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Aktenzeichen XY : Vergewaltigt und ermordet

DNA darf nicht auf ethnische Zugehörigkeit untersucht werden

An dem Fahrrad sind DNA-Spuren des mutmaßlichen Mörders gefunden worden. Ob der Mann damit zum Tatort kam oder flüchtete, ist noch unklar. Die Ermittler verteilen derzeit in Freiburg englischsprachige und arabischsprachige Informationsblätter, weil sie möglichst alle Bürger erreichen wollen, die von dem Fall etwas mitbekommen haben könnten - denn Ausländer lesen in der Regel die „Badische Zeitung“ nicht. Außerdem werden umfangreiche DNA-Speichelproben genommen.

In Endingen gedenken die Menschen der ermordeten Joggerin Carolin G.

Durch eine eng gefasste Regelung in der Strafprozessordnung (Paragraph 81g) ist die Verwertung von DNA-Spuren stark eingeschränkt - so dürfen Rückschlüsse auf eine ethnische Zugehörigkeit der Täter nicht gezogen werden. Wäre das möglich, könnte man den Täterkreis besser eingrenzen und andererseits auch mögliche voreilige Verdächtigungen gegen arabischstämmige Flüchtlinge ausräumen. „Bei der Untersuchung dürfen andere Feststellungen als diejenigen, die zur Ermittlung des DNA-Identifizierungsmusters sowie des Geschlechts erforderlich sind, nicht getroffen werden“, heißt es in der Strafprozessordnung. Gegner einer Ausweitung der Verwendungsmöglichkeiten sehen darin einen schweren Eingriff in die Grundrechte.

Freiburg im Dreiländereck

Im Endinger Fall wurden zu Wochenbeginn die Verbindungswege in den Weinbergen zur Spurensicherung noch einmal intensiv abgesucht. Walter Roth, der Sprecher der Soko „Erle“, sagte, es gebe 360 Hinweise, die man prüfen müsse, aber es gebe weder „objektive“ noch „subjektive“ Verbindungen zu anderen Taten. Die Ermittler interessieren sich vor allem dafür, ob es Spaziergänger gibt, die in den Endinger Weinbergen am Tag der Tat oder zuvor verdächtige Personen beobachtet haben.

Die hübsche Kleinstadt ist als Kriminalitätshochburg bislang nicht aufgefallen. Freiburg dagegen hat seit vielen Jahren Probleme mit der öffentlichen Ordnung. Die Stadt steht mit 13 296 Straftaten im Jahr 2015 an der Spitze der baden-württembergischen Universitäts- und Großstädte. Diese Spitzenstellung verdankt Freiburg der Lage im Dreiländereck, den vielen Touristen und Studenten. Wohlstand zieht auch Kriminelle an. Die hohen Fallzahlen erklären sich aus den zahlreichen Diebstählen, Einbrüchen, Körperverletzungsdelikten oder Verstößen gegen das Aufenthaltsgesetz, bei der schweren Gewaltkriminalität und Sexualdelikten gibt es in Freiburg keine negativen Ausreißer.

Ungelöste Fälle

Allerdings führen die Alkoholexzesse von Jugendlichen, die Probleme mit minderjährigen Flüchtlingen, Drogenhandel sowie der Kriminalität von Jugendlichen aus dem Elsass und dem Schwarzwald bei nächtlichen Feiern dazu, dass sich viele Freiburger nicht mehr sicher fühlen in ihrer Stadt. Die Einführung eines „Kommunalen Ordnungsdienstes“ (KOD), wie es ihn erfolgreich in vielen anderen Städten im Südwesten gibt, scheiterte auch an den Grünen im Gemeinderat.

Außerdem macht die Stadt immer wieder mit häufig ungelösten Kriminalfällen auf sich aufmerksam. So konnte die seit Mai 2013 vermisste, damals 13 Jahre alte Maria B. immer noch nicht gefunden werden. Sie hatte über Facebook einen 40 Jahre alten Mann kennengelernt und könnte auch einem Sexualdelikt zum Opfer gefallen sein. Den Mord an dem acht Jahre alten Jungen Armani im Juli 2014, der aus einer Sinti-Familie stammte, konnte die Polizei nicht aufklären.

Benachteiligung bei Polizeistärke

Der Freiburger Polizeipräsident Bernhard Rotzinger und Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne) haben mehrfach eine personelle Verstärkung der Polizei verlangt, bislang ohne großen Erfolg. Die Stellenverteilung für die Polizeipräsidien hängt zu 75 Prozent von den Einwohnerzahlen und den „Raumstrukturen“ ab und nur zu 25 Prozent von der Kriminalitätsbelastung.

Eine Stadt wie Freiburg mit 226 000 Einwohnern und einer hohen Kriminalitätsbelastung ist da benachteiligt. Das Polizeipräsidium Freiburg verfügte 2014 über 1902,5 Planstellen. 2015 kamen drei Stellen hinzu. Demnächst soll das Verfahren zur Stellenverteilung geändert werden. Freiburg darf weiter hoffen.

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