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Mordfall Moshammer aufgeklärt : „Er hatte keine Chance“

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Gekaufte Sexualpartner

Herisch A. will nur aus Geldnot zu Moshammer ins Auto gestiegen sein. Er habe eine Freundin und sei nicht homosexuell. Er habe sich auch nicht auf dem Männerstrich angeboten, sondern sei zufällig ohne eigene Initiative von Moshammer angesprochen worden. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei war es nicht ungewöhnlich, daß Moshammer gekaufte Sexualpartner in sein Grünwalder Haus mitnahm und nicht andere Rückzugsmöglichkeiten nutzte, die er auch besaß.

Nach den Angaben von Herisch A. kam es nach den verabredeten sexuellen Handlungen im Haus Moshammers zu Streit. Der Modeschöpfer habe sich geweigert, die vereinbarten 2000 Euro zu zahlen und ihn hinauswerfen wollen; auch mit der Polizei habe er ihm gedroht. Darauf habe er ein Stromkabel, das auf einem Tisch gelegen sei, gepackt, habe es Moshammer um den Hals gelegt und zugezogen. Die Polizei berichtete am Sonntag, die Obduktion Moshammers habe ergeben, daß der Täter den Modeschöpfer blitzschnell stranguliert habe. Das Opfer konnte sich nicht mehr wehren: „Herr Moshammer hatte keine Chance.“

Ohne Beute nach Hause gefahren

Nach dem Mord durchsuchte Herisch A. den Toten, der in Straßenkleidung im ersten Stock lag. Er will dabei nichts gefunden und ohne Beute das Haus verlassen haben. Er sei zur nächsten Haltestelle gegangen und mit der ersten Straßenbahn am Freitag morgen nach Hause gefahren, gab er der Polizei zu Protokoll. Aus Angst vor einer Erkennung durch Zeugen versuchte Herisch A. nach der Tat, sein Aussehen zu verändern; er rasierte sich den Kopf.

Ob er einfach verdrängt hatte, daß es in einem Polizeicomputer einen Datensatz von ihm gab, der viel aussagekräftiger war als alle visuellen Merkmale, dürfte sich spätestens im Prozeß gegen ihn klären. Denn schon im vergangenen Jahr hatte die Staatsanwaltschaft gegen ihn zwei Mal ermittelt, wegen gefährlicher Körperverletzung und Vergewaltigung.

Die Verfahren wurden aber eingestellt, weil kein Schuldnachweis geführt werden konnte. Herisch A. hatte in einem der Verfahren aber freiwillig eine Speichelprobe abgegeben - und seither war sein DNA-Profil in der zentralen DNA-Datei gespeichert.

Umfassendes Geständnis

Als die Spurensicherer der Polizei in Moshammers Wohnhaus auf DNA-Spuren stießen, die vom Täter stammen mußten, war es nur eine Sache von Stunden, bis der Polizeicomputer den Namen von Herisch A. anzeigte. Am Samstag gegen 18 Uhr stand für die Polizei fest, daß der Iraker der Mörder Moshammers sein mußte. Auch der Wohnsitz war gespeichert. Ein Sonderkommando der Polizei rückte aus. Die Beamten mußten warten. Als Herisch A. gegen 22 Uhr seine Wohnung betrat, schlugen sie zu. Der Iraker ließ sich ohne Widerstand abführen. Noch in der Nacht legte Herisch A., der gebrochen Deutsch spricht und von einem Dolmetscher unterstützt wird, ein umfassendes Geständnis ab.

Oberstaatsanwalt Peter Boie sagte, nach derzeitigem Ermittlungsstand sei von einem heimtückischen Mord aus Habgier auszugehen. Noch im Laufe des Sonntags wurde Haftbefehl beantragt. Schon jetzt gebe es eine solide Grundlage für ein gerichtliches Verfahren, das hoffentlich noch in diesem Jahr stattfinden werde. Nach Angaben von Boie sei das Verhalten von Herisch A. nach der Festnahme sei von Selbstmitleid geprägt gewesen. Er habe darüber geklagt, daß er sich nichts leisten könne, während andere teure Autos hätten. Seine Schulden habe er offensichtlich einer Spielleidenschaft zu verdanken.

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