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Warum München so sicher ist : „In Bayern gibt es keine kriminellen Clans“

Es gibt bei uns in Bayern kein Haus, das seit 20 Jahren besetzt ist, was seit Jahren so toleriert wird. Wenn bei uns ein Haus besetzt wird, räumt die Polizei es innerhalb von 24 Stunden. Und ich bezweifle, dass wir dafür wirklich 24 Stunden benötigen. Wir legen großen Wert darauf, problematische Entwicklungen früh zu erkennen und sofort zu reagieren.

Wenn man in München durch die Stadt geht, trifft man erstaunlich oft auf Polizeistreifen, was angesichts der guten Sicherheitslage doch verwundert.

Das ist ja Teil des Konzepts. Wir haben zu den relevanten Zeiten zirka 200 Einsatzmittel, wie wir sagen, zur Verfügung. Dazu gehören Reitertrupp, Fußstreifen, uniformierte und zivile Streifen und Diensthundeführer. Wir wollen unsere Streifenkräfte auf die Straße bringen, sie sollen so viel Präsenz wie möglich zeigen und so wenig Sachbearbeitung wie möglich machen müssen. Daher wird diese schwerpunktmäßig von der Kriminalpolizei erledigt.  Ein gutes Beispiel ist der Hauptbahnhof: Für den ist die Bundespolizei zuständig, deren Zuständigkeit endet ein paar Meter hinter der Bahnhofshalle. Aber viele Delikte,  die die Stadt betreffen, haben ihren Ursprung im und um den Bahnhof herum. Also schicken wir dort unsere Streifen mit der Bundespolizei zusammen los. Zu viert sieht man mehr und zu viert ist man präsenter. Auch die U-Bahn-Wachen werden regelmäßig von Polizeistreifen begleitet.

Wie nehmen die Bürger das wahr?

Durchweg positiv. Das Ansehen der Polizei in der Bevölkerung ist spitzenmäßig, das bestätigen Umfragen immer wieder. Wichtig für unseren Erfolg ist auch die Unabhängigkeit: Die Führungskräfte der Polizei sind in München und Bayern keine politischen Beamten. Es gibt eine große Kontinuität, unabhängig von der jeweiligen politischen Ausrichtung. Wobei es bei uns natürlich auch in der Beziehung eine große Kontinuität gibt – und eine sehr gute Unterstützung für die Polizei. Das sieht man an der Ausstattung, an der Leistungsfähigkeit und  an der Personalstärke.

Hat das Ansehen nicht durch das umstrittene Polizeiaufgabengesetz gelitten?

Überhaupt nicht. Die Proteste richten sich gegen die Politik, nicht gegen die Polizei. Auch auf den Demonstrationen hat sich die Ablehnung nie in Aggressionen gegen Polizisten entladen. Das haben die Demonstranten auch immer deutlich gemacht: „Es geht nicht gegen euch!“ Im Übrigen spielt sich auch bei der Sicherheitskonferenz immer alles im Rahmen des Versammlungsrecht ab, Ausschreitungen gegen die Polizisten erleben wir da praktisch nicht.

Trotz der guten Sicherheitslage gibt es auch in München Taten, die im Jahresvergleich stetig zunehmen: Während der Enkeltrick als  erledigt gilt, nehmen Betrugsdelikte durch falsche Polizeibeamte oder falsche Handwerker zu. Beide richten sich gegen ältere Menschen. Rund 2500 Versuche durch falsche Polizeibeamte wurden 2018 registriert. Ist die Polizei dagegen hilflos?

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