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Mobbing im Internet : Festnahme in Großbritannien nach Twitter-Drohungen gegen Aktivistin

  • -Aktualisiert am

Caroline Criado-Perez (rechts im Bild) mit Mark Carney, dem Gouverneur der englischen Notenbank, bei der Präsentation des neuen Zehn-Pfund-Scheins Bild: dpa

Nachdem sie für mehr Frauenbilder auf Banknoten eintritt, erhält eine britische Aktivistin über Twitter Vergewaltigungsdrohungen. Nun hat die Polizei einen Verdächtigen festgenommen – und im Vereinigten Königreich diskutiert man wieder einmal über Umgangsformen im Internet.

          Eigentlich war Caroline Criado-Perez am Freitag in Feierlaune. Eben hatte die britische Notenbank bekanntgegeben, dass mit Jane Austen eine Frau den neuen Zehn-Pfund-Schein zieren würde. Dazu war es unter anderem deswegen gekommen, weil Criado-Perez und einige Mitstreiterinnen sich dafür eingesetzt hatten, dass die Bank auf ihren Geldscheinen künftig mehr Frauen abbildet. Die feministische Journalistin und Aktivistin sagte, die Entscheidung würdige die gesellschaftlichen Beiträge, die Frauen in der Vergangenheit geleistet hätten. In öffentlichen Auftritten freute sie sich auf weitere weibliche Köpfe auf zukünftigen Geldscheinen.

          Doch die Freude währte nicht lange. Kurz nachdem die Entscheidung der Notenbank zum Jane-Austen-Schein bekannt wurde, begannen auf der Twitter-Seite der Journalistin Drohungen und Beleidigungen einzulaufen. Diverse Nutzer richteten spezielle Konten ein, um der Aktivistin, die sich unter anderem auch auf der Internetseite „Women’s Room“ für eine bessere Repräsentation von Frauen in den Medien einsetzt, Gewalt und Vergewaltigung an den Hals zu wünschen und ihr nahezulegen, sich lieber nicht mehr öffentlich zu äußern, wenn ihr ihre Sicherheit am Herzen liege. Etwa zwölf Stunden lang erhielt Criado-Perez nach eigenen Angaben rund 50 solcher Nachrichten in der Stunde.

          Nachdem Twitter ihrer Bitte um Hilfe offenbar nicht nachgekommen war, wandte sie sich an die Polizei, die im Zusammenhang mit den Drohnachrichten nun in der nordenglischen Stadt Manchester einen 21 Jahre alten Mann festgenommen hat. Nach Aussage eines Sprechers sind die Beamten außerdem dabei, hunderte weiterer Drohnachrichten nach Hinweisen auf ihre Urheber zu durchsuchen.

          Der Fall hat in Großbritannien eine neue Debatte über Mindeststandards bei Diskussionen in sozialen Netzwerken ausgelöst. Viele Kommentatoren kritisierten, dass es etwa auf Twitter beinahe unmöglich sei, sich gegen Drohungen oder beleidigende Nachrichten zur Wehr zu setzen. Anders als in den Kommentarspalten vieler Online-Medien gibt es dort bisher keine Möglichkeit, den Betreibern einen Missbrauch ihres Dienstes zu melden oder die Sperrung bestimmter Nutzer zu beantragen.

          Einige Medien wiesen darauf hin, dass vor allem Frauen, die sich selbstbewusst in der Öffentlichkeit äußerten, überdurchschnittlich häufig Opfer derartiger Kampagnen würden. Allerdings könne so gut wie jeder Internetnutzer ins Visier der virtuellen Wut geraten. Criado-Perez will sich nun vor allem nicht einschüchtern lassen. „Wenn wir zurückschreien, gewinnen wir“, schrieb sie in einem Blog-Eintrag. Auf ihrer Twitter-Seite überwiegen mittlerweile die solidarischen Kommentare.

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