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Kindesmisshandlung : Behörden müssen sich für Alessios Tod rechtfertigen

Das Vorgehen des Jugendamts wird heftig kritisiert. Bild: dpa

Nach dem Tod des dreijährigen Alessio durch Misshandlung wird das Jugendamt des Kreises heftig kritisiert. Die Kinderärzte des Jungen hatten schon vor einiger Zeit vor einem Verbleib des Kindes bei seinem gewalttätigen Siefvater gewarnt.

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          Der Tod des drei Jahre alten Alessio und das Vorgehen des Jugendamts im Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald führt zu immer neuen Fragen. So wurde jetzt bekannt, dass die 24 Jahre alte Mutter des mehrfach wegen schwerer Misshandlungen im Freiburger Universitätsklinikum behandelten Kindes vom 16. Dezember 2014 an in einem „Zentrum für Psychiatrie“ (ZFP) stationär behandelt worden war. Von diesem Zeitpunkt an wurde der Junge von seinem Stiefvater, der ihn wahrscheinlich am 16. Januar mit Schlägen tötete, und einer Dorfhelferin betreut, die jedoch die Cousine des Stiefvaters war.

          Rüdiger Soldt
          (rso.), Politik

          „Spätestens vom 16. Dezember an muss sich doch für das Jugendamt die Frage gestellt haben, kann man das Kind bei dieser Vorgeschichte nun allein bei dem Stiefvater lassen“, sagte ein Sprecher des Sozialministeriums der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Zumal die Kinder bis zum Abschluss des ersten Ermittlungsverfahrens gegen den Vater Anfang Oktober 2014 bei der Mutter lebten und räumlich getrennt untergebracht waren. Aus Sicht des Ministeriums ist es zudem verwunderlich, dass weder die Leiterin des Jugendamts noch die Landrätin Dorothea Störr-Ritter (CDU) direkt mit diesem gravierenden Fall befasst gewesen sind. Die baden-württembergische Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) hat das Regierungspräsidium Freiburg deshalb aufgefordert, das formal die Rechtsaufsicht hat, den Fall zu prüfen.

          Heftige Kritik am Vorgehen der Behörden

          Heftige öffentliche Kritik am Vorgehen des Landratsamtes äußerten auch die Kinderärzte Monika Spitz-Valkoun und Christian Spitz aus Bonndorf in einem offenen Brief an die Landrätin. Die Kinderärzte hatten das Kind über einen Zeitraum von vier Monaten behandelt. Alessio, heißt es in dem Brief, habe „über mindestens einen einjährigen Zeitraum in einem Umfeld“ gelebt, in dem er „schwerster Gewalteinwirkung“ ausgesetzt gewesen sei. Deshalb sei es unbegreiflich, wie das Landratsamt von einer unvorhersehbaren Situation sprechen könne, es seien sogar „Verletzungsmuster am Gehirn“ nachgewiesen worden. Die psychische Erkrankung der Mutter und das auffällige Verhalten des Vaters hätten berücksichtigt werden müssen, auch wenn die Eltern sich im Herbst 2014 gegenüber dem Jugendamt kooperativ gezeigt hätten, schreiben die Ärzte. Ein Sprecher des Landratsamtes sagte zu den Vorwürfen: „Das sind Dinge, die vor dem maßgeblichen Zeitraum, also vor dem Sommer 2014, passiert sind.“ Das Vorgehen des Landratsamts war auch von der Freiburger Universitätsklinik kritisiert worden.

          Die Landrätin informierte am Montag die Kreistagsmitglieder in einer nicht öffentlichen Sitzung. Sie will eine Expertenkommission einsetzen und den Kreistagsmitgliedern Akteneinsicht geben. Der drei Jahre alte Alessio war am 16. Januar in Titisee-Neustadt mit schweren inneren Verletzungen in eine Kinderarztpraxis gebracht worden und dort gestorben.

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