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Flaschenwurf auf Notärztin : Herrmann prüft „rasche“ Abschiebung

Joachim Herrmann, hier bei der Anti-Terror-Übung Baytech in Penzing, fordert eine „harte Bestrafung“. Bild: AFP

Ein junger Mann aus Eritrea hat am Freitag eine Notärztin schwer verletzt. Der bayerische Innenminister droht ihm nun mit schweren Konsequenzen.

          Eine „harte Bestrafung“ hat der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) nach dem Angriff auf eine Notärztin und einen Rettungssanitäter durch mutmaßlich einen Flüchtling angekündigt. Zudem führte er aus, dass er darunter nicht nur die strafrechtliche Ahndung verstehe, sondern auch die Prüfung einer „möglichst raschen Abschiebung“ zusammen mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Es gehe gar nicht, in Deutschland Schutz zu suchen und dann in einem Anfall „blinder Aggression“ Rettungskräfte anzugreifen, kommentierte Herrmann den Vorfall in einer Mitteilung.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Der Attacke auf die Notärztin war am Freitagabend eine Auseinandersetzung zwischen zwei Flüchtlingen und zwei Betreuerinnen in einem Jugendhaus in der Gemeinde Ottobrunn im Landkreis München vorausgegangen. Die beiden Flüchtlinge, ein 17 Jahre alter Äthiopier und ein 20 Jahre alter Eritreer, sind in der Jugendeinrichtung untergebracht und hatten sich nicht an das Alkoholverbot der Einrichtung gehalten. Offenbar hatten sie einen Koffer voller alkoholischer Getränke dabei. Als sie von den beiden Betreuerinnen darauf angesprochen wurden, schlug der 20 Jahre alte Mann nach Angaben der Polizei die beiden Frauen mit der Faust. Die Betreuerinnen wurden dadurch am Kopf verletzt und verständigten die Polizei. Daraufhin rannten die beiden jungen Männer aus dem Gebäude.

          Für den Flaschenwurf gab es keinen „erkennbaren Anlass“

          Auf ihrer Flucht kamen sie an einem Notarztwagen der Berufsfeuerwehr München vorbei, der in dem Moment in der Nähe der Einrichtung vor einem Seniorenheim geparkt wurde. Die Notarztbesatzung des Fahrzeugs, eine Notärztin und ein Rettungssanitäter, waren gerade erst zu einer erkrankten Bewohnerin des Heimes gerufen worden. Der 20 Jahre alte Eritreer nahm dann „ohne erkennbaren Anlass“ eine volle Whiskyflasche, die er mit sich trug, und schleuderte sie aus etwa einem Meter Entfernung gegen die Scheibe der Beifahrertür des Fahrzeugs, wie die Polizei mitteilte.

          Die Flasche durchschlug die Scheibe und traf die Notärztin im Gesicht. Die 46 Jahre alte Ärztin erlitt durch den Angriff ein Schädel-Hirn-Trauma, einen Kieferbruch und diverse Schnittverletzungen im Gesicht. Es wurden ihr zudem mehrere Zähne ausgeschlagen. Der Rettungssanitäter und der Fahrer des Fahrzeugs, wurde durch umherfliegende Glassplitter am Auge verletzt. Die jungen Männer flüchteten nach dem Angriff, die Polizei konnte sie jedoch noch an dem Abend in Tatortnähe festnehmen.

          Bei ihrer Festnahme haben sie zudem nach Angaben der Polizei Widerstand geleistet. Der 17 Jahre alte Äthiopier wurde, nachdem seine Personalien festgestellt wurden, wieder entlassen. Der 20 Jahre alte Eritreer, laut Polizei der mutmaßliche Haupttäter, wurde in die Haftanstalt des Münchner Polizeipräsidiums gebracht. Inzwischen hat der Haftrichter nach Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehl erlassen.

          Der bayerische Innenminister hat am Wochenende nochmals auf die Strafverschärfung bei Angriffen auf Rettungskräfte hingewiesen. Es drohen Tätern nun bis zu fünf Jahre Freiheitsentzug. Wegen der in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Zahl der Angriffe seien Strafverschärfungen dringend notwendig, so Herrmann. So wurden nach den Angaben in Bayern im Jahr 2011 130 Übergriffe auf Einsatzkräfte der Rettungsdienste registriert, im Jahr 2016 verzeichnet die bayerische Kriminalstatistik dagegen 228 solcher Delikte. Für 2017 liegt demzufolge noch keine Auswertung vor. Man brauche für die Täter einen „klaren Denkzettel“ und eine „höchstmögliche Abschreckung“.

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