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Sachsen-Anhalt : Mutmaßliche Pädophile sind wieder auf freiem Fuß

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Holger Herrmann (links), Leiter der Zentralen Kriminalitätsbekämpfung der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord auf einer Pressekonferenz mit Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht Bild: dpa

Am Sonntag wurden elf Mitglieder eines Pädophilenrings festgenommen, zuvor hatten sie eine Fünfjährige als Lockvogel auf dem Spielplatz eingesetzt. Für einen Haftbefehl reichte der Anfangsverdacht nun aber doch nicht aus.

          Die am Sonntag unter dem Verdacht des sexuellen Missbrauchs von Kindern und der Verbreitung von Kinderpornographie festgenommenen elf Personen sind wieder auf freiem Fuß. Es bestehe ein „Anfangsverdacht“, der für einen Haftbefehl aber bislang nicht ausreiche, sagte der Einsatzleiter der Polizei, Holger Herrmann, am Montag in Magdeburg. Nach Angaben Herrmanns sind drei der Tatverdächtigen „einschlägig vorbestraft“. Die meisten Festgenommenen hätten in den Vernehmungen zugegeben, pädophil zu sein. Straftaten hätten sie jedoch nicht verübt. „Wir stehen im Augenblick noch am Anfang der Ermittlungen“, sagte am Montag in Magdeburg auch der Innenminister Sachsen-Anhalts, Holger Stahlknecht (CDU).

          Die Tatverdächtigen – zehn Männer im Alter zwischen 23 und 60 Jahren sowie eine 57 Jahre alte Frau – waren am Samstag in Aschersleben vorläufig festgenommen worden. Sie stammen nach Angaben der Polizei aus Aschersleben, Berlin, Dresden, Leipzig und Dortmund; einer der Männer komme aus der Schweiz. Die Gruppe kannte sich nach Angaben der Ermittler aus einem Pädophilen-Chatroom im Internet. „In diesem Chatroom agiert man sehr vorsichtig und konspirativ.“ Dort seien etwa Informationen ausgetauscht worden, „wie man ein stabiles Kinderbett aufbauen sollte, falls man irgendwelche Fesselpraktiken durchführen möchte“, sagte Herrmann.

          Ausflug zum Kinderflohmarkt

          Am 25. April hat es demnach einen ersten Zeugenhinweis zu dem geplanten Treffen in Sachsen-Anhalt gegeben, zu dem ein 54 Jahre alter Mann aus Aschersleben eingeladen hatte. Ziel dieses konspirativen Treffens sei es gewesen, „Aufenthaltsorte von Kindern zu besichtigen und neue Kontakte zu Kindern zu knüpfen“, sagte Herrmann. Die Tatverdächtigen besuchten demnach am Samstag einen Kinderflohmarkt und den Zoo in Aschersleben, wo sie sich „hauptsächlich“ am Kinderspielplatz aufhielten.

          Die fünf Jahre alte Nichte des Tatverdächtigen aus Aschersleben wurden nach Erkenntnissen der Ermittler dabei als eine Art Lockvogel missbraucht, um Kontakt zu anderen Kindern zu bekommen. Sie wurde dem Jugendamt übergeben, ist aber inzwischen wieder bei ihrem Vater. Die Polizei hatte die Verdächtigen nach eigenen Angaben „immer im Blick und unter Kontrolle“. Beim Verlassen des Zoos wurde die Gruppe gefasst. Die Identität der Verdächtigen wurde geklärt; zudem wurden Unterkünfte in Aschersleben, Berlin und Dortmund durchsucht und Datenträger beschlagnahmt.

          Ermittlungen laufen „auf Hochtouren“

          Herrmann vermutet, dass die Ermittlungen – auch ins Ausland – ausgeweitet werden und „noch weitere Personen betreffen“ werden. In dem betreffenden Chatroom seien noch mehr Menschen aktiv als die jetzt elf bekannten Verdächtigen. Die Ermittlungen liefen „auf Hochtouren“, sagte Herrmann. Derzeit werde die Zusammenarbeit mit anderen Polizeibehörden und Staatsanwaltschaften koordiniert.

          Herrmann gab zu, dass die Polizei im Gegensatz zu sonst üblichen Verfahren schon „im Anfangsstadium“ der Ermittlungen und damit frühzeitig zugegriffen habe. „Wir hoffen, dass wir nun schnell weiterkommen mit den Ermittlungen“, sagte er. Innenminister Stahlknecht hob hervor, die von dem Zeugen geschilderten Umstände hätten eine Straftat möglich erscheinen lassen. Deshalb habe die Polizei „zügig“ gehandelt.

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