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Pressekonferenz in Gießen : 17 Millionen Kinderpornografie-Dateien im Mordfall Johanna gefunden

Von links nach rechts: Rouven Spieler, stellvertretender Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Gießen, Jörg Reinemer, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Mittelhessen, Thomas Hauburger, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Gießen und Roland Fritsch, Leiter der SoKo Johanna vom Polizeipräsidium Mittelhessen stehen am Donnerstag bei der Pressekonferenz im Polizeipräsidium in Gießen. Bild: dpa

18 Jahre nach dem Tod der achtjährigen Johanna aus der Wetterau sprechen die Ermittler über die jetzt erfolgte Festnahme des mutmaßlichen Täters. Sie fanden bei ihm massenweise Kinderpornografie.

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          Bei dem Tatverdächtigen im Mordfall Johanna hat die Sonderkommission massenweise Kinderpornografie gefunden. Der Leiter der Soko „Johanna“, Roland Fritsch, sprach am Donnerstag in Gießen von 17 Millionen Dateien, darunter Hunderte Datenträger und Hunderte Videokassetten. Nach Angaben von Staatsanwalt Thomas Hauburger handelt es sich dabei überwiegend um kinderpornografisches Material.

          Sebastian Eder
          Redakteur im Ressort „Gesellschaft & Stil“.

          18 Jahre nach dem Tod der achtjährigen Johanna aus der Wetterau war am Mittwoch ein Tatverdächtiger festgenommen worden. Der 41-Jährige soll sich 1999 an dem Mädchen sexuell vergangen und es dann getötet haben. Er hat ein Teilgeständnis abgelegt.

          Auf der Pressekonferenz erklärten die Ermittler auch, wie es zur Festnahme kam. Es waren Spaziergänger, die im August 2016 den vielleicht entscheidenden Hinweis für den Fall lieferten. Sie erwischten damals in einem Maisfeld bei Nidda einen Mann bei „sexuell motivierte Fesselspielen“ mit einem 14 Jahre alten Mädchen. Sie verständigten die Polizei, die Ermittlungen wegen des Verdacht des sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen einleitete. 

          Mordfall Johanna : Festnahme nach 18 Jahren

          Dabei beließ es die Polizei aber nicht, zu auffällig waren für die Ermittler die Parallelen zum Mordfall Johanna: Das damals acht Jahre alte Mädchen war im September 1999 von einem Radweg bei Ranstadt-Bobenhausen in ein Auto gezerrt und sexuell missbraucht worden. Ihre Leiche wurde erst Monate später in einem Waldstück bei Alsfeld-Lingelsbach gefunden. Welche Parallelen es zu dem „Maisfeldfall“ gab? „Vor allem die Art des Fesselns und das Klebeband“, formuliert es ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. 

          Polizisten durchsuchten die Wohnung des heute 41 Jahre alten Mannes in Friedrichsdorf im Taunuskreis und fanden neben „umfangreichen kinderpornographischem Material“ auch noch mehr Klebeband. Spurenexperten stellten sodann fest, dass an den Klebebandresten, die am Fundort der Leiche von Johanna entdeckt worden waren, die gleichen Acrylfasern wie an den Klebebändern in der Wohnung des Verdächtigen zu finden waren. Außerdem stimmten Merkmale des Fingerabdruck des linken Daumens des Verdächtigen mit einem Teilabdruck überein, der an dem Klebeband damals gefunden worden war.

          Dazu kam, dass der Mann 1999 einen VW Jetta fuhr – nach diesem Modell war im Zusammenhang mit dem Fall immer gesucht worden. Die Fingerabdrücke des Mannes waren im Jahr 2000 im Rahmen einer Überprüfung von Jetta-Fahrern auch schon einmal genommen worden. Der Fingerabdruck wies damals allerdings „minimale Abbildungsstörungen im Randbereich“ auf. Mittlerweile kann das nicht mehr passieren, weil Fingerabdrücke gescannt und nicht mehr per tatsächlichem „Abdruck“ genommen werden.

          Im Angesicht dieser Beweislage legte der Verdächtige bei der Festnahme am Mittwoch ein Teilgeständnis ab. Er räumte laut Polizei „sexuelle Absichten“ ein, den Mordvorwurf weist er allerdings zurück. Er spricht wohl von einem „Unfallgeschehen“, der zum Tod des Mädchens geführt habe. Trotzdem erging gegen den Mann, der ledig ist, Abitur gemacht hat, aber zuletzt ohne Arbeit war, Haftbefehl wegen Mordes und besonders schwerer sexueller Nötigung. Er ist laut Polizei wegen Betäubungsmittel- und Verkehrsdelikten vorbestraft und saß deswegen auch in der Mitte des vergangenen Jahrzehnts im Gefängnis. In der „offenen Phase der Ermittlungen“ will die Polizei jetzt deutschlandweit nach Fällen suchen, die zu dem Tatmuster des Verdächtigen passen. Bisher gebe es aber keine belastbaren Hinweise, dass der Verdächtige für den Missbrauch oder Tod weiterer Kinder verantwortlich sein könnte.

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