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Mord an Irina A. : Wer ist der Verdächtige vom Niddapark?

Rocker-Schießerei in seinem Club

Auch sonst hatte Jan M. nicht immer Glück mit seinen Clubs: Im Juli 2014 war er Geschäftsführer des „Katana Clubs“ am Taunustor, als es dort zu einer Schießerei unter verfeindeten Hells-Angels-Mitgliedern kam. 40 Angreifer stürmten in den Club, der Betriebsleiter von Jan M. zog daraufhin eine Waffe und gab mehrere Schüsse ab. Vier Menschen wurden zum Teil erheblich verletzt. Die Staatsanwaltschaft teilte später mit, dass der Betriebsleiter des „Katana Clubs“ ein Mitglied des seit 2011 verbotenen Frankfurter Hells-Angels-Charters „Westend“ war. Er hatte sich offenbar mit Rockern aus Gießen zerstritten. Obwohl Jan M. sich aus dem Laden zurückzog, muss er seitdem damit leben, dass es in Artikeln über ihn stets heißt, er habe „gute Kontakte zur Rockerszene“.

Sichtlich gezeichnet von dem Einsatz: Ermittler am Tatort im Niddapark

Nach der „Sex-Mob“-Lüge wurde ihm außerdem vorgeworfen, Sympathien für die rechte Szene zu hegen. Es ist nicht nur das bis heute einzig bekannte mögliche Motiv für das Erfinden der Geschichte, auch Beiträge auf seiner Facebook-Seite sprachen dafür. So postete er dort zum Beispiel einen Film, in dem der „Nationale Widerstand“ durch Berlin marschiert, „Lügenpresse“ und „Hurensöhne“ ruft. Veröffentlicht hatte den Film ein Schweizer Politiker, der mal Mitglied einer rechtsextremen Partei und Sprecher von Pegida-Schweiz war. In den Kommentaren unter dem Video fand sich auch die Bemerkung: „Deutschland, Deutschland über alles“. Zu FAZ.NET sagte Jan M. damals: „Ich habe immer CDU gewählt und für mich arbeiten fast nur Ausländer, die ich alle sehr mag. Aber ich bin mit der Einwanderungspolitik von Merkel nicht einverstanden und hoffe, dass der Erfolg der AfD dazu führt, dass die CDU das merkt.“

Im Sommer 2017 postete Jan M. auf Facebook ein Bild von sich mit einem „Nafri Unit“-Shirt. Nafri ist eine umstrittene interne Arbeitsbezeichnung der Polizei Nordrhein-Westfalen für „Nordafrikanischer Intensivtäter“, die nach den Übergriffen der Silvesternacht in Köln 2015/2016 Schlagzeilen machte. Das T-Shirt ist allerdings offenbar Teil einer Kampagne gegen Rassismus. Ein Feindbild waren für Jan M. wohl trotzdem eher Linksradikale: Im Juli 2017 teilte er auf Facebook eine Petition, in der dafür geworben wurde, die Antifa als terroristische Vereinigung einzustufen. Ansonsten postete er viele Beiträge, in denen er sich als Fan von Eintracht Frankfurt zeigte.

Mittlerweile wird unter den Facebook-Posts von Jan M. wild über dessen Verhaftung spekuliert. Ein Nutzer schreibt: „Kommt halt nicht gut in der Frankfurter Szene, dass man ein kleiner AfD Nazi ist...“ Andere beschimpfen den Mann als Mörder – und werden gewarnt: „Ich würde das hier nicht so öffentlich anprangern, der Herr hat angeblich mit Mafia, Hells Angels etc. zu tun und ich glaube nicht, dass die das gerne lesen.“

Anmerkung der Redaktion:

In einer vorherigen Version haben wir geschrieben, dass Herr Jan M. für die Tatzeit ein Alibi von seiner Frau hatte. Zwischenzeitlich hat sich herausgestellt, dass ihm das Alibi eine Frau gegeben hat, die nicht seine Ehefrau ist.

Die Redaktion

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