichen der drei Gäste entdeckt. Die Dreißigjährige aus Wittingen lag auf dem Boden des Zimmers, ein 53 Jahre alter Mann und eine 33 Jahre alte Frau, beide aus Rheinland-Pfalz, lagen auf einem Bett, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Niederbayern mitteilte. Alle drei waren von Armbrust-Pfeilen getroffen worden. Eine Obduktion am Montag sollte Aufschluss über die genauen Todesursachen sowie den Tatablauf geben. Mit Ergebnissen wurde im Lauf des Dienstags gerechnet.

          In dieser Pension in Passau wurden die ersten drei Leichen entdeckt.

          Zwei Leichen fand man „Hand in Hand“

          Anhaltspunkte für eine mögliche Beteiligung weiterer Personen in Passau lagen laut den Ermittlern nicht vor. So sei das Zimmer abgeschlossen gewesen, es habe keine Kampfspuren und auch keinerlei Beobachtungen von Zeugen gegeben, die auf eine weitere Person schließen ließen, sagt der Passauer Oberstaatsanwalt Walter Feiler am Montagnachmittag. Neben den Leichen fanden die Ermittler zwei Armbrüste, eine weitere lag, offenbar unbenutzt, in einer Tasche in dem Dreierzimmer, das der Mann und die beiden Frauen am Freitag gemeinsam bezogen hatten. Armbrüste gelten in Deutschland als Waffen, dürfen aber ab dem 18. Lebensjahr frei erworben werden. Die Jagd mit Pfeilen ist hierzulande nicht erlaubt.

          Die Leichen des 53 Jahre alten Mannes und der 33 Jahre alten Frau wurden laut Oberstaatsanwalt Feiler „Hand in Hand“ auf dem Bett gefunden. In ihren Körpern steckten mehrere Pfeile. Zuletzt seien sie in einem kleinen Ort bei Altenkirchen im Westerwald in Rheinland-Pfalz gemeldet gewesen – an derselben Adresse, was nahelegen könnte, dass sie ein Paar waren. Im Leichnam der Dreißigjährigen aus Wittingen steckte ein Pfeil. Den ersten Erkenntnissen nach war sie mit den beiden anderen nicht verwandt. Woher die drei sich kannten, war zunächst unklar.

          Auf den ersten Blick sprach für die Ermittler einiges dafür, dass die Dreißigjährige das Paar auf dem Bett und anschließend sich selbst erschossen hatte. Sicher ist das aber nicht. Und auch über die Umstände könne bislang nur spekuliert werden, sagte Oberstaatsanwalt Feiler. Ließen sich die beiden freiwillig töten? Wurden sie vor der Tat möglicherweise betäubt? Oder war es doch ganz anders? „Wir haben fünf Tote, das ist gesichert – alles andere ist dubios.“

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