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Mord in Portugal : „Er hat sie getötet, er hat sie getötet“

Wehrlose Freundin und Kind ermordet: Gunnar D. muss lebenslang in Haft. Bild: dpa

Das Münchner Landgericht verurteilt Gunnar D. wegen Mordes an seiner ehemalige Freundin und seiner Tochter zu lebenslanger Haft. Die Richter sehen es als erwiesen, dass der Mann die beiden an einem Strand in Portugal getötet hat - während eines angeblichen Versöhnungsurlaubs.

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          Sie würde nicht lebend von der Reise zurückkehren, warnten ihre Freunde. Sie solle ihm nicht vertrauen, einem Mann, der zwei Jahre lang in der Versenkung verschwunden war, nachdem er erfahren hatte, dass seine Geliebte ein Kind von ihm erwartet. Doch Georgina Z. ließ sich überreden. Zu groß war die Hoffnung, dass ihre 21 Monate alte Tochter doch noch einen Vater und sie noch eine Perspektive für ein Leben jenseits von Hartz IV und Frauenhaus bekäme. Also flog sie im Juli 2010 mit Gunnar D. und ihrer Tochter nach Lagos in Portugal, ein Versöhnungsurlaub sollte es werden. Er wolle das Kind näher kennenlernen, hatte er gesagt, wer weiß, vielleicht gäbe es doch noch eine Chance für eine Beziehung?

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Doch eine Beziehung war nach Ansicht des Gerichts ungefähr das Letzte, was sich Gunnar D. vorstellen konnte. 2006 hatte der Maschinentechniker aus München die Angolanerin Georgina Z. in einer Kneipe in Stuttgart kennengelernt. Da war er schon seit vier Jahren mit der Indonesierin B. liiert, die er in England kennengelernt hatte. Man kam sich schnell näher, doch von seinem Leben gab er Georgina Z. bei ihren regelmäßigen Treffen im „Holiday Inn“ nicht mehr preis, als den angeblichen Namen „Tom“ und die Handynummer eines Prepaid-Telefons. Aber Georgina Z. verliebte sich.

          Als sie Gunnar D. im Januar 2008 am Telefon von ihrer Schwangerschaft berichtete, wiegelte dieser alle weiteren Treffen ab. Fortan war er nicht mehr erreichbar. Während Georgina Z. ins Frauenhaus zog, zog seine Freundin B. von England nach München. Nur Wochen nach der Geburt seiner Tochter im Oktober 2008 gab Gunnar D. eine Anzeige auf: „Tom sucht sie für regelmäßige erotische Treffen.“ 2010 wandte Georgina Z. sich an die Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen der Verletzung der Unterhaltspflichten. Gunnar D. erhielt schriftlich vom Gericht Aufforderungen zur Feststellung der Vaterschaft. Mit der Post stieg das Risiko, dass seine Freundin B. etwas erfahren werde, schlagartig. Sofort rief er Georgina Z. an, wollte sie zu einer außergerichtlichen Regelung überreden, ohne Erfolg. „Da beschloss er, sie zu töten“, so das Gericht.

          Ein Vaterschaftstest soll das Opfer in Sicherheit wiegen

          Auch habe er neben den privaten die finanziellen Konsequenzen nicht tragen wollen. Gunnar D. fuhr fortan mehrmals nach Stuttgart, um Georgina Z. zu einem Urlaub zu überreden. Sie willigte erst ein, dann sagte sie ihm, nach Warnung der Freunde, per SMS wieder ab. Bonbons, die er ihr schenkte, warf sie weg, aus Angst, sie könnten vergiftet sein. Doch Gunnar D. ließ nicht locker. Er fuhr wieder zu ihr, diesmal mit einem DNA-Test eines privaten Instituts. Er nahm Mundhöhlenabstriche von sich, Georgina Z. und der kleinen Tochter und warf den Umschlag mit den Test-Röhrchen in ihrem Beisein in den Briefkasten.

          Jetzt fasste sie Vertrauen, ein paar Tage später flogen sie nach Portugal. Am letzten Urlaubstag, dem 7. Juli 2010, fuhr Gunnar D. mit Georgina Z. und dem Mädchen an einen abgelegenen Strand, der nur über einen steilen Felsweg zu erreichen ist. Am Strand blieb das Kind auf einem Handtuch sitzen, Gunnar D. und Georgina Z. gingen ins Wasser. Was zunächst mit neckischen Wasserspielen begann, endete, wie es der Vorsitzende Richter formulierte, in einem heimtückischen Mord: Von hinten packte Gunnar D. die völlig arglose Georgina Z. und drückte sie minutenlang unter Wasser, bis sie tot war.

          Doch ein Zeuge am Strand hatte das Geschehen beobachtet. „Er hat sie getötet, er hat sie getötet“, rief dieser anderen Portugiesen zu, die ihre Hilfe angeboten hatten. Hilfe, die Gunnar D. barsch ablehnte: „Keine Feuerwehr, keine Polizei!“ Er wolle Medikamente aus dem Auto holen, sagte er, packte den Leichnam über seine Schulter und erklomm den Felsweg nach oben, neben sich das weinende Mädchen. Den Leichnam legte er dann am Wegesrand ab und verschwand mit dem Kind - so sieht es das Gericht. Der Leichnam des Mädchens wurde Monate später von Fischern gefunden. Er habe das Kind mit dem Auto mitgenommen, umgebracht und dann zwischen Felsen versteckt. Danach flog er alleine wieder nach München.

          Das Gericht sei „ohne jeden Zweifel“ von der Schuld des Angeklagten überzeugt. Der Badeunfall, den Gunnar D. angeführt hatte, sei auszuschließen. Zum Verbleib des Kindes habe er sich nie näher geäußert. Somit verurteilte das Landgericht München Gunnar D. am Dienstag wegen heimtückischen Mordes an zwei arglosen Menschen zu lebenslanger Freiheitsstrafe. Zudem stellte es die besondere Schwere der Schuld fest. Nach seiner Rückkehr hatte Gunnar D. an das private DNA-Institut eine Mail geschickt: Er forderte, die Unterlagen, die er geschickt hatte, sofort zu vernichten. „Wir haben es uns anders überlegt.“

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