https://www.faz.net/-gum-9lj32

Warum München so sicher ist : „In Bayern gibt es keine kriminellen Clans“

Wir haben  hier im Präsidium schnell reagiert, mit der Arbeitsgruppe „Phänomene“. Die falschen Polizeibeamten werden von Callcentern in der Türkei  gesteuert. Ich habe mich vor einiger Zeit schon mit dem türkischen Generalkonsul getroffen und ihn um Unterstützung gebeten. In Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt und der türkischen Polizei wurden daraufhin auch ein paar dieser Callcenter in der Türkei stillgelegt. Leider entstehen dann an anderer Stelle wieder neue. Dass diese Betrugsmasche so erfolgreich ist, liegt vor allem auch daran, dass die Leute massiv unter Druck gesetzt werden: Die Anrufe kommen teilweise in der Nacht. Mit dem Hinweis auf angebliche Einbrecherbanden, die unterwegs sind,  wird sofort ein Angstszenario aufgebaut. Dazu kommt, dass für ältere Menschen ein Polizist einfach eine Respektsperson ist. Wenn die Polizei dann noch mit „110“ im Display anruft, dann ist das auch „die Polizei“. 

Zugenommen haben in München jedoch die Sexualdelikte, was vor allem auf die Verschärfung des Sexualstrafrechts zurückzuführen ist. Wie ist hier das Verhältnis von deutschen und nicht-deutschen Tatverdächtigen?

Man muss klar definieren, was unter „nicht-deutsch“ zu subsumieren ist. Da gerät in der öffentlichen Wahrnehmung oft einiges durcheinander. München hat den größten Anteil an Menschen mit ausländischen Wurzeln in ganz Deutschland. Dieser Anteil ist hier noch größer als in Berlin, das wundert immer viele. Die Quote liegt bei 25,5 Prozent. Eine der größten Gruppen der hier lebenden Ausländer stellen die Österreicher. Also „nicht-deutsch“ muss nicht zwangsläufig „Zuwanderer“ heißen, zu denen nach bundeseinheitlicher Definition unter anderen Asylbewerber und Geduldete gehören.

Und wie ist dann das Verhältnis von nicht-deutschen Tatverdächtigen und Zuwanderern bei den Sexualstraftaten?

Der Anteil liegt ungefähr bei 44 Prozent deutschen Tatverdächtigen und 56 Prozent nicht-deutschen Tatverdächtigen. Und von diesen 56 Prozent sind etwa ein Drittel Zuwanderer. Man kann daher sagen, dass Asylbewerber bei den Sexualdelikten überproportional unter den Tatverdächtigen vertreten sind – gemessen an ihrem Anteil an allen Einwohnern Münchens.

Woran liegt das?

Das hat damit zu tun, dass unter den Zuwanderern auch überproportional viele junge Männer sind, die in jedem Land ein höheres Risiko haben, kriminell zu werden. Man muss zudem sehen, dass mit den Sexualstraftaten nicht nur die Delikte gemeint sind, die „überfallartig“ fremde Opfer betreffen. Es gibt auch viel Gewalt in den Unterkünften, Gewalt, die sich gegen die eigene Frau richtet. Und hier – das ist besorgniserregend – ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.

Was tut die Polizei dagegen?

Wir verfolgen diese Straftaten konsequent und weisen Frauen darauf hin, dass sie das nicht erdulden müssen, sondern Anzeige erstatten können. Man muss zudem ständig im Kontakt bleiben mit allen zuständigen Behörden und sozialen Einrichtungen.

Migrationsforscher wie Ralph Ghadban warnen davor, dass kriminelle Clans unter den Asylbewerbern neue Mitglieder rekrutieren. Hat München ähnlich wie Bremen oder Berlin ein Problem mit kriminellen Großfamilien?

Nein. Kriminelle Clans gibt es bei uns nicht, in ganz Bayern nicht.

Warum nicht?

Wehret den Anfängen! Auch hier kann ich nur sagen: Es hat sich ausgezahlt, solchen Entwicklungen von Anfang an konsequent zu begegnen. Keine Toleranz! Und vor allem: keine Ghetto-Bildung! In München sind seit 2015 rund 12.000 Zuwanderer dazu gekommen. Man muss verhindern, dass sich Migranten in isolierten Wohngebieten abschotten. Ghetto-Bildung ist die Wurzel allen Übels – das kann man nicht deutlich und nicht oft genug sagen.

Weitere Themen

Topmeldungen

Wirtschaft in Amerika : Trumps Sommer des Missvergnügens

Signale eines Konjunktureinbruchs in Amerika machen Trump nervös. Die Wirtschaftslage könnte seine Wiederwahl 2020 gefährden. Die Reaktion des Präsidenten zeigt ein bekanntes Muster.

Der Exosuit : Was uns nach den E-Tretrollern erwartet

Noch hat sich Deutschland nicht an die E-Tretroller gewöhnt, da kommt schon die nächste Innovation aus Amerika: Die E-Buxe könnte den Straßenverkehr revolutionieren oder noch mehr belasten. Eine Glosse.

Johnson in Paris : In Berlin war mehr Esprit

Beim Besuch von Boris Johnson betont Präsident Macron die Einigkeit Europas – und bekennt sich zu seinem Ruf, in der Brexit-Frage ein Hardliner zu sein. Zugeständnisse will er gegenüber dem Gast aus London nicht machen – erst recht nicht beim Backstop.
Amerikas Botschafter Richard Grenell kritisiert eine neue EU-Verordnung zu Medizinprodukten.

F.A.Z. exklusiv : Richard Grenell kritisiert neue EU-Verordnung

Die EU sorgt mit neuen Verordnungen für Medizinprodukte für neuen bürokratischen Aufwand. Der amerikanische Botschafter Grenell meint: „Viele werden sich für die Patienten nicht positiv auswirken.“ Ein Gastbeitrag.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.