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Mutmaßlicher Mörder von Mirco : „Ich habe keine Antwort, deshalb schweige ich“

Bild: reuters

Die Staatsanwaltschaft hat im Prozess um den Mord an Mirco aus Grefrath lebenslange Haft für den mutmaßlichen Täter gefordert. Zudem soll das Gericht die besondere Schuldschwere feststellen. Der Angeklagte schweigt unterdessen weiterhin zu seiner Tat.

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          Der letzte Dienst, den Strafverteidiger Gerd Meister am Montag seinem Mandanten Olaf H. erweisen muss, ist kein flammendes Plädoyer. Olaf H. hat gestanden, am 3.September vor einem Jahr den zehn Jahre alten Mirco entführt, missbraucht und erdrosselt zu haben. Auch Strafverteidiger Meister will seinen Mandanten deshalb wegen Mordes verurteilt sehen. Nur noch um die Frage, ob das Krefelder Landgericht auch auf eine besondere Schwere der Tat erkennt, wenn es am Donnerstag sein Urteil fällt, dreht sich das Bemühen Meisters.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Denn stellt das Gericht eine besondere Schwere fest, verlängert sich die Haftdauer von gewiss 15 Jahren um mehrere weitere Jahre. Also bringt Meister das Wenige vor, was er zugunsten seines Mandanten vorbringen zu können glaubt. In den Gesprächen mit ihm habe Olaf H. Abscheu über seine Tat gezeigt. Zwar habe der 45 Jahre alte ehemalige Manager eines Telekommunikationsunternehmens im Rahmen des Verfahrens „geleugnet, manipuliert und versucht, die Öffentlichkeit hinters Licht zu führen“. Doch sei dies nur geschehen, weil sich der mehrfache Familienvater seine Tat selbst nicht habe eingestehen wollen. Für eine besondere Schwere der Tat aber müsse es Umstände geben, „die etwas so Schreckliches wie einen Mord noch schrecklicher machen“, gibt der Strafverteidiger zu bedenken.

          Ein eiskalter Mörder mit perfidem Charakter

          Ebendiese Umstände sieht freilich die Anklage erfüllt. Staatsanwältin Silke Naumann kommt in ihrem Plädoyer zu dem Ergebnis, dass Olaf H. einen brutalen Mord begangen und dabei eiskalt gehandelt habe. Von Anfang an habe er geplant, Mirco zu töten. Die Anklägerin äußert die Vermutung, der Angeklagte habe das zehn Jahre alte Kind am Abend des 3. September 2010 sogar schon kilometerweit verfolgt, bevor er Mirco vom Fahrrad zwang, in seinen Firmenwagen bugsierte, zu einem Waldstück fuhr, sich dort an dem Kind verging und es mit einer Baumarktschnur erdrosselte.

          Die Staatsanwältin Silke Naumann fordert lebenslange Haft für den Angeklagten Olaf H.
          Die Staatsanwältin Silke Naumann fordert lebenslange Haft für den Angeklagten Olaf H. : Bild: dpa

          Schließlich habe er Mirco noch ein Messer in den Hals gerammt, um sicher zu sein, dass das Kind auch wirklich tot sei. Dem Angeklagten sei es darum gegangen, den sexuellen Missbrauch mit dem Mord zu verdecken. Staatsanwältin Naumann bescheinigt Olaf H. zudem einen „perfiden Charakter“. Beruflichen Stress als Anlass für die Tat anzugeben, wertet sie als Lüge, mit der Olaf H. versucht habe, seinen ehemaligen Vorgesetzten mitverantwortlich zu machen.

          „Viel gefährlicher als ein Pädophiler“

          Auch die Anwältin der Eltern Mircos ist sich sicher, dass Olaf H. im vergangenen September „ganz bewusst zielgerichtet“ gehandelt habe. „Er hat Mirco abgegriffen, dann hat für das Kind eine ganz schreckliche Horrorfahrt begonnen“, sagt Nebenklägerin Gabriele Reinartz. Er habe nicht nur eiskalt gehandelt, sondern zudem weder Reue noch Einsicht gezeigt. Die Juristin verweist zudem auf das psychiatrische Gutachten vom vergangenen Freitag, in dem der Angeklagte als voll schuldfähiger, hochintelligenter und vermutlich sadistisch-perverser Täter beschrieben wird. „Dieser Tätertyp ist viel gefährlicher als ein Pädophiler“, sagt die Nebenklägerin.

          Olaf H. selbst verzichtet wie so oft während der Hauptverhandlung am Montag abermals darauf, selbst das Wort zu ergreifen. Auch das Schlusswort des geständigen Mörders muss also Strafverteidiger Meister verlesen. „Ich habe noch keine Antwort gefunden, und deshalb schweige ich“, heißt es darin. Ihm sei bewusst, welch schreckliche Tat er begangen habe. „Es ist ein Albtraum, dem ich nicht entrinnen kann.“

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