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Mordprozess in Zwickau : Und das alles für ein Auto

  • -Aktualisiert am

Prozess: Wegen Raubmord müssen sich drei Männer vor dem Landgericht Frankfurt verantworten. Bild: dpa

Ein junges Paar soll einen Mann ermordet haben, um sein Auto zu klauen. Beim Prozessauftakt wird klar, wie knapp drei Autofahrer an jenem Novembertag mit dem Leben davonkamen.

          Er ist 20 Jahre alt, sie gerade mal 17. Sie haben ihr Leben noch vor sich, aber am Mittwoch sitzen beide im Landgericht Zwickau auf der Anklagebank. Der Staatsanwalt braucht nur wenige Minuten, um die Anklage zu verlesen. Er wirft Johnny H. und Sarah P. gemeinschaftlichen Mord und Raub mit Todesfolge vor. Der Fall selbst machte Ende vergangenen Jahres Schlagzeilen, auch weil das Opfer, ein 45 Jahre alter Mann, lange verschwunden war. Erst im Februar dieses Jahres entdeckte ein Spaziergänger bei Niederaula in Hessen seine Leiche. Das Paar selbst wurde kurz nach der Tat in Frankfurt aufgegriffen, nachdem es versucht hatte, Geld von der Bank des Opfers auf das eigene Konto zu überweisen.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Johnny H. ist ein schlanker Mann mit blonden Haaren. Er schützt sich zum Auftakt mit der Kapuze seines Pullovers und einem Aktenordner vor den Fotografen, sagt dann aber bereitwillig und emotionslos aus. Zunächst verliest sein Anwalt ein umfassendes Geständnis. Demnach hat sich das Paar Mitte November von Zwickau in Sachsen aus mit dem Fahrrad auf den Weg in die Schweiz gemacht, um ein neues Leben zu beginnen. Rund drei Wochen wollten sie unterwegs sein, kamen aber nicht weit: Die Fahrräder hatten einen Platten, beim Aufpumpen an einer Tankstelle ging ein Ventil kaputt. Daraufhin seien beide zu Fuß weitergegangen. „Irgendwie“ wollten sie an ein Auto kommen. Unterwegs besorgten sie ein Messer, kein Taschenmesser, sondern ein großes Küchenmesser. „Ist ja eher ne Waffe“, sagt der Richter.

          Im Laufe des ersten Verhandlungstages wird deutlich, wie knapp drei Autofahrer an jenem Novembertag mit dem Leben davonkamen. Zunächst beobachtete das Paar einen BMW-Fahrer, der am Straßenrand stand, ließ die Gelegenheit jedoch verstreichen. Dann nahm ein Opel-Fahrer beide bis ins ostthüringische Ronneburg mit, wobei Johnny H. hinter dem Fahrer saß, mit dem Messer in der Hand. Wegen der Kindersitze im Auto hätten beide die Tat jedoch abgebrochen. Danach liefen sie unter wachsendem Frust zu Fuß ins nahe Gera: Es war kalt, regnete und sie hatten Hunger, als sie an „eine ideale Stelle“ für ihr Vorhaben gelangten.

          Johnny H. versteckte sich mit dem Messer hinter einer Mauer und wartete, während seine Freundin geschwächt mit einer Decke in einem Hauseingang hockte. Als eine Audi-Fahrerin hielt, zögerte Johnny H. abermals. Daraufhin soll P. zu ihm gesagt haben: „Du bist der Jäger und nicht die Beute.“

          Fast sieben Stunden lang saßen beide in der Kälte, als gegen drei Uhr morgens ein 45 Jahre alter Mann aus einer Bar kam und sich über den Kofferraum seines Autos beugte. H. habe ihn von hinten überwältigt und sofort zugestochen. Die Ermittler zählten 15 Messerstiche in Kopf und Körper. H. wuchtete den Leichnam in den Kofferraum und warf ihn wenige Stunden später im Beisein seiner Freundin in Osthessen in die Fulda. Das Opfer, Tischler von Beruf, hatte sich an jenem Freitagabend zufällig in der Bar mit Freunden getroffen; sein 85 Jahre alter Vater ist Nebenkläger in dem Prozess.

          H. ist bereits wegen Autodiebstahls vorbestraft, Sarah P. verweigert am Mittwoch die Aussage, weint aber immer wieder während der Schilderungen. Ein Urteil wird im Mai erwartet.

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