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Bewährungsstrafe : Mitarbeiter veruntreute 820.000 Euro der Caritas

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Eine Kundin kauft in einem Sozialkaufhaus der Caritas ein. Der Wohlfahrtsverband der katholischen Kirche hilft Menschen in Not. Bild: ddp

Ein ehemaliger Caritas-Mitarbeiter hat Rechnungen gezielt doppelt abbuchen lassen. Rund 820.000 Euro hat der Mann so veruntreut. Um den Schaden wieder gutzumachen, will er sein Haus verkaufen.

          Ein früherer Mitarbeiter der kirchlich getragenen Ulrichswerkstätten im schwäbischen Aichach hat nach Auffassung eines Gerichtes in seinem Dienst rund 820.000 Euro veruntreut. Das Schöffengericht des Augsburger Amtsgerichtes verurteilte den 37-Jährigen am Montag zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung. Außerdem muss er 120 Sozialstunden leisten. Das teilte der Caritasverband für die Diözese Augsburg am Dienstag mit. Das Gericht bestätigte dies auf Anfrage der dpa. Die Aichacher Ulrichswerkstätten für Behinderte sind in Trägerschaft der gemeinnützigen „CAB Caritas Augsburg Betriebsträger gGmbH“, einer Tochter des Caritasverbandes.

          Der Mann habe gezielt Zahlungsanweisungen für gelieferte Waren oder auszuzahlende Fördergelder doppelt durch die Buchhaltung durchlaufen lassen, so die Caritas. Er habe sich selbst angezeigt, nachdem vor rund einem Jahr intern Unregelmäßigkeiten aufgefallen seien, und sei seinerzeit fristlos gekündigt worden. Die Caritas habe während der Ermittlungen eng mit den Behörden zusammengearbeitet und sich erst jetzt zu dem Fall geäußert, um die Untersuchungen nicht zu beeinträchtigen, sagte Caritas-Sprecher Bernhard Gattner.

          Der Beschuldigte habe sich im Verfahren geständig gezeigt und sein Verhalten mit „Existenzängsten“ erklärt. Außerdem kündigte er an, den durch ihn entstandenen Schaden wieder gutmachen zu wollen, was auch eine weitere Bewährungsauflage ist, wie Gattner ergänzte. Der Mann habe in den vergangenen Monaten 590.000 Euro angesammelt, auch mit Unterstützung seiner Familie. Nun wolle er noch sein Haus verkaufen, um die Restschuld zu begleichen.

          Die CAB habe zwischenzeitlich höhere Sicherheitsstandards in der Buchhaltung etabliert, sagte der Caritas-Sprecher. „Nach menschlichem Ermessen“ könne nun ein Betrugsfall dieser Art künftig nicht mehr vorkommen. Augsburgs Diözesan-Caritasdirektor Andreas Magg zeigte sich „traurig“ und „verärgert“ darüber, dass ein Mitarbeiter „eine Vertrauensstellung so gezielt missbraucht hat“. Magg sagte: „Vertrauen wurde missbraucht, Kontrolle hintergangen. Ich bin froh, dass der Fall schließlich aufgedeckt worden war, der Täter sich reuig zeigt und den Schaden voll umfänglich ausgleichen möchte.“

          Seit Anfang Februar ist das Bistum Eichstätt wegen eines Finanzskandals in den Schlagzeilen. Zwei ehemalige Mitarbeiter sollen Kirchengeld in Höhe von rund 48 Millionen Euro in ungesicherte Darlehen in Amerika gesteckt haben. Sie sitzen in Untersuchungshaft, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen noch.

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