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Mordprozess von Ludwigsfelde : Eine kaputte Ehe und Geldforderungen der Geliebten

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Der Sohn des angeklagten Bürgermeisters (rechts) neben seinem Anwalt. Er tritt im Prozess als Nebenkläger auf. Bild: dpa

Während die Menschen in Ludwigsfelde weiter über die Schuld ihres langjährigen Bürgermeisters rätseln, hat dessen Sohn vor Gericht ausgesagt. Dabei berichtet er vom Fund der toten Mutter und einer Geliebten des Vaters.

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          Im Mordprozess gegen den ehemaligen Bürgermeister von Ludwigsfelde, Heinrich Scholl, hat dessen Sohn von Eheproblemen seiner Eltern berichtet. Der Kommunalpolitiker soll seine Ehefrau erdrosselt haben. Der Sohn sagte am Dienstag vor dem Landgericht Potsdam als Zeuge aus. Mit brüchiger Stimme beschrieb der 48 Jahre alte Bauingenieur auch, wie er seine Mutter am 30. Dezember 2011 gemeinsam mit seinem Vater und einem Freund der Familie im Wald gesucht hatte - und tatsächlich nach etwa 40 Minuten deren Leiche fand.

          „Da standen zwei schwarze Slipper-Schuhe“, schilderte der Zeuge Scholl die Suche nach der Mutter. „Dann habe ich zwei kleine Füße gesehen.“ Neben der Leiche der Mutter lag der Kadaver ihres Cockerspaniels. „Mein Vater ist kreideweiß geworden, sonst wirkte er recht emotionslos“, erläuterte der 48 Jahre alte Zeuge. Der Sohn tritt im Prozess als Nebenkläger auf. „Ich will wissen, wie meine Mutter ermordet wurde und was gegen meinen Vater vorliegt“, sagte er.

          Der Sohn sprach offen von Eheproblemen seiner Eltern, einer Geliebten des Vaters und dessen zeitweiliger Wohnung in Berlin. „Mir war schon klar, die Ehe ist kaputt.“ Er habe den Eindruck gehabt, dass die Eltern die Konsequenzen scheuten. Lauten Streit habe es aber nie gegeben. „Alles plätscherte so vor sich hin.“ Wenige Wochen vor dem Tod der Mutter habe der Vater seine Wohnung in Berlin aufgegeben und sei nach Ludwigsfelde zurückgekehrt. Er habe gesagt, die Beziehung zur Freundin sei beendet. Auch von Geldforderungen der ehemaligen Geliebten habe sein Vater ihm berichtet.

          Die Tage nach dem Tod der Mutter waren laut Scholl Junior geprägt von der Sprachlosigkeit des Vaters. Unmittelbar nach der Beerdigung sei der 69 Jahre Politiker aber auch in hektische Aktivität verfallen, habe Schmuck, Pelze und Möbel aufteilen beziehungsweise verkaufen wollen.

          Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft Potsdam hat Heinrich Scholl seine Frau während eines Spaziergangs erdrosselt und ihren Hund getötet. Die Anklage wirft Scholl daher Mord aus Heimtücke vor. Der langjährige Bürgermeister der Stadt Ludwigsfelde bestreitet die Tat. Vor Gericht macht er bislang von seinem Schweigerecht Gebrauch. Die Anklage stützt sich auf Indizien wie DNA-Spuren am Tatort oder die Ortung von Scholls Handy in der Nähe des Tatorts. Die Verhandlung soll am 1. November fortgesetzt werden. Das Ende des Prozesses ist für den 28. Februar geplant.

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