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Mordprozess nach Tat in Lünen : „Er konnte uns nicht einmal in die Augen schauen“

  • -Aktualisiert am

Die Eltern des getöteten Jungens kommen durch einen Gang des Landgerichts zum Prozess. Bild: dpa

Gegen einen 16 Jahre alten Jugendlichen aus Lünen hat der Mordprozess begonnen. Er soll einen Mitschüler auf dem Schulgang erstochen haben. Die Eltern des Opfers durften die nicht-öffentliche Sitzung im Saal verfolgen.

          Vor dem Landgericht Dortmund hat am Donnerstag der Mordprozess gegen den 16 Jahre alten Jugendlichen aus Lünen begonnen, der Ende Januar in der örtlichen Gesamtschule einen seiner Mitschüler erstochen haben soll. Das Verfahren findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Die Eltern des Opfers durften die nicht-öffentliche Sitzung im Saal verfolgen. Im Anschluss an die Verlesung der Anklageschrift weinten sie auf dem Gerichtsflur. „Er konnte uns nicht einmal in die Augen schauen“, sagte die Mutter zu einem Fernsehsender. „Er war wohl einfach zu feige.“ In Lünen hat sich inzwischen ein Verein gegründet, der den Namen des getöteten Schülers trägt.

          Bei seiner Vernehmung durch die Polizei hatte der Jugendliche als Motiv angegeben, das spätere Opfer habe seine Mutter, mit der zusammen er auf ein Gespräch bei der Sozialarbeiterin der Schule wartete, provozierend angeschaut. Dadurch habe er sich derart gereizt gefühlt, dass er vor den Augen seiner Mutter ein Messer zog und seinem Opfer damit mehrmals in den Hals stach. Der 14 Jahre alte Schüler starb noch in der Schule.

          Der mutmaßliche Täter, der sowohl die deutsche als auch die kasachische Staatsbürgerschaft hat, war polizeibekannt und schon früher durch äußerst aggressives Verhalten aufgefallen. Auch an seiner Schule hatte er seit einiger Zeit erhebliche Schwierigkeiten gemacht. Die Sozialarbeiterin hatte ihn als „unbeschulbar“ beschrieben, weshalb er zuletzt eine Hauptschule besucht hatte. Weil auch diese Maßnahme „scheiterte“, sollte am Tattag entschieden werden, ob er nun doch wieder die Gesamtschule besuchen darf. Für den Prozess hat das Dortmunder Landgericht zunächst sechs Verhandlungstage angesetzt.

          Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft Dortmund ein 16 Jahre altes Mädchen wegen Totschlags angeklagt. Die Jugendliche soll im Februar nach einem sich hochschaukelnden Streit über Banalitäten eine ein Jahr jüngere Freundin mit einem Stich ins Herz getötet haben. Die Staatsanwaltschaft rechnet damit, dass der Prozess in diesem Fall noch im Sommer beginnt.

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