https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/mitglied-der-pink-panther-bande-in-koeln-vor-gericht-18151337.html

Überfall auf Juweliere : Mit Perücke und Sturmgewehr

Der angeklagte Milos L. im Gerichtssaal des Landgerichts Köln. Bild: dpa

In Köln muss sich seit Dienstag ein mutmaßliches Mitglied der international agierenden Pink-Panther-Bande vor Gericht verantworten. Festgenommen wurde er auch dank der Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“.

          2 Min.

          Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen hat am Dienstagmorgen der Prozess gegen ein mutmaßliches Mitglied der international operierenden Pink-Panther-Bande begonnen. Dem 34  Jahre alten Milos L. mit serbischer und kroatischer Staatsbürgerschaft wird in drei Fällen schwerer Raub vorgeworfen, außerdem ist er wegen schwerer Körperverletzung und der Verwendung eines Sturmgewehres angeklagt. Mit einem Block vor dem Gesicht betritt L. den Saal 112 im Kölner Landgericht. Sein glattes, weißes Hemd sitzt so körperbetont, dass es im Sitzen leicht vor der Brust spannt, die schwarzen Haare sind sorgfältig frisiert. Er sei Vater einer kleinen Tochter und in seiner Heimat Serbien außerdem verlobt, sagt er.

          Johanna Dürrholz
          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die Anklage, die folgt, will nicht recht zum Auftritt des ordentlich zurechtgemachten Angeklagten passen. Er soll 2015 mit einem Mittäter einen Juwelier an der Zülpicher Straße in Köln überfallen haben. L. soll sich mit Rasta-Perücke und Strohhut verkleidet haben, sein Mittäter mit einem falschen Bart. L. soll auf den Juwelier eingeschlagen haben, bis dieser zu Boden ging, während L. weiter auf ihn einschlug und -trat. Sein Mittäter öffnete derweil eine Vitrine und packte Schmuck in eine Tasche. Der überwältigte Juwelier konnte sich schließlich aus L.s Griffen lösen und ging mit einem Baseballschläger auf die Räuber los, die daraufhin flohen.

          In einem zweiten Fall soll L. mit Mit­tätern in ein Juweliergeschäft im Kölner Stadtteil Nippes eingedrungen sein, mit Sturmgewehren bewaffnet. Die Täter sollen den Inhaber des Geschäfts mit Schlägen und Tritten überwältigt und anschließend mit pinkfarbenen Stahlfesseln gefesselt haben – ein in der Anklage einzig auf die Pink-Panther-Bande hinweisendes Detail. Mit Fäustlingen schlugen sie laut Anklage das Glas einer Vitrine ein. Nur 85 Sekunden dauerte der Überfall bis zur Flucht der Täter in einem zuvor in Essen gestohlenen Wagen.

          Hilfe durch „Aktenzeichen XY ... ungelöst“

          Beim zweiten Überfall erbeuteten die Täter Schmuck im Wert von mehr als 100.000 Euro. Wegen der Sturmgewehre – L. soll mit seinem Gewehr die Eingangstür vor dem Geh- und Radweg draußen bewacht haben – ist L. ebenfalls angeklagt, ebenso wegen gefährlicher Körperverletzung. Außerdem wurde der Überfall in der Sendung „Aktenzeichen XY . . . ungelöst“ behandelt, was maßgeblich dazu beitrug, dass L. vergangenes Jahr bei einer Passkontrolle in Barcelona verhaftet wurde.

          Ferner ist Milos L. in einem dritten Fall angeklagt: Er soll mit einigen weiteren Tätern 2016 in Esslingen am Neckar einen Werttransporter überfallen haben. Mit einem Teleskopschlagstock be­waffnet, zwangen sie laut Anklage den Fahrer, der dabei war, seinen Trans­porter zu entladen, auf dem Beifahrersitz des Fahrzeugs Platz zu nehmen. Als er fragte, ob es sich um einen Scherz handele, bekam er einen Schlag mit dem Stock versetzt und wurde ohnmächtig. L. und seine Mittäter sollen Gegenstände im Wert von mehr als 700.000 Euro erbeutet haben.

          „Pink Panthers“ – so haben sich die mutmaßlichen Räuber nicht etwa selbst getauft. 1993 soll ein Mitarbeiter von Scotland Yard der Bande den Namen gegeben haben: Bei einem Juweliers­überfall in London soll ein Diamantring in einer Cremedose versteckt worden sein, ein Trick, der auch im Pink-Panther-Film von 1963 angewendet wird. Der Angeklagte, der laut Vorsitzendem Richter mit vier Anwälten eine „beein­druckende Zahl von Verteidigern“ vorweisen konnte, ließ über einen seiner Verteidiger verlauten, dass er nicht aussagen wolle. Nach der Anklageverlesung stellte die Verteidigung einen Antrag auf Aussetzung des Verfahrens, weil die Ermittlungsakten nicht vollständig ­seien. So fehlten darin zum Beispiel Aufnahmen, die in der Sendung „Akten­zeichen XY . . . ungelöst“ gezeigt worden waren.

          Topmeldungen

          Wenige Wochen vor der Flucht: Ali Ahmed Kaveh und seine Frau Mozghan am 18. Juli 2021 in Herat

          Afghanistan : Eine Flucht in die Hände des Feindes

          Ein Afghane steht auf einer Todesliste der Taliban. Monatelang versteckt er sich. Dann flieht er nach Kabul – kurz bevor dort die Islamisten die Macht übernehmen. Die Chronik einer Flucht.
          Eingezäunt: Amazon Web Services betreibt in Europa mehrere Server – wie hier im schwedischen Kjula.

          Kritik am Datenschutz : US-Cloudanbieter ausgegrenzt

          Im Namen des Datenschutzes geht es jetzt bei der Auftragsvergabe von Behörden pauschal gegen amerikanische Anbieter von Cloud-Diensten. Selbst Datenschützern geht das zu weit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.