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Mordserie in Belgien : Ein Lehrer mit zwei Seiten

  • -Aktualisiert am

Der leitende Staatsanwalt im Fall Janssen, Ivo Carmen Bild: dpa

Marc Dutroux, Michel Fourniret - und nun Ronald Janssen? Ein belgischer Lehrer steht im Verdacht, mehrere Jugendliche ermordet zu haben, unter ihnen auch eine Deutsche. Zwei Taten hat er schon gestanden.

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          Marc Dutroux, Michel Fourniret – und nun Ronald Janssen? Seit Tagen beherrscht der Name des 38 Jahre alten Lehrers aus dem 60 Kilometer östlich von Brüssel gelegenen Marktflecken Loksbergen die belgischen Medien. Im Internet kursieren harmlos wirkende Filmchen, die ihn plaudernd beim Grillen oder bei Vereinsfesten zeigen. Es war offenbar nur die eine Seite des Vaters einer acht und einer zwölf Jahre alten Tochter.

          Die andere Seite hat Janssen, der als Lehrer an einer Berufsschule beliebt war und in seinem Bekanntenkreis als freundlich und hilfsbereit geschildert wird, den Ermittlern in der nahe gelegenen Provinzhauptstadt Hasselt nun offengelegt. Er gestand, am 2. Januar die 18 Jahre alte Nachbarstochter Shana Appeltans und ihren 22 Jahre alten Freund Kevin Paulus getötet zu haben. Als Motiv soll Janssen angegeben habe, er sei von beiden gehänselt worden. Er soll zugegeben haben, beide Opfer mit einer Schusswaffe getötet zu haben. Zuvor habe er versucht, die junge Frau zu vergewaltigen. Die Leichname des Paars waren in ihrem ausgebrannten Fahrzeug entdeckt worden.

          Ist Janssen auch für den Tod einer Deutschen verantwortlich?

          Zudem kam nun heraus, dass er 1987 die ebenfalls 18 Jahre alte Schülerin Annick van Uytsel entführt und getötet hat. Die Staatsanwaltschaft in Hasselt, die über den Fund mehrerer Schusswaffen berichtete, schließt nicht aus, dass Janssen weitere Morde begangen haben könnte. Belgische Medien nannten am Dienstag in diesem Zusammenhang den gewaltsamen Tod von mindestens fünf jungen Frauen.

          Die Eltern der ermordeten Annick van Uytsel, Eddy und Martine van Uytsel

          Unter ihnen ist die aus dem niedersächsischen Vechta stammende Carola Titze, die im Juli 1996 ermordet wurde. Die 16 Jahre alte Schülerin war damals unweit ihres Urlaubsorts De Haan an der belgischen Nordseeküste tot aufgefunden worden. Die Staatsanwaltschaft in Brügge teilte mit, sie prüfe in enger Zusammenarbeit mit den Ermittlern in Hasselt, ob es Verbindungen zum Fall Titze, aber auch zum Schicksal der 1991 im Nordseebad Heist ermordeten Ingrid Caeckaert gebe.

          „Ist Janssen der neue Dutroux?“

          „Het Laatste Nieuws“ berichtete, Janssen habe bei den Verhören „den Eindruck erweckt, dass er noch andere grausame Taten auf dem Gewissen hat“. Auch wenn seine Angaben diffus erschienen, so seien sie doch so interessant, dass die Ermittler ihnen weiter nachgingen. Die Tageszeitung formulierte die Frage, die vielen Menschen in Belgien auf der Zunge liegt: „Ist Janssen der neue Dutroux?“ Die Frage beantworten Sachverständige mit einem klaren Nein. Anders als der Kinderschänder und Mörder Dutroux oder der im Jahr 2008 ebenfalls zu lebenslanger Haft verurteilte französische Serienmörder Michel Fourniret, der lange in Belgien lebte, habe Ronald Janssen nie am Rand der Gesellschaft gestanden. Das verdeutlicht auch eine Beschreibung, die der Anwalt Jef Vermassen, der in den vergangenen Jahren die Angehörigen der ermordeten Annick Van Uytsel vertrat, jetzt von ihrem mutmaßlichen Mörder gab: „Ronald Janssen ist charmant, liebenswürdig und freundlich. Wäre Ihre Tochter auf einer Fete, würden Sie sagen: Lass Dich von ihm nach Hause bringen, denn ihm vertraue ich.“

          Beinahe im gleichen Atemzug legte Vermassen auch die Schattenseite im Doppelleben Janssens bloß: „Die Kaltblütigkeit, mit der der Mörder mit seinen Opfern umging, lässt mich vermuten, dass der Mann kein Anfänger war.“ So soll Janssen jetzt zugegeben haben, dass er die nachts von einem Pfadfinderfest auf dem Fahrrad zurückkehrende Annick Van Uytsel entführt und mit einem stumpfen Gegenstand getötet hat. Anschließend soll er sie in Plastiksäcke gepackt, mit Steinen beschwert und in einen Kanal geworfen haben. Das Fahrrad war später in Löwen gefunden worden, wo Janssen studiert hatte. Bei den Ermittlungen im Mordfall Van Uytsel sei auch Janssens Name genannt worden, ohne dass es jedoch Anhaltspunkte für eine Beteiligung an der Tat gegeben habe, hieß es jetzt. Auch der Tatsache, dass das letzte Signal des Handys des Mordopfers aus der Nähe von Janssens Wohnort Loksbergen stammte, sei keine weitere Bedeutung beigemessen worden.

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