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Mordprozess : Pistorius geisteskrank?

Muss psychiatrisch untersucht werden: Oscar Pistorius Bild: AFP

Dramatische Wende im Mordprozess gegen Oscar Pistorius: Der Paralympics-Star muss psychiatrisch untersucht werden. Die Verteidigung plädiert nicht auf Unzurechnungsfähigkeit, doch die Richterin will kein Risiko eingehen.

          Oscar Pistorius muss sich einer bis zu 30 Tage langen psychiatrischen Untersuchung unterziehen. „Es besteht eine hinreichende Möglichkeit, dass der Angeklagte von einer geistigen Erkrankung beeinflusst gewesen ist“, sagte die Richterin Thokozile Masipa am Mittwoch im Hohen Gericht in Pretoria. Ziel sei jedoch nicht, Pistorius zweimal zu bestrafen. Daher sei eine ambulante Untersuchung vorzuziehen.

          Dramatische Wende

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Der Prozess, der sich am 32. Verhandlungstag eigentlich in der Schlussphase befand, nimmt damit eine dramatische Wende. Anders als zu erwarten gewesen wäre, hatte die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung gefordert. Pistorius’ Verteidigung hatte den Antrag als „unbegründet“ abgelehnt. „Aber im Moment müssen wir die Emotionen außen vor lassen“, sagte Anwalt Barry Roux.

          Rechtsexperten zufolge könnte die Entscheidung der Richterin zu einem abrupten Ende des Verfahrens führen. Sollte ein Gremium aus Psychiatern und Psychologen zu dem Ergebnis kommen, dass Pistorius dem Prozess wegen einer geistigen Erkrankung nicht folgen könne oder zur Tatzeit nicht in der Lage gewesen sei, richtig und falsch zu unterscheiden, dann könne er in eine staatliche psychiatrische Anstalt eingewiesen werden. „Er könnte dort bis an sein Lebensende bleiben“ sagte der Kapstädter Strafrechtsanwalt William Booth. Pistorius’ eigener Psychiater dürfe dem Gremium angehören. Eine Einweisung in eine Privatklinik sei nicht möglich.

          Psychiaterin attestierte Angststörung

          Eine von der Verteidigung geladene Psychiaterin hatte Pistorius am Montag eine generalisierte Angststörung attestiert. Der 27 Jahre alte Südafrikaner habe schon in der Kindheit unter Ängsten gelitten, hervorgerufen durch die Trennung der Eltern, den frühen Tod der Mutter, die häufige Abwesenheit des Vaters und die Behinderung. Die Zeugin schloss klar eine Geisteskrankheit aus. Er sei in der Lage gewesen, richtig und falsch zu unterscheiden. Im Kreuzverhör aber sagte sie, dass die Angststörung das Verhalten in der Tatnacht beeinflusst habe. In Kombination mit seiner Behinderung sei es für ihn naheliegender gewesen, sich in einer Gefahrensituation zu verteidigen statt zu fliehen.

          Masipa gab zu Bedenken, dass die Psychiaterin nur zwei Gespräche mit dem Angeklagten geführt hatte. „Eine sachgerechte Untersuchung wird sicherstellen, dass Oscar Pistorius einen fairen Prozess erhält“. Auch wenn der Angeklagte „seltsamerweise“ nicht selbst diesen Punkt aufgebracht habe, könne das Gericht Aussagen von Zeugen nicht ignorieren. Auf Twitter entwickelte sich eine lebhafte Debatte, ob der Hinweis der Richterin, Pistorius nicht zweimal bestrafen zu wollen, darauf hindeute, dass ihm eine Strafe sicher sei.

          Pistorius hat zugegeben, seine Freundin Reeva Steenkamp durch eine geschlossene Toilettentür erschossen zu haben. Die Staatsanwaltschaft hat ihn wegen Mordes angeklagt, die Verteidigung spricht von der Verwechslung mit einem Einbrecher.

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