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Missouri : Geistig Behinderter Ernest L. Johnson trotz Protesten in den USA hingerichtet

  • -Aktualisiert am

Eine Hinrichtungsbank in den USA. (Symbolbild) Bild: AP

Der Gouverneur von Missouri hatte Forderungen, den Mann aufgrund seiner geistigen Behinderung zu verschonen, nicht gelten lassen. Die Hinrichtung geistig behinderter Menschen ist in den USA eigentlich verboten.

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          Trotz zahlreicher Appelle von Bürgerrechtsorganisationen, Parlamentariern und auch des Papstes ist ein wegen drei­fachen Mordes verurteilter Mann am Dienstagabend im amerikanischen Bundesstaat Missouri hingerichtet worden. Der 61 Jahre alte Ernest Lee Johnson starb durch eine Giftspritze im Gefängnis in Bonne Terre, wie die örtlichen Behörden mitteilten. Seine Anwälte hatten bis zuletzt versucht, die Hinrichtung zu verhindern. Sie argumentierten, diese sei ver­fassungswidrig, da Johnson eine geistige Behinderung habe. Unter Verweis auf Ergebnisse mehrerer Intelligenztests verwiesen sie darauf, dass er über die intellektuellen Fähigkeiten eines Kindes verfüge.

          Majid Sattar
          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Kurz vor der Hinrichtung hatte der Oberste Gerichtshof in Washington einen letzten Antrag auf Aufschub abgewiesen. Schon im August hatte das Oberste Gericht von Missouri die Argumentation der Anwälte zurückgewiesen. Die Erinnerungen an das Verbrechen, die er später einem Arzt erzählt habe, zeigten, dass Johnson in der Lage sei, „zu planen, strategisch zu denken und Probleme zu lösen – entgegen der Feststellung einer erheblich unterdurchschnitt­lichen Intelligenz“, so die Richter.

          Im Jahr 1994 hatte Ernest L. Johnson in der Stadt Columbia bei einem Überfall auf einen Gemischtwaren­laden drei Mitarbeiter getötet. Die Opfer waren mit einem Zimmermannshammer erschlagen worden. Dem Arzt habe Johnson zehn Jahre später erzählt, er habe den Überfall mindestens einen Monat zuvor geplant und das Geld für Kokain gebraucht. In einem Schreiben an Gouverneur Mike Parson hatte der vatikanische Botschafter in Washington im Namen von Papst Franziskus darum gebeten, die Hinrichtung zu stoppen. Der Papst wolle die Menschlichkeit Johnsons und „die Heiligkeit allen mensch­lichen Lebens“ vor Augen führen, schrieb Erzbischof Christophe Pierre. Parson hatte eine Begnadigung am Montag abgelehnt.

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