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Mordfall Marwa al-Scharbini : Der vermummte Schweiger

  • -Aktualisiert am

Im ägyptischen Alexandria gab es anlässlich des Prozessbeginns eine Demonstration Bild: AP

Klar und gefasst hat der Ehemann der ermordeten Ägypterin Marwa al-Scharbini am Montag den Hergang der Tat geschildert. Dem Angeklagten wurde blanker Hass auf Nichteuropäer und Moslems vorgeworfen. In Ägypten wird der Prozess aufmerksam verfolgt.

          Alex W. will nicht gesehen werden, nichts sagen, am liebsten würde er wohl auch nichts hören. Mit Sonnenbrille, Mütze und der Kapuze seines blauen Pullovers auf dem Kopf wird der Angeklagte in den Gerichtssaal geführt. Er dreht sich weg von den drei Fernsehkameras und den Fotografen im Gerichtssaal, setzt sich auf einen Stuhl und ist nicht zu erkennen. Als die Verhandlung beginnt, ermahnt ihn die Richterin, sich zu zeigen. Sie spricht von der Würde der Frau, wegen deren Tötung er vor dem Landgericht in Dresden angeklagt wird. Seine Anwälte reden mit ihm. Er nimmt Mütze und Kapuze ab, lässt aber die Sonnenbrille auf. Die Richterin droht ihm ein Ordnungsgeld an: „Wollen Sie sich nicht das auch noch mal überlegen?“ Er sehe sich gefährdet und wolle nicht erkannt werden, sagt sein Anwalt. Die Richterin verhängt ein Ordnungsgeld von 50 Euro.

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der zurückhaltende Auftritt des Alex W. steht in eigenartigem Gegensatz zu seinem aggressiven Verhalten im Sommer. Nur wenige Minuten dauerte das, was er begangen haben soll. Der 32 Jahre alte Elway Okaz redet vor Gericht ruhig und gefasst davon. Zuerst dachte er, dass der Mann seine Frau mit der Faust schlage. Er ließ die Hand seines Sohnes los und wollte ihr helfen. Seine Frau ging zu Boden. Okaz bemerkte, dass der Mann ein Messer in seiner Hand hielt. Mit dem 18 Zentimeter langen Küchenmesser stach er auch auf ihn ein. Okaz fiel und stand wieder auf. Die Tür wurde geöffnet, er ging für drei Sekunden heraus, dann wieder hinein. Der Täter wartete auf ihn. Ein Polizist kam, richtete seine Waffe auf Elway Okaz und traf ihn. Er ging noch ein paar Schritte, sackte dann aber zusammen und wurde bewusstlos.

          „Er vermisst seine Mutter“

          Das geschah am 1. Juli gegen 10.20 Uhr. Mindestens 16 Mal soll Alex W. auf die 31 Jahre Ägypterin Marwa al Scharbini mit dem Messer eingestochen haben, in die Brust, in den Bauch und an die Arme. Sie war im dritten Monat schwanger und starb noch am Tatort, einem Saal im Landgericht Dresden - gerade hatte sie eine Zeugenaussage beendet. Ihr Mann Elway Okaz wurde reanimiert, ins künstliche Koma versetzt und hat überlebt. Dem drei Jahre alten Sohn ist äußerlich nichts geschehen, er lebt derzeit bei Verwandten in Ägypten. „Er vermisst seine Mutter. Er leidet sehr darunter“, sagt Okaz. In den Gerichtssaal geht er auf Krücken, in blauer Jeans und im dunklen Kapuzenpullover mit einem runden Anstecker, das das Bild seiner Frau zeigt, wie ihn auch andere an diesem Tag im Gericht tragen. Während der Verhandlung hat Okaz seinen Rücken leicht gekrümmt, die Krücken vor ihm, die Hände im Schoß. Er schaut zum jeweiligen Redner, verfolgt alles, unterhält sich kurz mit seinem Anwalt neben ihm.

          Der Angeklagte Alex W.

          Wegen Mordes, versuchten Mordes und schwerer Körperverletzung wird der 28 Jahre alte Alex W. angeklagt. Vor Gericht will er nichts sagen. Er schweigt während des ersten Verhandlungstages beharrlich. Die Richterin fragt ihn nach seinen Namen. Er sagt nichts. Die Richterin bittet ihn zu nicken. Ist er Alex W., geboren 1980 im russischen Perm, ledig, keine Kinder? „Ich kann auch ihre Mutter oder Ihre Schwester hier vorladen, um zu fragen, ob Sie Kinder haben“, sagt die Richterin. Er reagiert nicht. „Gut, dann werden wir das so machen.“

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