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Mordprozess in Südafrika : Ballistische Studie soll Oscar Pistorius entlasten

  • Aktualisiert am

Oscar Pistorius im August 2013 Bild: AP

Einem Medienbericht zufolge soll Oscar Pistorius seine Beinprothesen nicht getragen haben, als er die tödlichen Schüsse auf seine Freundin abfeuerte. Das könnte gegen die Mordthese sprechen.

          Neue Ermittlungsergebnisse nähren laut einem Medienbericht Zweifel an der These, dass der südafrikanische Sprint-Star Oscar Pistorius seine Freundin Reeva Steenkamp vorsätzlich ermordet hat. Von der Staatsanwaltschaft befragte Ballistik-Experten seien zu dem Schluss gekommen, dass der beinamputierte Sportler seine Unterschenkel-Prothesen zum Tatzeitpunkt „höchstwahrscheinlich“ nicht getragen habe, berichtete der Nachrichtensender eNCA am Donnerstag unter Berufung auf Dokumente der Anklagebehörden.

          Zur Erhärtung des Mordverdachts hatte die Staatsanwaltschaft als Schlüsselargument angeführt, dass Pistorius vor Abgabe der Schüsse zunächst seine Prothese angezogen und dementsprechend offensichtlich nicht in Panik gewesen sei. Die Anklage geht davon aus, dass der Athlet das Model Steenkamp im Februar 2013 nach einem Streit in seinem Haus in Pretoria vorsätzlich durch die geschlossene Badezimmertür erschoss. Der 27-Jährige beteuert hingegen, er habe seine Freundin für einen Einbrecher gehalten.

          Während der von eNCA veröffentlichte Ballistik-Bericht die Darstellung von Pistorius tendenziell stützen könnte, spielen zwei weitere Details eher der Staatsanwaltschaft in die Karten: Dem Sender zufolge geht die Anklage davon aus, dass Wachleute der gesicherten Wohnanlage in Pretoria nach den Schüssen bei Pistorius anriefen, um nach dem Rechten zu hören - und dass der Sportler ihnen sagte, alles sei in Ordnung und Hilfe nicht nötig. Außerdem habe ein weniger als hundert Meter entfernt wohnender Nachbar in der Tatnacht Gebrüll gehört.

          Die Anklagebehörde versicherte, dass die fraglichen Dokumente nicht von ihr veröffentlicht worden seien. Die Verteidigung habe aber Zugang zu sämtlichem Beweismaterial, sagte Behördensprecher Nathi Mncube. „Wir geben niemandem außer der Verteidigung etwas weiter - und wenn es nach außen dringt, dann sicher nicht wegen uns.“ Für die Strategie der Staatsanwaltschaft seien derartige Informationslecks schließlich schädlich.

          Pistorius muss sich ab dem 3. März wegen der Tötung seiner Freundin vor Gericht verantworten. Der an beiden Unterschenkeln amputierte Athlet war 2012 bei den Olympischen Sommerspielen in London zu Weltruhm gelangt, als er beim Sprint der unversehrten Athleten antrat.

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