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Fünffacher Kindermord : Dann nahm sie schreckliche Rache

Die Richter im Landgericht Wuppertal sprechen ihr Urteil über Christiane K. Bild: EPA

Christiane K. wird zu lebenslanger Haft verurteilt, weil sie fünf ihrer Kinder getötet hat – wohl aus Wut auf ihren Ehemann. Im Landgericht in Wuppertal wirkt alles wie in einem schlechten Traum.

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          Manchmal hat ein Satz große Wucht. Auch wenn er noch so harmlos daherkommt. „Ich bin der Vormund von Marcel“, sagt ein Mann, der am Donnerstagmorgen neben einem Saal im Landgericht in Wuppertal sitzt. Das hat Wucht: Marcel ist das älteste von sechs Kindern der im Saal angeklagten Christiane K. Marcel ist das Kind, das leben durfte. Sein Vormund ist vom Jugendamt. Neben ihm sitzt eine ältere Dame. Sie sagt: „Ich bin niemand“, und schaut bekümmert in die Ferne.

          Johanna Dürrholz
          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          An diesem Tag sprechen die Richter im Landgericht Wuppertal ihr Urteil über Christiane K., die die fünf jüngeren Geschwister von Marcel getötet und sich anschließend selbst vor eine S-Bahn geworfen hat – und überlebte. Dabei wirkt im Landgericht alles wie in einem schlechten Traum: Christiane K. läuft langsam und unsicher, sie ist so unauffällig, dass erst das Klicken der vielen Kameras im Gerichtssaal darauf verweist, dass sie ihn betreten hat. Ein paar Sekunden später hat sie ihren Platz erreicht, nimmt die OP-Maske ab. Der Vorsitzende Richter verurteilt sie zu lebenslanger Haft.

          K. wird des fünffachen Mordes schuldig gesprochen, das Gericht stellt außerdem die besondere Schwere der Schuld fest. Kein einziges Mal blickt K. während der Urteilsverkündung den Richter an, sie schaut stur geradeaus, ab und zu nach unten, den Mund fest zugedrückt. Sie ist blass und ein bisschen verquollen, so, als hätte sie in der vergangenen Nacht nicht gut geschlafen.

          Eine unbegreifliche Tat

          Was auf die Urteilsverkündung folgt, ist ein auf anderthalb Stunden gepresster Versuch der Richter, eine unbegreifliche Tat greifbar zu machen. Am 3. September 2020, so stellen die Richter fest, tötete Christiane K. fünf ihrer sechs Kinder. Sie ging dabei strukturiert vor: Nach einem Whatsapp-Streit mit ihrem Ehemann, der an diesem Tag ein Foto mit seiner neuen Freundin zu seinem Profilbild gemacht hatte, gab Christiane K. ihren fünf anwesenden Kindern einen starken Cocktail aus verschiedenen Medikamenten zu trinken. Die Familie saß beim Frühstück. Den Mix, den die älteren der fünf Kinder bekamen, bezeichnet der Richter als „Vergiftung“, die „lebensbedrohlich“ habe sein können. Von den Medikamenten habe K. gewusst, dass sie sedierend und betäubend wirkten.

          K. ließ ein Bad ein, stellte noch den kleinen Heizofen mit dazu, legte Spielzeug in die Wanne und ertränkte oder erstickte ihre Kinder der Reihe nach im Badewasser. Auch hier ging sie planvoll vor: Sie begann mit dem jüngsten und schwächsten Kind, der einjährigen Melina, die sie vermutlich mit einem Kissen in der Wanne erstickte. Der Reihe nach tötete sie dann Leonie (2), Sophie (3), Timo (6) und Luca (8). Die Leichen wiesen Spuren auf, die darauf hindeuteten, dass die Kinder sich wehrten. Anschließend wickelte Christiane K. ihre nackten, toten Kinder in Handtücher und legte sie ins Bett. Dabei sei sie mit einer „gewissen Empathie“ vorgegangen, sagt der Vorsitzende Richter. Die vier Kinder, die sie mit ihrem Ehemann Pascal K. hatte, lagen alle in einem Zimmer.

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