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Getöteter Lastwagenfahrer : Mordfall nach mehr als 25 Jahren offenbar geklärt

Ermittler der Polizei sind nach mehr als 25 Jahren auf neue Hinweise gestoßen. (Symbolbild) Bild: dpa

1995 wird ein Lastwagenfahrer erschossen. Nun hat eine Cold-Case-Einheit sich den Fall nochmal angesehen – und Hinweise auf den mutmaßlichen Täter gefunden. Einen Prozess wird es wohl trotzdem nicht geben.

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          Nach mehr als 25 Jahren hat eine Cold-Case-Einheit der Polizei einen Tatverdächtigen im Mordfall Norbert Schardin ermittelt. Der 57 Jahre alte Lastwagenfahrer war am frühen Morgen des 8. Februar 1995 auf dem Gelände einer Spedition in Hannover erschossen worden. Die Ermittler nehmen an, dass der Kraftfahrer von einem mittlerweile 56 Jahre alten Mann türkischer Herkunft ermordet worden ist. Schardin wollte um zwei Uhr morgens eine Fahrt mit einer Ladung Salz nach Kopenhagen antreten und überraschte dabei offenbar den Mann, als er auf dem Speditionsgelände einen Diebstahl begehen wollte. Der Mord diente demnach der Verdeckung dieser Straftat. Der Leichnam wurde später von Mitarbeitern der Spedition in einem Container gefunden.

          Reinhard Bingener
          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Die Cold-Case-Ermittler haben sich den ungeklärten Fall seit Anfang 2019 noch einmal angesehen, Zeugen vernommen und Spuren mit neuen Methoden untersucht. Anfang diesen Jahres wurde zudem eine Belohnung von 3000 Euro ausgesetzt. Der mutmaßliche Täter lebt zur Zeit in der Türkei. Er war nur wenige Monate nach dem Mord an Schardin im Dezember 1995 vom Landgericht Braunschweig wegen Mordes an zwei polnischen Staatsbürgern im Raum Helmstedt verurteilt worden. Im Jahr 2018 wurde er aus der Haft entlassen, in die Türkei abgeschoben und mit einer Wiedereinreisesperre belegt.

          Die Verdachtsmomente gegen den Mann reichen nach Darstellung der Staatsanwaltschaft Hannover nicht für eine Anklageerhebung aus. Staatsanwältin Katrin Söfker erläutert, dass nur ein Anfangsverdacht gegen den Mann bestehe, den man trotz des großen Aufwands nicht durch weitere Beweismittel wie eine DNA-Spur untermauern könne. Es sei deshalb davon auszugehen, dass das Verfahren „in Kürze vorläufig eingestellt wird“. Die Staatsanwältin verwies allerdings darauf, dass sich die Angehörigen des Mordopfers über den Ermittlungsfortschritt erleichtert gezeigt haben. Sie hätten nun zwar nicht die Gewissheit einer Verurteilung. „Aber es ist sehr naheliegend, dass er es gewesen sein könnte.“

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