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Mordfall Dominik Brunner : „Ich muss einen Blackout gehabt haben“

Gegen 16.10 Uhr hält die S 7 am Bahnhof Solln. Brunner und die Kinder steigen aus. Markus S. und Sebastian L. steigen auch aus. Laut Anklage sprechen sie darüber, die Gruppe angreifen zu wollen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätten sie beschlossen, Brunner für sein Eingreifen zu bestrafen, also zusammenzuschlagen. Zugleich nimmt Brunner Blickkontakt mit dem Lokführer auf und sagt, dass es hier nun gleich wohl „Ärger“ gebe. Er legt - so die Staatsanwaltschaft - Jacke und Rucksack ab, um sich besser verteidigen zu können. S. und L. seien in Angriffstellung mit geballten Fäusten auf ihn zu gekommen. S. habe dabei lauthals angekündigt: „Jetzt schlagen wir euch!“ Brunner bedeutet den Kindern, sich nicht einzumischen. Dann schlägt Brunner zu, mit der Faust in das Gesicht von Markus S. Aus Notwehr, um einen drohenden Angriff S. abzuwehren - so sieht es die Anklage. Auf ihn zugetänzelt sei er, sagt hingegen Markus S. Er habe sich gedacht: „Was will der?“ Der Schlag habe furchtbar weh getan.

Im Krankenhaus erliegt er seinen 22 schweren Verletzungen

Nach einer Schrecksekunde bricht der Sturm los. S. und L. beraten sich kurz, während Brunner in „Verteidigungshaltung“ abwartet. Markus S. nimmt sein Schlüsselbund in die Faust, die einzelnen Schlüssel schauen zwischen den Fingern hervorschauen. Dann schlagen und treten die beiden zu, wie es in der Anklage heißt, „in bewusstem und gewolltem Zusammenwirken“, aus Rache für die Einmischung. Sie drängen Brunner gegen das Wartehäuschen. Er fällt. Mit dem Kopf bleibt er unter dem Metallgeländer liegen, während die beiden laut Anklage „vielfach mit äußerster Wucht“ auf den Kopf und den Oberkörper des am Boden liegenden Mannes treten. „Bei dieser Vorgehensweise erkannten die Angeschuldigten die nahe liegende Möglichkeit eines tödlichen Ausgangs und fanden sich damit auch ab.“

Während sie treten, beschimpfen sie Brunner als „Dreckschwein“, „Sau“, „Bastard“, „Arschloch“, „Motherfucker“. Als einer der Jungen, die Brunner beschützte, versucht, die Angreifer wegzuziehen, tritt Markus S. laut Anklage dem „schwer verletzten und wehrlos am Boden liegenden Brunner noch einmal mit voller Wucht von oben nach unten mit dem Fuß auf den Kopf“. Vor Gericht gibt Markus S. an, sich nicht an Einzelheiten erinnern zu können. Aber geschlagen habe er und auch getreten, einfach aus Wut über den Faustschlag. Und wird dabei von seinem Freund Sebastian L. belastet. Mehrfach habe er versucht, Markus S. von Brunner wegzuziehen. Eine Minute dauert das Zusammenschlagen und Treten, dann laufen S. und L. in ein Gebüsch. Dort hocken sie, bis eine Polizistin sie etwa eine Stunde später stellt.

Weder die Sanitäter, noch der Notarzt, noch die Ärzte in der Notaufnahme können Dominik Brunners Leben retten. Er erliegt um 18.20 Uhr im Krankenhaus seinen 22 schweren Verletzungen. Schon vor dem 12. September hatten Markus S. und Sebastian L. ihre Schwierigkeiten. Sebastian L., der im November 2008 vom Jugendamt in Obhut genommen worden war, hatte sich immer wieder Therapien und der Schule verweigert. Nach einigen Heimaufenthalten landete er schließlich bei Condrobs. Bei Markus S., der als Beruf Müller angibt, sah es nicht viel besser aus: Marihuanabesitz, Ladendiebstahl, Hass auf die Polizei, die seinen geliebten Bruder ins Gefängnis gebracht hatte. Gute zwei Monate vor Solln dann die erste bekannte gemeinsame Tat: Markus S. und Sebastian L. stehlen aus einem Kiosk Eis im Wert von 100 Euro. „Was haben sie denn mit dem Eis gemacht?“, fragt der Richter. Sebastian L. blickt ihn offen an: „Na, gegessen.“

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