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Haftstrafe für Ehefrau : Mordversuch mit Kartoffelsalat

Ob das Gift tatsächlich im Kartoffelsalat verabreicht wurde, war am Ende unsicher. (Archivbild) Bild: dpa

Die Ehe kriselte, der Mann wollte die Scheidung. Während seines Skiurlaubs bestellte die Frau heimlich Frostschutzmittel.

          „Sauschlecht“ gehe es ihm, sagte der 81 Jahre alte Mann, als seine Ehefrau ihn fragte, ob es ihm „nicht gut“ gehe. Die ganze Zeit schon musste er sich übergeben. Seine Frau beließ es aber bei der einmaligen Nachfrage. Sie ging zu Bett. Dann rief ihr Mann um Hilfe – und sie reagierte nicht. Auf allen Vieren kroch er schließlich ins Wohnzimmer. Um 23.22 Uhr rief er mit der Kurzwahltaste am Festnetztelefon eine Freundin an. Die verständigte sofort den Rettungsdienst. Der Mann kam ins Krankenhaus und überlebte. Bevor ihm schlecht wurde, hatte er mit seiner Frau auf dem Sofa gesessen und fern gesehen. Und davor hatte er mit seiner Frau zu Abend gegessen, jeder hatte ein eigenes Gericht. Für den Mann gab es Kartoffelsalat mit Würstchen – und Frostschutzmittel.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          So verlief zumindest aus Sicht der Staatsanwaltschaft München I der Abend des 7. Mai 2018 in der Wohnung des Ehepaars. Die Frau, eine 74 Jahre alte Deutsche, die zuvor bereits dreimal verheiratet gewesen war, soll schon lange vor diesem Geschehen im Internet mögliche „Tötungsarten“ recherchiert haben. Dabei stieß sie nach Angaben der Staatsanwaltschaft auf das frei verkäufliche Frostschutzmittel Ethylenglykol. Im März 2018, ihr Mann war gerade im Skiurlaub, bestellte sie demnach bei einem Online-Versandhändler einen Liter Glykol für 14,99 Euro, um ihren Mann damit zu vergiften. Ihren Plan habe sie dann am 7. Mai in die Tat umgesetzt und ihrem Mann „eine grundsätzlich tödlich wirkende Menge Frostschutzmittel“ in den Kartoffelsalat gemischt. Laut „Bild“-Zeitung konnte sich das Opfer später nicht mehr genau an das Essen erinnern: Vielleicht seien es auch Tortellini oder Maultaschen gewesen.

          Uhr gestohlen und Vollmacht gefälscht

          Als Motiv sieht die Staatsanwaltschaft die Folgen einer drohenden Scheidung für die Frau: Seit 2013 war das Paar verheiratet, seit 2016 kriselte es in der Ehe. Zwar lebte das Paar noch zusammen in der Wohnung, die dem Mann gehörte. Auch sei man schon übereingekommen, sich zu trennen, heißt es in der Anklage. Doch gestritten wurde noch über die „vermögensrechtlichen Folgen“ der Trennung. Die Frau habe sich geweigert, das Trennungsjahr einzuleiten und die Wohnung zu verlassen. Die „weitgehend mittellose“ Frau habe befürchtet, nach der Scheidung nicht mehr den „von ihr als selbstverständlich angesehenen Lebensstandard“ aufrecht erhalten zu können. Eine Witwenrente erschien ihr demzufolge als die einer Scheidung vorzuziehende Option.

          Seit März musste die Frau sich vor dem Münchner Landgericht I wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung verantworten. Die Staatsanwaltschaft legte ihr Habgier und Heimtücke zur Last. Sie soll sich zudem aus dem Internet ein Blanko-Formular für eine Generalvollmacht besorgt haben. In diese Vollmacht habe sie die Daten ihres Mannes eingetragen und seine Unterschrift gefälscht. Sie versah demnach die Vollmacht mit dem Hinweis, dass sie „über den Tod hinaus“ Gültigkeit besitze. Zuvor hatte die Frau ihrem Mann laut Anklage schon 2017 eine Armbanduhr im Wert von 4000 Euro gestohlen und sie für 1000 Euro weiterverkauft.

          Am Donnerstag nun hat das Landgericht München I die Frau wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren und sechs Monaten verurteilt. Das Opfer soll sich nach dem Urteil zufrieden geäußert haben: Er sei froh, dass er sie los sei.

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