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Mörder von Gleis 7 : Nicht zu begreifen

Ein Täter, der noch immer Fragen aufwirft: Habte A. vor der Urteilsverkündung am Freitag im Gerichtssaal mit seinen Verteidigern Bild: Lucas Bäuml

Im Prozess um die tödliche Attacke am Frankfurter Hauptbahnhof wird der Beschuldigte des Mordes und des versuchten Mordes schuldig gesprochen. Er muss dauerhaft in ein psychiatrisches Krankenhaus. Das Geschehen bleibt unfassbar.

          5 Min.

          Habte A. richtet seinen Blick fest auf den Dolmetscher, als der Vorsitzende Richter zu sprechen beginnt. „Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil: Die Unterbringung des Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus wird angeordnet. Bitte nehmen Sie Platz.“ A. setzt sich hin, legt die Arme auf die Oberschenkel und fixiert weiter den Übersetzer. Er ist ungewöhnlich aufmerksam an diesem Tag, der so große Bedeutung für den Fortgang seines Lebens hat. Offensichtlich will er so genau wie möglich verstehen, was der Richter sagt. Während der folgenden Dreiviertelstunde rutscht er auf seinem Stuhl hin und her, wie er es sonst nie getan hat in diesem Prozess.

          Anna-Sophia Lang
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Tat, für die Habte A. am Freitag verurteilt wird, ist mit menschlichen Maßstäben nicht zu begreifen. Am 29. Juli 2019 hatte er am Frankfurter Hauptbahnhof einen acht Jahre alten Jungen auf das Gleis vor einen einfahrenden ICE geschubst. Leo starb an Ort und Stelle. Seiner Mutter, die von Habte A. ebenfalls einen heftigen Stoß bekommen hatte und ins Gleis gestürzt war, gelang es im Bruchteil einer Sekunde, sich wegzurollen. Sie trug nur leichte körperliche Verletzungen davon. Der Schmerz über den Tod ihres Kindes, aber vor allem die Vorwürfe, die sie sich selbst macht, wiegen so schwer, dass bis heute kaum etwas dagegen geholfen hat. Sie sei „in einem ganz tiefen Tal“, so hat ein Anwalt der Familie ihre Verfassung zu Prozessbeginn beschrieben.

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