https://www.faz.net/-gum-70ejs

Mord wegen verletzter Familienehre : Angeklagter schweigt vor Gericht

  • Aktualisiert am

Vor Gericht: Der Angeklagte schwieg zu den Vorwürfen. Bild: dpa

Der Mord an einem Syrer in Sarstedt erregte am Neujahrstag bundesweit Aufsehen. Nun steht der betrogene Ehemann vor Gericht und schweigt. Sein Komplize ist noch auf der Flucht.

          1 Min.

          Um die Familienehre wieder herzustellen, soll ein 38 Jahre alter Mann im Kreis Hildesheim den Liebhaber seiner Frau umgebracht haben. Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen begann am Mittwoch der Mordprozess gegen den Angeklagten, einen Deutschen libanesischer Herkunft. Im Landgericht Hildesheim verweigerte der Mann zunächst die Aussage.

          Er soll den Liebhaber seiner Frau gemeinsam mit einem Komplizen am Neujahrstag in Sarstedt im Kreis Hildesheim erschossen haben. Das Opfer, ein 35 Jahre alter Syrer, starb nachts im Kugelhagel an einer roten Ampel in seinem Auto. Die Täter hatten durch das Seitenfenster gefeuert. Staatsanwalt Wolfgang Scholz sagte bei der Verlesung der Anklage: „Sie haben beschlossen, zu töten, um die Familienehre wiederherzustellen.“ Die Tat sei ein heimtückischer Mord aus niedrigen Beweggründen gewesen.

          Die Suche nach dem Komplizen des Täters läuft noch, es soll sich dabei um den Schwager des Angeklagten handeln. Der Bluttat war ein knapp zweijähriges Beziehungsdrama vorausgegangen. Mehrfach war der später getötete Syrer mit seiner verheirateten Geliebten geflüchtet, doch die 32 Jahre alte Frau habe immer wieder Sehnsucht nach ihren sechs Kindern bekommen und sei zu ihrem Ehemann zurückgekehrt, sagte der Staatsanwalt.

          Der Liebhaber war selbst verheiratet. Im Januar 2011 heiratete das Paar dennoch nach islamischem Recht, obwohl beide Partner offiziell gebunden waren. Auch viele weitere Mitglieder ihrer Familienclans sind durch Hochzeiten eng miteinander verbunden. Drei Monate nach der islamischen Hochzeit trennte sich das Paar wieder, doch zu Weihnachten schickte der Syrer der Familie seiner Geliebten die Heiratsurkunde. „Damit wollte er seinen Besitzanspruch an der Frau dokumentieren“, erklärte der Staatsanwalt. Anstatt die Frau zu verstoßen, habe sich der Familienclan jedoch provoziert gefühlt und den Tod des Mannes geplant, glauben die Ermittler.

          Der Prozess soll am Montag mit der Vernehmung von Zeugen fortgesetzt werden. Das Gericht hat insgesamt 54 Zeugen und drei Sachverständige geladen. Das Urteil wird im August erwartet.

          Weitere Themen

          Über sieben Millionen Positiv-Tests in Amerika

          Corona-Liveblog : Über sieben Millionen Positiv-Tests in Amerika

          Demo in London aufgelöst – Polizisten verletzt +++ Söder nennt Strategie der Herdenimmunität ethisch nicht vertretbar +++ Deutscher Landkreistag fordert bundesweite Obergrenze für Privatfeiern +++ Alle Entwicklungen im Liveblog.

          Topmeldungen

          Es ist fünf vor zwölf: Agentur für Arbeit in Hamburg

          Beschäftigungsquote : Die Lücken der Arbeitslosenstatistik

          Viel mehr Menschen, als es die offizielle Quote zeigt, haben derzeit nichts zu tun. Das gilt auch für Deutschland, wo viele Menschen in Kurzarbeit gehen mussten.
          Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Markus Söder am Samstag in seinem Büro

          Rede beim virtuellen Parteitag : Großes Kino mit Markus Söder

          Der CSU-Chef erklärt den Delegierten ausführlich seine Corona-Politik und gibt sich dabei demonstrativ sprachsensibel. Eine zentrale Rolle bei der Inszenierung spielt eine Tasse – mit „Game of Thrones“-Motto.
          Nicht nur der Schalker Mark Uth (rechts) wollte gar nicht mehr hinsehen.

          1:3 gegen Bremen : Der nächste Schalker Absturz

          Nach dem 0:8 beim FC Bayern verlieren die Königsblauen auch das Duell der Krisenklubs. Ein Bremer Stürmer schießt Schalke im Alleingang ab. Und die Tage von Trainer David Wagner könnten bald gezählt sein.
          Blick in die Zukunft: Mitarbeiter am Zentrum für taktiles Internet in Dresden arbeiten mit einem Roboter

          Robotik-Standort Dresden : „Eine Riesenrevolution steht uns bevor“

          Dresden hat sich seit 1990 zu einem Hightech-Standort entwickelt. Das liegt an der Geschichte, vor allem aber an den Menschen. Sie haben sich schon oft neu erfunden. Bald will die Stadt zu den führenden Robotik-Zentren Europas gehören.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.