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Fünf Euro pro Heimfahrt : In München gibt es künftig Taxi-Gutscheine für Frauen

In einer Befragung haben deutlich mehr Frauen als Männer angegeben, sich nachts unsicher zu fühlen – die Stadt München stellt ihnen nun Taxi-Gutscheine aus. Bild: dpa

Frauen fühlen sich nachts deutlich unsicherer als Männer. Ab März 2020 will die Stadt München deshalb Frauen bei nächtlichen Taxifahrten nach Hause mit fünf Euro pro Fahrt unterstützen und so Gleichberechtigung fördern.

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          Um Frauen im Alltagsleben Männern so gut es geht gleichzustellen, hat die Stadt München gerade das Modell „Frauen-Nacht-Taxi“ beschlossen: Von März 2020 an sollen Frauen ab 16 Jahren städtische Gutscheine in Höhe von fünf Euro für nächtliche Taxi-Fahrten einlösen können. Mit dem Projekt soll die Mobilität auch zu Nachtzeiten und somit die Gleichberechtigung gefördert werden. Wie großzügig München dabei vorgeht, zeigt allein die „Berechtigtengruppe“ für die Gutscheine: Münchnerinnen zählen ebenso dazu wie Besucherinnen aus Ebersberg, Hamburg oder Shanghai, Transfrauen sowie Frauen mit dem Geschlechtseintrag „divers“ beziehungsweise „non-binär“. Darunter fallen laut Angaben der Stadt Geschlechtsidentitäten, die weder ausschließlich männlich noch weiblich sind. Zudem gelten die Gutscheine auch, wenn eigene Kinder im Alter bis 18 Jahren die Frau begleiten – und zwar unabhängig von deren Geschlecht. Ist der siebzehn Jahre alte Sohn also Regionalmeister in Mixed Martial Arts kann er trotzdem mitfahren und seine Mutter den Gutschein einlösen.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Zurückzuführen ist das Modell „Frauen-Nacht-Taxi“ auf einen Antrag der Stadtratsfraktion der Grünen/Rosa Liste von 2015. Es soll damit Ängsten begegnet werden, die Frauen gerade nachts in ihrer Bewegungsfreiheit in der Stadt einschränken. Sobald das Modell in Kraft tritt, das erst einmal für ein Jahr getestet wird, können die Gutscheine dann bei den Bürgerbüros, den Sozialbürgerhäusern, der Gleichstellungsstelle sowie der Stadtinformation ohne Termin abgeholt werden. Pro Besuch werden drei Gutscheine ausgegeben, man kann so oft kommen, wie man will, eine „Registrierung“ erfolgt nicht. Der Wert von fünf Euro sei eine „spürbare Hilfe für Frauen in prekären Verhältnissen“, heißt es seitens der Stadt. Zudem stellten fünf Euro keinen Betrag dar, bei dem es sich lohnen würde, den Taxi-Gutschein in „missbräuchlicher Weise“ zu nutzen. „Dies würde eine Straftat darstellen und ist entsprechend auf dem Gutschein vermerkt.“

          Pro Fahrt kann nur ein Gutschein eingelöst werden, auch wenn mehrere Frauen gemeinsam das Taxi nutzen. Die Anwendung soll so einfach wie möglich sein: Die Frau übergibt nach der Fahrt den Gutschein an den Taxifahrer und zahlt den um fünf Euro verminderten Fahrpreis. Gültig sind die Gutscheine an allen Wochentagen in der Zeit von 22 Uhr bis sechs Uhr morgens. Die Frauen müssen ihre Taxifahrt innerhalb des Stadtgebiets beginnen, das Ziel kann jedoch auch außerhalb des Stadtgebiets liegen. Allerdings: Die Fahrt darf nur zu einer Wohnadresse führen. Auf diese Weise solle „Discohopping“ vermieden werden.

          Frauen haben eine ausgeprägtere Kriminalitätsfurcht

          Mit dem Vorhaben reagiert München, das als sicherste Millionenmetropole in Deutschland gilt, auf das subjektive Sicherheitsempfinden von Frauen. Denn die Stadt hat mit rund 6470 Straftaten pro 100.000 Einwohnern zwar vergleichsweise niedrige Häufigkeitszahlen. Doch die Ängste vieler Frauen sind nachvollziehbar – solange die Häufigkeitszahlen nicht gegen null tendieren, in welcher Stadt auch immer. Eine Umfrage zur Stadtentwicklung des Referats für Stadtplanung und Bauordnung hatte 2016 für München ergeben, dass sich Frauen insbesondere abends oder nachts deutlich unsicherer fühlten als Männer: 74 Prozent der Frauen fühlen sich demnach „sehr unsicher“ oder „unsicher“ – gegenüber 48 Prozent der befragten Männer. Die individuelle Kriminalitätsfurcht sei somit tendenziell bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern, obwohl dies nicht dem tatsächlichen „Viktimisierungsrisiko“ entspricht. Denn laut Sicherheitsreport des Polizeipräsidiums München für das Jahr 2018 werden weit mehr Männer Opfer einer Straftat als Frauen: rund 37 Prozent der Opfer sind Frauen. Zudem werden Frauen meist in einer Beziehungstat Opfer von Gewalt, seltener durch einen unbekannten Täter. Männer hingegen geraten meist mit Tätern in Konflikt, zu denen keine Vorbeziehung besteht. Aus polizeilicher Sicht ergeben sich also in München „keine Anhaltspunkte dafür, die Sicherheitslage der Frauen objektiv als gefährdet einzuschätzen“.

          Doch das subjektive Unsicherheitsempfinden bleibt. Nach Ansicht der städtischen Gleichstellungsbeauftragten Nicole Lasall müsse daher das Erleben der Frauen ernst genommen und ihnen die „gleiche gesellschaftliche Teilhabe“ ermöglicht werden. Die Förderung der Mobilität von Frauen lässt sich München einiges kosten: Die Stadt veranschlagt angesichts der weitgefassten Gruppe von Frauen, die Anspruch auf diese Ermäßigungen haben sollen, einen Betrag in Höhe von rund einer Million Euro.

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